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Kronach

Ein Glücksfall für Tüschnitz

Vor 700 Jahren ist die Niederungsburg in dem Küpser Ortsteil gegründet worden. Das wird gebührend gefeiert. Unter anderem mit einem archäologischen Vortrag.



Auf diesem Luftbild vom Tüschnitzer Ortskern ist die ruinenhaften Darstellung der früheren Niederungsburg zu erkennen: Die heute sichtbare Darstellung zeigt den Zustand der Burg in der Bauphase nach 1365 mit dem Torturm, dem steinernen Wohnturm und der Umfassungsmauer. Auf das Jahr 1319 - also vor genau 700 Jahren - kann der erste Burgenbau in Tüschnitz zurückdatiert werden. Foto: privat  

Küps - "Die Anlage in Tüschnitz ist der seltene, in ganz Süddeutschland einmalige Fall, dass eine Kleinadelsburg komplett untersucht wurde", hob Thomas Liebert bei seinem Fachvortrag "700 Jahr Niederungsburg Tüschnitz" vor rund 100 interessierten Zuhörern hervor. Mit einem dreitägigen Fest feierte der Ort die Gründung der vor wenigen Jahren wiederentdeckten Niederungsburg.

Tüschnitz wurde erstmals in einer Schenkungsurkunde 1288 urkundlich erwähnt. Als Niederungsburg sei die Tüschnitzer Burg 1319 auf einer aufgeschütteten Motte nachgewiesen, erläuterte Liebert die fünf Bauphasen. Damit wurde die Burg exakt vor 700 Jahren gegründet. "Bis auf ein halbes Jahr genau können die dendrochronologischen Untersuchungen die Datierung ermöglichen", erläuterte der Archäologe. Das Holzfundament, das bei den von 1992 bis 1994 durchgeführten Grabungen gefunden wurde, habe zur Stabilisierung des Gebäudes in einer Größe von neun auf elf Metern gedient. Der dauerfeuchte Boden habe alles organische Material wie Holz, Leder und Gräser über die Jahrhunderte konserviert, erklärte er die gute Qualität der Grabungsfunde.

In der zweiten Bauphase sei ab 1345 eine etwa 1,4 Meter breite Steinmauer entstanden. Nach einem Brand um 1365 wurde ein fester Steinturm errichtet. Der heute obertägig dargestellte ruinenhafte Zustand der Tüschnitzer Burg zeige exakt den Zustand dieser dritten Bauphase.

Kleinere, in Holz ausgeführte Baumaßnahmen wie der Flechtzaun zeugten von der vierten Bauphase um 1422. Zuletzt sei die Niederungsburg um 1525 mit weiteren Mauern verstärkt und umfassend ausgebaut worden. Diese Baumaßnahmen fielen in die Zeit des Bauernkrieges, die auch zu Zerstörungen an der Tüschnitzer Burg geführt haben sollen. Die zahlreichen Fundstücke wie Steingefäße, Keramiken und Rüstungsteile ließen heute eine sehr gute Beschreibung der Burg zu, sagte Liebert.

Nach weiteren Zerstörungen im 30-jährigen Krieg 1632 durch die Kronacher habe es offenbar doch noch Leben in der Tüschnitzer Burg gegeben. Nach Plänen aus dem Jahr 1740 sollte das Anwesen sogar zu einem Schloss ausgebaut werden. Der frühe Tod von Bernhard Wilhelm von Künsberg, letzter Sohn aus der Tüschnitzer Linie derer von Künsberg, habe diese Pläne offenbar zunichte gemacht.

Begeistert zeigte sich Bürgermeister Bernd Rebhan vom Vortrag. "Sie haben es verstanden, uns die großen geschichtlichen Zusammenhänge anhand der Burg der Adelsfamilien von Redwitz und von Künsberg mit zahlreichen Bildern zu erläutern", dankte er.

Eingangs hatte er die zahlreichen Interessierten begrüßt und auf die Entwicklung von der Entdeckung der Fundamente 1990 bis zu den drei Grabungskampagnen von 1992 bis 1994 verwiesen, für die der Markt Küps, der Landkreis Kronach und die Oberfrankenstiftung rund 360 000 Mark aufgewendet hatten. Auch dank der Unterstützung von Otto Mühlherr habe Tüschnitz einen neu gestalteten und begrünten Ortsmittelpunkt rund um die Ruine. Wenn man zurückblicke, müsse man die Entwicklung als Glücksfall bezeichnen, weil die Grabungsarbeiten letztlich dazu beigetragen hätten, dass Tüschnitz ins Dorferneuerungsprogramm gekommen sei, sagte der Bürgermeister. 17 000 Fundstücke seien das Ergebnis der Grabungen.

Die Geschichte der Niederungsburg, der Schlössergemeinde Küps sowie der reichsritterschaftlichen Familien von Redwitz und von Künsberg wolle der Markt Küps museal aufarbeiten und öffentlich präsentieren, kündigte Bernd Rebhan an.

Zuvor hatte er den Tüschnitzern für die Organisation des Jubiläumsfestes gedankt. Der Festsonntag hatte mit einem Gottesdienst im Festzelt begonnen, den Pfarrer Reinhold König und Diakon Georg Zenk feierten. Der Gottesdienst und das anschließende Weißwurstfrühstück wurden musikalisch vom Musikverein Johannisthal umrahmt.

Hubertus von Künsberg hatte in einem Grußwort auf die umfassenden Bezüge der Adelsfamilie zu Tüschnitz verwiesen. Noch heute gebe es Keller- und Schafweiderechte, die die enge Beziehung zum früheren Rittergut bezeugten. 1626 habe mit Hans Heinrich von Künsberg ein Vorfahre der von Künsbergs das Rittergut Tüschnitz von der Familie von Redwitz, den Begründern von Tüschnitz, erworben. ber

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Veröffentlicht am:
16. 07. 2019
15:12 Uhr

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16. 07. 2019
15:12 Uhr



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