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Kronach

Eine Frage des Geschmacks

Zwei Sorten edlen Gerstensaftes durften die Besucher der Schmäuß-Probe verkosten. Auch ein improvisiertes Theaterstück sorgte für viel Begeisterung.



Schauspieler Tom Ohnerast reißt die Gäste beim schmäußigen Theaterstück mit. Fotos: Heike Schülein   » zu den Bildern

Kronach - Bei der legendären Schmäuß-Probe kurz vor dem Historischen Stadtspektakel durften die Mittelalterfans dieses Mal gleich zwei Sorten edlen Gerstensaft testen. Denn ein Theaterstück widmete sich dem Getränk. Darin sorgte die Frage des Geschmacks für ordentlich Unruhe. Sollte das durstige wohlgewandete Volk tatsächlich mit einem anderen Bier als dem vortrefflichen Schmäuß vorlieb nehmen müssen? Lag es vielleicht am heißen Sommer, der den "Kaiserlichen" Hopfen nicht so recht hatte wachsen lassen? Jedenfalls schmeckte der vom Bräumeister kredenzte Trunk, den derselbige zuvor noch in den höchsten Tönen angepriesen hatte - er würde Frieden und Harmonie verbreiten, die Menschen glücklich und zu Freunden machen - so gar nicht nach dem liebgewonnenen Schmäuß.

Des Rätsels Lösung: Ein neues Bier, für das spezielle Aroma-Hopfen verwendet werden. Dieses brauchte natürlich auch einen Namen. Vorschläge hierfür gab es zuhauf - insbesondere von den Räten der Stadt, Tino Vetter, Klaus Simon und Michael Zwingmann, die den Trunk gerne mit "Frei"-Bier, "Rot"-Bier oder "Zwingmann"-Bier unters Volk gebracht hätten. Da dem Bräu der Vorschlag von Kerstin Löw eines "Löwen"-Biers noch am ehesten zusagte, wurde ihr, trotz Herkunft aus Bayreuther Landen, die ehrenvolle Aufgabe des Bieranstichs zuteil - und die Tourismuschefin machte ihre Sache vorzüglich. Ohne auch nur einen Tropfen des wertvollen Gerstensaftes verrinnen zu lassen, gelang ihr der Bieranstich mit einem Schlag und einem kleinen Nachklopfer mit dem Holzhammer, den sie triumphierend in die Höhe reckte. Dem ersten "Wohl an" stand nichts mehr im Wege.

So richtige Begeisterung wollte beim Stadtvogt Hans Götz, den Viertelmeistern, Lucas Cranach und dem Nordhalbener Schultheiß, die den frisch aufgelegten edlen Gerstensaft als erstes testen durften, dennoch nicht aufkommen. Die Reaktionen waren eher verhalten "Es schmeckt nicht schlampert, etwas südlich", meinte Viertelmeister Jürgen Ditsche. Norbert Neugebauer sprach von einem fruchtigen Bier, das man in Nordhalben gerne ausschenken würde. "Lucas Cranach" Wolfgang Eckert-Hetzel vermutete, dass seinen Gesellen der Trunk wohl munden würde, diese aber aufgrund dessen Stärke nicht mehr arbeiten könnten. Der Vogt erschmeckte gar einen Hauch kanadischen Bourbon. Der ehemalige Viertelmeister Stefan Wicklein verkniff sich einen Vergleich mit dem Antlitz junger Frauen - aus Angst, deswegen Ärger mit der Frauenliste zu bekommen. Schließlich wurde doch noch - unter großem Jubel der zahlreich vertretenen historischen Gruppen - ein neues Fass "richtigen" Schmäußes herbeigeholt, das nun ebenfalls angestochen werden musste. Katrin Barnickel stand dabei ihrer Vorgängerin nichts nach. Sie erwies sich als Naturtalent und benötigte hierfür ebenfalls nur zwei Schläge - das große Schmäußen, es konnte beginnen.

Nicht in den Genuss des gekühlten Tranks kam heuer das Kronacher Stadtoberhaupt. Für reichlich Missmut und Zornesfalten auf der Stirn des Stadtvogts sorgte die Tatsache, dass - erstmals überhaupt - weder der Bürgermeister noch einer seiner Stellvertreter der Schmäußbräu-Probe beiwohnten. Würdevoll und durchaus sprachgewand vertreten wurde Kronachs politische Führungsspitze durch den Ratsherren Michael Zwingmann. Dieser versicherte glaubhaft, dass das Stadtoberhaupt nicht - wie tags zuvor berichtet - etwa auf der Wache in Coburg wegen Unregelmäßigkeiten in der Schmäuß-Produktion einsitze. Vielmehr habe er sich ins Kloster begeben, um Buße zu tun. Endgültig glätteten sich die Wogen, als der edle Ratsherr das von der Stadt gegebene Versprechen eines Fasses Schmäuß-Biers einlöste.

Zu späterer Stunde, als der Alkohol die Zungen des historischen Volkes schon deutlich gelockert hatte, wurde es dann theatralisch. Unter großem Hallo gesellten sich die Mimen der Rosenberg-Festspiele zum feucht-fröhlichen Treiben. Kaum angekommen, ging es für die Schauspielerinnen und Schauspieler um Stefan Haufe und Stephanie Kuhlmann schon wieder an die Arbeit. Der Gruppe wurde vom Stadtvogt aufgetragen, innerhalb einer halben Stunde ein Theaterstück unter dem Titel "Drosselbart oder wie ich das Schmäuß lieben lernte" zu improvisieren. Als Vorgaben sollten darin Bräumaster Thomas Kaiser, Schmäußbier sowie "Broutwörscht und Bier, das lieben wir" vorkommen. Keine leichte Aufgabe, doch nach 30 Minuten war die Premiere eines lustigen schmäußigen Schauspiels. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von der Gruppe "Vogelfrei", die sogar selbstgedichtete Stücke anstimmte. Natürlich wurde auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt.

Autor

Heike Schülein
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Veröffentlicht am:
23. 06. 2019
14:58 Uhr

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Heike Schülein

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Veröffentlicht am:
23. 06. 2019
14:58 Uhr



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