Topthemen: Globe TheaterHSC 2000 CoburgBBC CoburgStromtrasse

Kronach

Eine Geschichte voller Leid und Demütigung

Elshaday Haile aus Eritrea erzählt Schülern des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums von ihrem Schicksal. Die Jugendlichen sind davon tief betroffen.



Elshaday Haile (links) erzählt von den Greueltaten, die sie im Gefängnis und während ihrer Flucht erlebt hat. Birgit Mair belegt durch erschreckende Zahlen das Leid und die Not von Flüchtlingen. Foto: Maria Löffler  

Kronach - Elshaday Haile erzählte im Kronacher Kaspar-Zeuß-Gymnasium von ihrer Flucht aus Eritrea und den damit verbundenen Greueltaten. Ihr Bericht ließ die Schüler staunen: "Dass diese Frau überhaupt noch darüber reden kann." Unter dem Titel "Refugees welcome!? - Flüchtlinge willkommen!?" ging es um eine Geschichte voller Folter, Leid und Grausamkeit.

"Es ist krass, dass sie in Deutschland so von der ‚freien Rede‘ begeistert ist. Für uns ist das eine Selbstverständlichkeit. Wir sehen Flüchtlinge jetzt aus einem anderen Blickwinkel. Sie sind nicht nur Zahlen, die man in den Nachrichten hört, sondern sie sind für uns jetzt Menschen, die leben, atmen, weinen und lachen." Diese Erkenntnis trafen die Schüler aus der elften Klasse nach dem Vortrag im Rahmen ihres Sozialkundeunterrichts.

"Es bringt doch nichts, wenn ich diesen jungen Menschen etwas von einem Schlauchboot erzähle, das übers Mittelmeer schippert. Sie müssen das von jemandem hören, der es wirklich erlebt hat", sagte Lehrerin Verena Zeuß. Und so kam auch Buchautorin Birgit Mair von der Georg-von-Vollmar-Akademie ins Spiel, die eingangs erst einmal einen Überblick über Flüchtlingsbewegungen und Asylpolitik lieferte. Momentan spalte vor allem eine Frage die Nation, betonte sie: "Heißen wir Flüchtlinge nun willkommen, oder nicht?" In nüchternem Ton erzählte sie von 3500 Anschlägen auf Flüchtlingsheime bis zum Jahr 2016. "Dabei wurden 560 Menschen verletzt, darunter 43 Kinder." Rassistischen Bewegungen stünden acht Millionen Menschen gegenüber, die sich in den vergangenen Jahren für Flüchtlinge eingesetzt haben.

Menschen wie Elshaday Haile, die den Schülern anschließend ihre bewegende Geschichte erzählt. Leise klingen ihre Beschreibungen von Folter und Vergewaltigung durch den vollbesetzen Raum. Die dazu gehörigen Bilder sprechen Bände, machen betroffen.

Elshaday Haile wuchs in Äthiopien auf. Als Teenager wurde sie mit einem Teil ihrer Familie ins Nachbarland Eritrea abgeschoben. Später zog sie nach Saudi Arabien, wo sie vier Jahre als Lehrerin arbeitete. Als sie zurück nach Eritrea kam, wurde sie zwangsrekrutiert für den Militärdienst. Sie hatte damals zwar schon einen kleinen Sohn, aber dessen Vater war Äthiopier. Um den Kleinen nicht zu verlieren, gab Elshadays Mutter ihren Enkel als ihren eigenen Sohn aus, sodass er nicht zu seinem Vater abgeschoben wurde.

Als Elshaday sich weigerte, auf unabsehbare Zeit dem Militär zu dienen, steckte man sie ins Gefängnis. Hier warteten nicht nur Folter und Vergewaltigung, sondern vor allem auch die Angst, es nicht mehr lebendig verlassen zu können. So war sie gezwungen, mit Hilfe ihrer Mutter das Personal zu bestechen, sodass sie entkommen konnte. Allerdings musste sie sofort ins Ausland fliehen, was sie letztendlich nach Deutschland brachte. Ihre Geschichte ist voller Leid und Demütigungen. Sie spricht von Foltermethoden mit harmlosen Namen, aber todbringender Wirkung. Erzählt, dass sie nur einmal ihre Notdurft verrichten durfte. Von ständigen Vergewaltigungen und einem Leben in Angst vor einer Diktatur, die einem Menschen keinen Wert zugestehe, die alles überwache und sanktioniere. "Wenn jemand umfällt, hebt ihn keiner auf. Jeder muss sehen, wo er bleibt. Und wenn du kein Geld für die Schlepper hast, dann musst du eben eine Niere hergeben, ohne Betäubung und unter großen Schmerzen. Der Lohn dafür ist der Tod."

Und sie spricht davon, dass ihr Sohn als Siebzehnjähriger in Deutschland brutal überfallen und misshandelt worden sei: "Man hat ihm den gesamten Kiefer zertrümmert." Birgit Mair ergänzt: "Dieser Junge lebt seit seinem sechsten Lebensjahr in Deutschland. Er kennt doch nichts anderes. Es ist seine Heimat." Elshaday Haile fügt hinzu: "Unsere Nationalität ist Mensch!"

Autor

Maria Löffler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
07. 11. 2018
17:54 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Elend Flüchtlingsheime Foltermethoden Gemeinschaftskunde Geschichte Schicksal Schüler Söhne Vergewaltigung
Kronach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema

14.12.2018

Ölsardinen-Effekt bleibt aus

Am Freitag ist erstmals der verkürzte Schülerzug gefahren. Obwohl nicht jeder einen Sitz hatte, war die Lage entspannt. Doch es dürften einige Schüler gefehlt haben. » mehr

14.12.2018

Drucken wie zu Gutenbergs Zeiten

Realschüler und Gymnasiasten bringen eine bibliophile Edition heraus. Der Hintergrund ist ein wichtiger: Die Jungen und Mädchen beweisen Toleranz. » mehr

10.08.2018

Seit 175 Jahren erfolgreich mit Ölen und Fetten

Die Firma Voitländer handelt noch heute mit Schmierstoffen. Ihre Geschichte begann 1843 - als eine Seifensiederei in Kronach eröffnete. » mehr

06.12.2018

"Mach' dich auf den Weg"

Das ist die Botschaft vieler Märchen. Und das begeistert Ilona Graf. Sie lässt sich zur Geschichten-Erzählerin ausbilden. Dabei spielt ein Elefant eine wichtige Rolle. » mehr

26.10.2018

Eine Heldin, die keine sein will

Hätte im Juli eine Passantin nicht so beherzt eingegriffen, eine 18 Jahre alte Frau wäre vermutlich in Kronach vergewaltigt worden. Die Retterin wurde nun vom "Weißen Ring" geehrt. » mehr

05.12.2018

Schüler-Zug wird wieder kürzer

Am 9. Dezember ändert sich der Fahrplan der Bahn. Dadurch fallen am Freitagmittag die drei zusätzlichen Zugteile wieder weg. Das sorgt für Kritik. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Punkt 7: Christian Gunsenheimer im Gespräch mit der NP

Punkt 7: Christian Gunsenheimer im Gespräch mit der NP | 14.12.2018 Coburg
» 9 Bilder ansehen

Zimt und Zauber Weihnachtsvarieté

Zimt und Zauber Weihnachtsvarieté | 14.12.2018 Coburg
» 16 Bilder ansehen

Nikolausfeier der Kronacher Turnerschaft

Nikolausfeier der Kronacher Turnerschaft | 11.12.2018 Kronach
» 13 Bilder ansehen

Autor

Maria Löffler

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
07. 11. 2018
17:54 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".