Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Kronach

Eine Tradition, die verbindet

Beim Kreisflößertreffen in Wallenfels geht es um die Pflege des kulturellen Erbes. Probleme macht die Trockenheit, denn viele Floßfahrten für Touristen müssen abgesagt werden.



Sie stoßen auf die erfolgreiche Zusammenarbeit der vier Floßvereine an. Von links: Der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn, Landrat Klaus Löffler und Altbürgermeister Peter Hänel. Foto: Gerd Fleischmann   » zu den Bildern

Wallenfels - Das Kreisflößertreffen, das turnusgemäß in Wallenfels im Kulturzenrum stattfand, nimmt nach wie vor einen hohen Stellenwert im Landkreis Kronach ein. Die Garanten dafür sind die Flößervereinigungen aus Unterrodach, Wallenfels, Neuses und Friesen mit ihren Vorsitzenden Friedrich Fricke, Andreas Buckreus, Dieter Endres und Georg Geiger. Alle vier Interessengemeinschaften mit ihren rund 700 Mitgliedern pflegen engagiert das Erbe der Frankenwaldflößerei. Dies untermauerten in ihren Grußworten Landrat Klaus Löffler, Bürgermeister Jens Korn (Wallenfels) sowie Vorsitzender Andreas Buckreus. Im Mittelpunkt des Treffens stand insbesondere die Freude über die Auszeichnung mit dem Landeskundepreis 2019 an die heimischen Floßvereine anlässlich der Flößerkirchweih in Unterrodach durch den Landtagspräsidenten a. D. Johann Böhm.

Wallenfels, geprägt von Wald und Wasser

Mit einem Vortrag über die Geschichte der örtlichen Flößerei bereicherte Ortsheimatpfleger Franz Behrschmidt das Kreisflößertreffen. Wallenfels, erstmals 1248 im Tal der Wilden Rodach urkundlich erwähnt, sei schon immer von Wald und Wasser geprägt gewesen. Stets habe die Flößerei eine große Rolle gespielt. Die erste Nachricht stamme aus dem Jahre 1386.

Zum Auftakt seines Vortrags ging der Heimatkundler auf den Bau der oberen und der unteren Schleuse aus den Jahren 1912 bis 1914 ein. Mit 75 Metern Länge sei die untere Schleuse die größte Floßgasse Oberfrankens. Die Statue des heiligen Nepomuk aus dem Jahre 1826 - sie erinnert an eine geglückte Rheinfloßfahrt - sowie die Pfarrkirche St. Thomas seien engstens mit der Flößerei verbunden. So stiftete der Floßherr Bartholomäus Behrschmidt 14 Tage vor seinem Tod am 22. Oktober 1858 15 000 Gulden zum Bau der Pfarrkirche. Schließlich spendete 1926 Andreas Müller-Casparsohn zwei Kirchenfenster sowie eine große Kirchenglocke. Floßholzhändler und Bürgermeister Andreas Behrschmidt stiftete außerdem Kanzel und Altäre. Während die Floßherren zu Wohlstand kamen, sei für die Floßknechte das harte Flößerdasein alles andere als lustig gewesen, versicherte der Ortsheimatpfleger. Oft waren die Wallenfelser - vor allem in wirtschaftlich schlechten Zeiten - deutschlandweit als Holzmacher unterwegs. Der Wochenlohn lag bei einer Zwölf-Stunden-Schicht durchschnittlich bei zwölf Mark.

Franz Behrschmidt erinnerte unter anderem an das Oktoberfest 1910 mit zwei Wallenfelser Flößern, an die Mainfloßfahrt 1986, an den Rheinfloßbau 1988 anlässlich 700 Jahre Stadt Düsseldorf, sowie an das Hallstadter Stück 2008 zum Tag des offenen Denkmals auf dem Main. Weiter wies der Ortsheimatpfleger auf den Beginn der touristischen Flößerei sowie auf den Deutschen Flößertag 2012 in Wallenfels hin. Ebenfalls erwähnte er die erste Schaufloßfahrt vor 50 Jahren anlässlich des Jubiläums der "Frankenlust". Die Gründung der Wallenfelser Flößergemeinschaft erfolgte 1982. Die touristische Flößerei mit den Fackelfloßfahrten sowie der Auftritt von Andreas Buckeus junior und senior im Fernsehen wurde angeschaut.


Wohl selten hat ein Wirtschaftszweig eine Region so intensiv geprägt wie die Flößerei den Frankenwald. Spätestens ab dem 16. Jahrhundert entwickelten sich Holzhandel und Flößerei hier zum wichtigsten Wirtschaftszweig. Um dem steigenden Holzbedarf gerecht werden zu können, wurden umfangreiche wasserbauliche Maßnahmen vorgenommen. Die Flößerei war nicht nur wirtschaftlich bedeutsam, sondern sie beeinflusste Landschaft, Ortsbilder, das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Menschen im Frankenwald nachhaltig, so der allgemeine Tenor bei den Redebeiträgen. Die Flößertreffen, die bereits 1969 auf Anregung von Landrat Dr. Edgar Emmert ihren Anfang nahmen, dienten ursprünglich vor allem dazu, ehemalige Berufsflößer in geselliger Runde zu versammeln. Heute stellt diese Veranstaltung eine Art Bindeglied für diejenigen dar, die sich der Pflege der Flößereitradition verpflichtet wissen.

Die Flößervereine seien die Garanten, so Bürgermeister Jens Korn, dass dieser uralte Broterwerb auf zeitgemäße Art weiterlebt. Korn, der die Grüße der Flößerstadt Wallenfels übermittelte, dankte ganz besonders der Flößergemeinschaft Wallenfels mit Vorsitzendem Andreas Buckreus sowie Floßmeister Henry Stöcker an der Spitze für die beachtliche Traditionspflege. Ein weiterer Dank galt Landrat Klaus Löffler für die massive Unterstützung.

Insbesondere würdigte Korn die touristische Flößerei. Allerdings habe man zwei schwierige Jahre überstehen müssen. Auf Grund monatelanger Trockenheit hätten heuer lediglich sieben Termine durchgeführt werden können. Dagegen mussten neun Floßfahrten abgesagt werden. Obwohl 1958 die letzte gewerbliche Floßfahrt im Landkreis Kronach stattfand, sei die Flößerei auch heute noch in aller Munde, stellte Landrat Klaus Löffler mit großer Freude fest. Alle vier Flößervereinigungen hätten im Jahresablauf stets "Flagge" gezeigt. Vor allem werde die regionale Identität des Landkreises Kronach ganz wesentlich gestärkt. Er sei mächtig stolz, dass der Floßverein Unterrodach, die Flößergemeinschaft Wallenfels, die Flößervereinigung Friesen und der Flößerverein Neuses für ihr nachhaltiges und erfolgreiches Wirken den Landeskundepreis 2019 erhalten haben. Dieser sei eine fachlich fundierte Krönung aller bisherigen Würdigungen. Mit der in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie - die Kosten belaufen sich auf 250 000 Euro - erhoffe man sich eine gute Zukunft für die Flößerei. Vor allem wolle man damit Hochwasserschutz, Naturschutz und Flößerei in Einklang bringen. Und die Chancen stünden gut, so der Landkreischef voller Optimismus.

Die Grüße des Gastgebers überbrachte Vorsitzender Andreas Buckreus, der insbesondere den Zusammenhalt der vier Floßvereine im Frankenwald hervorhob. Das Flößertreffen wurde musikalisch durch den Musikverein Wallenfels bereichert. Abschließend sang man gemeinsam die Landkreis-Hymne mit Begleitung durch die örtlichen Musikanten.

Autor

Gerd Fleischmann
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
06. 10. 2019
14:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Denkmäler Floßverein Unterrodach Freude Jens Korn Johann Böhm Jubiläen Klaus Löffler Landräte Laughing - big grin Musikvereine Naturschutz Oktoberfest Touristen Unterrodach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema

05.08.2019

Spalier zu Ehren einer besonderen Zunft

Die Frankenwald-Flößer erhalten den diesjährigen Landeskundepreis. In einer emotionalen Zeremonie wird an die historischen Verdienste der Männer auf Brettern erinnert. » mehr

vor 20 Stunden

Jens Korn soll's wieder richten

Die CSU Wallenfels schickt den Amtsinhaber 2020 ins Rennen um den Posten des Bürgermeisters. Er wird einstimmig nominiert. Vier Neulinge finden sich auf der Stadtratsliste. » mehr

Vom Kreisverkehr in Richtung Bad Liebenstein bis zur Kreuzung Liebensteiner Straße wird die Hauptwasserleitung erneuert. Zugleich soll auf der Seite zur Grundschule hin der Bürgersteig verbreitert werden.	Fotos (2): Heiko Matz

11.11.2019

Der Kreis investiert in seine Straßen

Eine Prioritätenliste für den Kreisstraßenbau bis 2027 steht fest. Auch fünf Radwege sind in Planung. Nächste Woche beginnen die Rodungsarbeiten für den nach Gifting. » mehr

21.10.2019

Der Landkreis rückt zusammen

Das Nahverkehrskonzept für den Frankenwald steht. Am Montag sind die Verträge unterzeichnet worden. Ab August 2020 soll die Mobilität im Kreis kaum Grenzen kennen. » mehr

11.11.2019

100 Prozent stimmen für Heinlein

Die CSU Pressig will mit dem 38-Jährigen den Chefsessel im Rathaus erobern. Dafür erhält er einen eindrucksvollen Vertrauensbeweis. » mehr

24.10.2019

Wildwarner zeigen Wirkung

Gerade im Herbst ist das Risiko am höchsten, dass ein Reh urplötzlich auf die Straße springt. Im Landkreis setzt man bereits seit geraumer Zeit auf Schutzmaßnahmen. Mit Erfolg. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Coburger Weihnachtsbaum 2019

Anlieferung Coburger Weihnachtsbaum | 18.11.2019 Coburg
» 19 Bilder ansehen

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) Coburg

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) | 17.11.2019 Coburg
» 46 Bilder ansehen

Rathaussturm in Steinberg Steinberg

Rathaussturm in Steinberg | 16.11.2019 Steinberg
» 8 Bilder ansehen

Autor

Gerd Fleischmann

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
06. 10. 2019
14:32 Uhr



^