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Kronach

Ein einmaliger Abi-Jahrgang

Auch für den Leiter war es eine aufregende Premiere: Die noch junge Kronacher Montessori-Fachoberschule verabschiedete ihre ersten Absolventen.



Fünf Schüler der Montessori-Fachoberschule in Kronach haben ihr Fachabitur in der Tasche. Im Bild : Tina Katholing, Niklas Vogel, Jonas Dötsch, Hannes Rübensaal und Nadine Gemeinhardt mit Schulleiter André Schneider. Foto: Maria Löffler  

Kronach - "Wie man sich a Red zammabastelt, des hou ich gegoogelt." Der Schulleiter der Montessori-Fachoberschule (MOS) in Kronach, André Schneider, wollte alles richtig machen für seine erste Abifeier. Dabei versuchte er gar nicht erst, sich irgendwie zu verbiegen. Frei von der Leber weg sagte er, was er auch so meinte. Schließlich standen fünf festlich gekleidete, unendlich erleichterte und gut aufgelegte Schüler bereit, um sich feiern zu lassen. Sie alle haben ihr Fachabitur bestanden und ihre Zeugnisse bei der Abschlussfeier an der staatlichen Fachoberschule in Kulmbach entgegengenommen. Und genau dieser Umstand war für die noch sehr junge Kronacher Fachoberschule in ihrem ersten Abijahr ein herausragender Erfolg. Geschäftsführerin Gudrun Jersch-Bittermann ergänzte: "Drei Schüler müssen im Herbst noch Prüfungen ablegen, weil sie krank waren, aber auch da glaube ich an ein positives Ergebnis."

Und während André Schneider noch eingestand, vor seiner Rede etwas aufgeregt und auch ein bisschen ratlos gewesen zu sein, sprudelte er auch schon los: "Ich waas scho, dass su a Red fulminant inspirierend, humorvoll, eloquent, beispiellos und beispielgebend sein soll. Also hou ich bei an Abiredengenerator mir was gebastelt." Die Begrüßung und die Anlassbeschreibung habe er quasi in einem Aufwasch erledigt, aber bei Punkt drei, dem lateinischen Sinnspruch, streikte er ganz entschieden. Auch bei der Jahrgangsstatistik nannte er keine Zahlen, sondern meinte: "Bei uns lernt man nicht für Statistiken, sondern für sich selbst." Schneider sprach auch davon, dass die stärkste Motivationsdroge für junge Menschen junge Menschen seien. "Und macht euch keine Sorgen um die Zukunft. Ihr steckt schon mittendrin." Am Ende wandte er sich auch noch einmal an eventuelle Kritiker seiner emotionalen Rede: "Als Germanist unterstütze ich die Forderung, den Dialekt zu fördern."

Als Vertreter des Elternbeirates fand Sigi Katholing die richtigen Worte: "Die Expeditionsgruppe MOS betrat Neuland und bewegte sich auf unerforschtem Gebiet. Aber schon der erste Abiturjahrgang war erfolgreich und wird dafür sorgen, dass aus dem Pfad ein Weg wird, der sich auf der Schullandschaft in Kronach abbildet.

Für die Schüler sprach Niklas Vogel, der sich freute, "dass sich unsere gesellschaftlichen Kompetenzen um ein Vielfaches erweitert haben. Das ist die soziale Grundlage für das ganze Leben. Gute Bildung ist ja auch in der heutigen Zeit nicht ganz selbstverständlich." Und das hätten sie den Lehrern zu verdanken, die immer an ihrer Seite gewesen seien. "Das waren unsere zwei Jahre an der MOS - und auch, wenn wir jetzt unterschiedliche Wege gehen, sind wir dankbar, dass wir diese Schule besuchen durften."

Dass sich die Schülerinnen und Schüler sehr stark mit ihrer Schule identifizieren, machte Geschäftsführerin Gudrun Jersch-Bittermann deutlich: "Ich habe gefragt, wie und wo die Feier stattfinden sollte, welche Wünsche und Vorstellungen sie hätten." Über die Antwort ihrer Schüler war sie gar nicht überrascht: "Wir wollen zu Hause feiern, in unserer Schule." Und so kam es zu einem liebevoll dekorierten Festzelt auf dem Schulhof, zu einer Cocktailbar und einem DJ, der die musikalischen Wünsche erfüllte. "Auch das Catering stammt aus unserer eigenen Küche. Und das kann sich wirklich sehen lassen", ergänzte sie.

Auch die Eltern von Jonas Dötsch, der sein Fachabitur an der MOS abgelegt hat, sind mehr als zufrieden: "Es war eine deutlich entspanntere Zeit in einer Atmosphäre ohne Notendruck. Jonas bekam genau die individuelle Unterstützung, die er auch gebraucht hat. Durch das Ganztagskonzept wird die Lehrer-Schüler-Beziehung sehr vertieft, man lernt sich viel besser kennen." Außerdem sei die MOS in Kronach mit Lehr- und Lernmitteln hervorragend ausgestattet, alles sei auf dem neuesten Stand. Die Lernmethoden seien so vielfältig, dass sich auch die Schüler viel aktiver einbringen könnten. Die Freiarbeit fördere zudem die Eigenverantwortung, motiviere und sporne an.

Hannes Rübensaal ist seit der fünften Klasse an der Montessori-Schule. Auch seine Mutter zeigte sich überzeugt: "Da herrscht ein ausgewogenes Klima. Man schaut auch darauf, ob der Schüler in die Lerngruppe passt. Eine individuelle Förderung stellt sicher, dass sowohl starke, als auch etwas schwächere Schüler die Unterstützung bekommen, die sie benötigen."

Die Starken bekämen Zusatzaufgaben, die anderen manchmal einfach mehr Zeit, um sich mit einem Thema auseinanderzusetzen. Jeder Schüler gehe ja anders an die Dinge heran. Auch sie kennt das Vorurteil, dem Montessori-Schüler sich oft ausgesetzt sehen: Es sei eine Schule für Lernschwache, für die, die einem "normalen Unterricht" nicht folgen könnten. Aber sie kenne auch die Kehrseite der Medaille: "Ich bekam auch Sprüche zu hören wie: ‚Eine solch elitäre Schule kann sich halt auch nicht jeder leisten.‘" Für beide Gruppen habe sie nur einen Satz: "Wir haben das getan, was für unseren Sohn das Beste war."

Aus Sicht der Schüler hatte Tina Katholing noch lobende Worte: "Lernen ohne Zwang, Mitspracherecht, individuelle Förderung. Von meiner Zeit auf der Regelschule kannte ich das gar nicht. Ich mochte es nicht, wenn man mir einfach etwas aufs Auge gedrückt hat. An der MOS durfte ich mich entfalten. Hier wird schülerbezogen unterrichtet und nicht lehrplanbezogen." Für sie geht es jetzt an der Fachhochschule in Coburg weiter, wo sie Soziale Arbeit studieren möchte.

Autor

Maria Löffler
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Veröffentlicht am:
08. 07. 2019
15:28 Uhr

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Maria Löffler

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08. 07. 2019
15:28 Uhr



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