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Kronach

Durch Revolution zur Reformation

Schüler des Kronacher Frankenwald-Gymnasiums haben ein Jahr lang ein Theaterstück über Luther erarbeitet. Nun wurde es aufgeführt - und schlug einen Bogen zur Gegenwart.



Der Höhepunkt des Disputs: Martin Luther (Miriam Ginevrino, rechts) will den Ausführungen des Fürstbischofs von Redwitz (Jannik Beiergrößlein) nicht länger folgen. Wenig später kommt es zum Eklat. Foto: Rafael Zwosta  

Kronach - Mit "Luther in Kronach" hat die Projektgruppe "Theater" auf der Studiobühne des Frankenwald-Gymnasiums ein vielschichtiges Stück präsentiert - mit einer entscheidenden Besonderheit: Die Schüler hatten es zusammen mit ihrem Deutsch- und Betreuungslehrer selbst geschrieben. Über ein Jahr lang wurde das Stück von den Schülerinnen und Schülern der 8. Klassen mit ihrem Deutschlehrer Tobias Pohl geschrieben und einstudiert. Entstanden ist ein vielschichtiges Stück, das versucht, die Umwälzungen der Reformation greifbar zu machen und aktuell zu halten.

Weitere Rollen

Graf von Neuses (Linda Wunder), Graf von Friesen (Emilia Ziebura), Bäuerin (Laura Franke), Knecht (Anna Mayer), Kanzler (Romy Trinkwalter), Witzger (Jonas Münzel), Noll (Elias Reißig).


Zum Inhalt: Der Bauer (Lilo Ehrsam) muss seinem Grundherren (Amelie Schreier) berichten, dass die Ernte gering ausfällt - wie schon die Jahre zuvor. Wo heute der Boden wissenschaftlich untersucht und das Pflanzenwachstum per Satellit überwacht werden kann, gibt es zu Zeiten Luthers laut dem Grundherren nur eine mögliche Erklärung: Gott bestraft die Bauern für ihre Sünden. Doch diese können sich noch so oft mit Gebeten an Gott wenden oder sich wie ein guter Christ verhalten, es hilft nichts: "Mein Stand kennt keine Gnade. Gott sieht ihn nicht", stellt der Bauer resigniert fest.

Eine Möglichkeit gibt es allerdings schon, um seine Sünden wieder gut zu machen: Ablasshandel. Hält die katholische Kirche beispielsweise einen Gottesdienst im Namen des Sünders, wird der von seinen Sünden und den damit einhergehenden Strafen erlöst. Doch diese "Gnade Gottes" lässt sich die Kirche teuer bezahlen. Genau dieses Verhalten ruft Luther (Miriam Ginevrino) auf den Plan. Er findet: "Das ist kein menschlicher Gott", von dem die Kirche da redet. Mit dem berühmten Wittenberger Thesenanschlag provoziert Luther ohne es zu wollen einen dramatischen, gewaltsamen Umbruch in ganz Europa. Neue politische Allianzen formen sich, alte zerbrechen.

Das erlebt auch der Bischof (Jannik Beiergrößlein), der dabei zusehen muss, wie eine erhebliche Zahl an ehemals treuen Adeligen auf die Seite Luthers wechselt. Er möchte ihn deshalb zu einem Disput, einem Streitgespräch, nach Kronach laden, um seine "Irrlehre" öffentlich zu widerlegen. Allerdings nur in diesem Stück; tatsächlich hielt sich Luther nie in Kronach auf. Auch an anderen Stellen ist das Stück in den historischen Kontext gesetzt, in den Details allerdings abgeändert oder komplett neu konstruiert. So verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Das tut der Qualität des Stücks allerdings keinen Abbruch: Es muss sich keiner Mauerschau bedienen, um die dramatischen Veränderungen dieser Zeit darzustellen. Stattdessen glänzt es im Kleinen, indem es persönliche Schicksale der Machtlosen darstellt, etwas das gerne vergessen wird, wenn über Revolutionen und Umbrüche geredet wird, auch heute noch.

Doch der Bischof verliert nicht nur ehemals Verbündete an Luther, sondern auch weltliche Gegner Luthers wenden sich von der Kirche ab, um die Gunst der Stunde zu nutzen. Nicht zuletzt deshalb warnt Lucas Cranach (Tarek Becic) Luther davor, nach Kronach zu kommen, als er ihm die Einladung des Bischofs zum Disput im Stück überbringt. Doch davon lässt sich der unfreiwillige Revolutionär nicht abbringen.

In einem furiosen und lauten Streitgespräch duellieren sich die beiden schließlich verbal. "Ihr habt das Wort nicht verstanden!", bringt Luther seine Meinung lautstark zum Ausdruck. Unerwartet für das Publikum: Auch die Bühnenausstattung wird in die Auseinandersetzung mit einbezogen, als Luther schließlich den Tisch des Bischofs wutentbrannt mit einem großen Knall umwirft. Das Bühnenbild ist ohnehin außergewöhnlich: Unter der Leitung von Kunstlehrerin Alexandra Reiter entstand eine stimmige Mischung aus traditioneller Kulisse und dem Einsatz von Beamer und Beleuchtung im Stile des epischen Theaters, um die Vielzahl an teils real existierenden Orten darzustellen und Szenenwechsel schnell zu ermöglichen. Unterstützt wurde die Authentizität durch passende Musik, die unter der Leitung von Musiklehrer Ralf Probst zusammen mit der Big Band des FWG eingespielt worden war. So erhielt selbst Luthers Choral "Eine feste Burg ist unser Gott" ein zeitgenössisches Gewand.

Doch bringt das Streitgespräch Luther weniger an seine persönlichen Grenzen, als sehen zu müssen, welchen Einfluss "seine" Revolution auf reale Menschen hat. Er erkennt, dass die von ihm verursachte Änderung der politischen und religiösen Grundlagen, das Leben der eingangs erwähnten Tochter des Bauern (Victoria Betz) völlig durcheinander gebracht hat. So sehr, dass sie sich nach dem plötzlichen Tod ihres Kindes an dessen Grab selbst richtet. Und das obwohl sich der Vater, ein Mönch (Gina Marie Graf), zu ihr bekennen und sein Kloster verlassen wollte.

Beim Anblick dieser gescheiterten, unmöglichen Familie muss Luther realisieren, dass er im Kampf um das große Ganze das Kleine aus den Augen verloren hat; welch dramatischen Einfluss das Abstrakte in der Realität hat.

Spätestens in dieser Szene erkennt auch der Zuschauer die immense Bedeutung der Religion für die Menschen zu dieser Zeit.

Autor

Bastian Heinlein
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Veröffentlicht am:
14. 11. 2018
18:16 Uhr

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14. 11. 2018
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