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Kronach

Ein Weg, der Grenzen überwindet

Der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch hat es geschafft: Im Juli wird ein Radweg, der sowohl auf bayerischem als auch auf thüringischem Grund verläuft, saniert. Dafür musste er ungewöhnliche Pfade gehen.



Noch ist der Weg durch den "Kleintettauer Zipfel" in einem äußerst schlechten Zustand. Das wird sich im Juli ändern. Foto: Julia Knauer   Foto: Julia Knauer » zu den Bildern

Tettau - Stolz präsentiert der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch (Bündnis für Tettau) zwei Förderbescheide - einen aus Bayern, einen aus Thüringen. Damit ist klar: Der Sanierung des Forst- und Landwirtschaftswegs durch den "Kleintettauer Zipfel" (siehe Infokasten) steht nichts mehr im Weg. Schon im Juli soll es losgehen. Damit geht für den Rathauschef ein kleiner Traum in Erfüllung. Denn auf thüringischer Seite gab es lange keinerlei Bestrebungen, am schlechten Zustand des Wegs, der vor allem für Radfahrer von großer Bedeutung ist, etwas zu ändern (die NP berichtete).

Der "Kleintettauer Zipfel"

Ein schmaler Thüringer Landstreifen ragt wie ein Dorn in den Freistaat Bayern - der "Kleintettauer Zipfel". Die ehemalige deutschdeutsche Grenze führte dort mitten durch Kleinlichtenhain. Dadurch wurden drei Häuser vom Westen abgetrennt und gehörten formal zur DDR. Die Bewohner fühlten sich jedoch als Kleintettauer und es entstand eine Art Niemandsland, das weder richtig zu Ost- noch zu Westdeutschland gehörte. Erst durch einen Gebietsaustausch 1976 kamen die drei Häuser wieder offiziell zurück zur Bundesrepublik - dank der Beharrlichkeit der dort lebenden Menschen. Ein Zeitungsartikel mit dem Titel "Sie wohnen in der Zone und trinken im Westen ihr Bier", der in Peter Ebertschs Büro hängt, erinnert an diese Geschichte. Und auch jetzt, viele Jahre nach der Grenzöffnung, hat der Tettauer Bürgermeister wieder nach einer Lösung für den "Kleintettauer Zipfel" gesucht - diesmal, um einen Weg zu sanieren, der durch die dort verlaufende Landesgrenze in vier Teile "filetiert" wird: Thüringen, Bayern, Thüringen, Bayern. Formal ist Ebertsch nur für die bayerischen Abschnitte zuständig, was in der Praxis aber nicht funktioniert hat. Er nimmt es sportlich: "Der Markt Tettau ist einfach überall tätig. Und was zwischen europäischen Ländern funktioniert, sollte doch innerhalb von Deutschland kein Problem sein." Dem Rathauschef liegt so viel an diesem Weg, weil er längerfristig ein noch größeres Ziel verfolgt: Einen gut befahrbaren Rad-Rundweg vom Rennsteig bis Pressig und wieder zurück - der Weg durch den Kleintettauer Zipfel ist ein Teil davon.

 

Zur Erinnerung: Der 819 Meter lange Weg wird durch die Landesgrenze zwischen den beiden Bundesländern in vier Stücke geteilt: Thüringen, Bayern, Thüringen, Bayern. Während von bayerischer Seite recht problemlos eine 65-prozentige Förderung in Aussicht gestellt wurde, gestaltete sich das in Thüringen schwieriger. "Die Stadt Gräfenthal, durch deren Gebiet der Weg verläuft, hat kein Geld. Außerdem hat sie auch nichts davon, ihn instand zu setzen, da sie zu weit weg ist", weiß Peter Ebertsch. Die einzige Möglichkeit war somit, dass der Markt Tettau Eigentümer des kompletten Wegs wird, sich dann selbst um eine Förderung beim zuständigen Amt für Landesentwicklung und Flurerneuerung in Gera bemüht und die restlichen Kosten trägt - auch für die thüringische Seite. Doch auch das war nicht so einfach, da der Weg nicht nur von der Landesgrenze "filetiert" wurde, sondern auch durch die Besitzverhältnisse: Teile gehörten mitunter dem Forst, dem Bund Naturschutz und verschiedenen Privatleuten. Doch nach zähen Verhandlungen und einigen Rückschlägen gelang es schließlich, den kompletten Weg zu erwerben. Und vor Kurzem kam auch der positive Förderbescheid aus Thüringen.

 

"Die Bauarbeiten werden circa vier Wochen dauern", informiert der Bürgermeister. Die alte, kaputte Schicht werde abgefräst, danach ein neuer Oberbau aus Schotter geformt und schließlich die Asphalt-Tragschicht aufgebracht. Peter Ebertsch freut besonders, dass das Projekt sogar günstiger kommt, als gedacht. Während er im vergangenen Jahr noch von rund 470 000 Euro ausging, habe er nun ein Angebot für knapp 300 000 Euro erhalten - 65 Prozent davon werden auf beiden Seiten gefördert.

Von dem sanierten Weg verspricht sich der Rathauschef viel. "Von Tettau aus gesehen ist er ein direkter Zubringer zum Rennsteig", sagt er. Aus der anderen Richtung kommend führe er Radfahrer direkt zu touristischen Attraktionen wie dem Flakonglas-Museum oder dem Tropenhaus. "Außerdem kann man von Tettau über den Rennsteig dann auch sicher zum Windheimer Ölschnitzsee radeln", führt er aus. Das sei bisher nur über die vielbefahrene Frankenwaldhochstraße möglich. Denn der zu sanierende Weg durch den Kleintettauer Zipfel sei in einem so schlechten Zustand, dass er mit dem Fahrrad aktuell faktisch nicht befahrbar sei.

Die Sanierung kommt aus Peter Ebertsch' Sicht genau zur richtigen Zeit. Durch die immer weitere Verbreitung von E-Bikes werde die Rennsteig-Region bei Radfahrern immer beliebter. Während die vielen Steigungen früher recht beschwerlich zu bewältigen gewesen seien, stellten sie heute mit motorisierten Rädern kein Problem mehr dar. Dadurch bewegten sich auch zunehmend ältere Menschen mit dem Fahrrad fort.

"Steter Tropfen höhlt den Stein. Ich werde beharrlich bleiben", hat Peter Ebertsch noch vor einem guten Jahr über seinen Traum vom Radweg gesagt - und es hat sich ausgezahlt.

Autor
Julia Knauer

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Veröffentlicht am:
10. 06. 2018
18:46 Uhr

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10. 06. 2018
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