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Kronach

Ein Künstler, der aus dem Rahmen fällt

Abi Shek hat dem Kronacher Kunstverein heuer schon mehr als 400 Besucher beschert. Bei der Finissage stellt er sich dem Publikum.



Abi Shek mit seiner Frau Katja Ritter beim Künstlergespräch. Foto: Julien-Mann  

Kronach - Abi Sheks Arbeiten fallen aus dem Rahmen. Nicht wie üblicherweise auf Papier, sondern auf Leinwand druckt er seine Holzschnitte. "Ich mag das Grobe, das Fette", sagt er. Der haptisch griffige Farbauftrag macht die schwarze Fläche in seinen Werken lebendig, denn ja nach Blickwinkel oder Beleuchtung ändern sich die Strukturen.

Der israelische Künstler hat mit seiner Ausstellung "Bestiarium" die Saison im Kronacher Kunstverein eröffnet. In großformatigen Holzschnitten stellt er Tiere in reduzierten Silhouetten dar, die an Höhlenmalereien erinnern. Über 400 begeisterte Besucher hat die Ausstellung in die Galerie gespült, freut sich der Vorsitzende des Kronacher Kunstvereins, Karol J. Hurec. Deshalb habe man den Künstler zur Finissage erneut eingeladen.

Das Künstlergespräch fand im Stuhlkreis um die Installation "Kultur" statt, ein kleines Feld mit Getreideähren aus vergoldetem Metall. Die Auseinandersetzung von Natur und Kultur ist ein zentrales Thema von Abi Shek. "Wir gehen in den Wald und denken, wir wären in der Natur, aber das sind wir nicht", sagt er, "Unsere Getreidearten sind reine Kulturpflanzen."

Manche Ungereimtheit in den Tiermotiven sieht man erst auf den zweiten oder dritten Blick, etwa das dritte Geweih an einem Hirsch. Es gehe um das Wesen, sagt er und nicht um eine naturalistische Darstellung. Er erzählt vom schönsten Kompliment, das er jemals erhalten habe: Das Wesen des Elefanten sei sehr gut getroffen, hatte ihm ein Betrachter attestiert. Und der nächste sagte über dasselbe Bild, das Wesen des Hasen sei sehr gut getroffen. Die Wirkung von Abi Sheks Bildern bedarf keiner naturnahen Figürlichkeit. "Es geht um den Rhythmus", sagt er. Und der steckt in den Linien und Konturen, in der Komposition der Motive, ihrer Einteilung und Anordnung. Genauso wichtig wie die Motive ist der Weißraum der Bilder. Er lässt das Unsichtbare antizipieren, etwa beim Panther, der auf einem Ast liegt, auch wenn kein Ast sichtbar ist. Doch wie kommen die Motive überhaupt auf die Leinwand? Die Holzplatten findet Abi Shek überall, manchmal auf der Straße. Oft sind es gebrauchte Gegenstände, so erklärt sich eine parallel laufende Lochreihe auf einem Motiv: Es entstand auf einem ehemaligen Ikea-Regal. Mit einer handgemachten Presse reibt er den Farbauftrag auf die Leinwand. Üblicherweise fertigt er die Drucke in einer Auflage von zehn Stück an, aber durch die individuelle manuelle Bearbeitung ist jedes ein Original. Die Bespannung der Leinwand auf Keilrahmen macht er selbst, das Weiß der Leinwände arbeitet er oft eigenhändig nach. "Handwerkliches Können gehört eben immer dazu", bemerkt Karol J. Hurec.

Die Farben Abi Sheks sind schwarz und weiß, und ab und zu blau. Das Blau aus dem Orient habe etwas Kaiserliches. Im Süden, wo die Sonne der Feind ist, stehe blau für Kühle und Schatten und damit für Leben.

Manche Werke verziert Abi Shek mit einem Künstlerzeichen. Das habe er sich von den historischen Holzschneidern abgeguckt, gesteht er, aber das Motiv hat er selbst entwickelt. Es symbolisiert den ägyptischen Schlüssel des Lebens und eine Art Trichter, ein landwirtschaftliches Gerät. "Ich benutze es, wenn es das Bild formal braucht", sagt er. So einfach kann die Wahrheit hinter einem geheimnisvollen Symbol sein.

Autor

Nicole Julien-Mann
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Veröffentlicht am:
11. 02. 2019
17:06 Uhr

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Nicole Julien-Mann

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11. 02. 2019
17:06 Uhr



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