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Kronach

Einzigartig, immer wieder aufs Neue

Der Schwedensonntag ist in Kronach Tradition. Das kann auch ein Virus nicht ändern. Heuer ist jedoch Vieles anders als sonst.



Keine Prozession, aber eine würdevolle Andacht: Der Schwedensonntag 2020 ging - wegen Corona - in die Geschichte ein. Foto: Heike Schülein  

Kronach - Ein im wahrsten Sinne des Wortes bewegendes Stück Kronacher Stadtgeschichte ist die alljährliche Schweden-Prozession am Sonntag nach Fronleichnam, bei der traditionell die Frauen voranschreiten. Auch diesmal stand die Kreisstadt im Zeichen des in der Region einzigartigen Glaubenszeugnisses, wenngleich aus gegebenem Anlass auf die Prozession verzichtet werden musste.

Gemeinsam mit Kronachs Bürgermeisterin Angela Hofmann lag der Pfarrei sehr daran, das Gelübde der Vorfahren auch heuer zu erfüllen. Deshalb hatten sich Stadtpfarrer Thomas Teuchgräber und die Bürgermeisterin darauf verständigt, stattdessen zu einer Messfeier im Freien auf der Bastion der Festung Rosenberg einzuladen. Leider spielte das Wetter nicht mit. So wurde der Fest-Gottesdienst vom Pfarrer zusammen mit Pastoralreferentin Sarah Maria Röck-Damschen in der Stadtpfarrkirche zelebriert.

Zurück geht die Friedens- und Dank-Prozession auf die Ereignisse im Jahr 1632, als in Kronach der Schwedenkrieg tobte. Aufgrund des Beschusses konnte damals in der belagerten Stadt die Fronleichnams-Prozession nicht abgehalten werden. In ihrer Not gelobten die Bürger eine Prozession zur Festung Rosenberg, wenn sie die Angriffe der Feinde glücklich überstünden. Dass dies gelang, war insbesondere den mutigen Kronacher Frauen zu verdanken. Sie schafften heißes Wasser und schwere Gegenstände herbei, mit denen man von oben die Angreifer "bombardierte". Als Ehrung für ihre Tapferkeit gelobten die Männer, dass die Frauen bei der Prozession vor ihnen selbst und vor dem Allerheiligsten schreiten sollen. Dieses Gelübde wurde erstmals bei der ersten Schweden-Prozession 1634 eingelöst und seitdem - mit nur wenigen Unterbrechungen - Jahr für Jahr.

"Wir wissen uns zu helfen - und das ist auch wichtig im Leben, dass man sich zu helfen weiß", bedauerte Pfarrer Thomas Teuchgräber, den Schweden-Sonntag nicht im gewohnten Rahmen feiern zu können. Nach Corona habe nunmehr auch noch das Wetter die ersatzweise auf der Festung angesetzte Messfeier ausfallen lassen. Der nach dem vielen Regen wolkenverhangene Himmel kann vielleicht sinnbildlich für die aktuelle Lage stehen; jedoch nicht für den Gottesdienst, der - trotz aller widrigen Umstände - in seiner Festlichkeit, Würde und Achtsamkeit dem feierlichen Anlass gerecht wurde.

In seiner Predigt ging der Stadtpfarrer auf die Verwobenheit von tragen und getragen werden ein. Wenn einem bewusst werde, selbst ein von Gott Getragener zu sein, dann könne man auch Lasten tragen - eigene sowie die anderer. "Das Volk Israel hatte im Laufe der Geschichte viele Lasten zu tragen", zeigte er sich sicher. Die Zähigkeit und das Durchhaltevermögen der Israeliten seien vielleicht mit zurückzuführen auf ihr Gottesbild eines uns tragenden Gottes. "Als Getragener tragen und ertragen zu können", sei eine einschneidende Erfahrung. Aktuell werde - wie auch in anderen Krisen - die Theologie häufig nach Antworten auf Corona gefragt; wie Gott das Leid völlig unschuldiger Geschöpfe zulassen könne. "Es gibt hier keine allzufriedenstellende Antwort", verdeutlichte Teuchgräber; ermunterte aber auch zugleich, besonders in Zeiten des Leids die Arme flehend und voller Hoffnung nach Gott auszustrecken. Auch Kronach habe oftmals gewaltige Bedrohungen erlebt, beispielsweise im Schwedenkrieg, und darauf mit Vernunft und Sorgfalt reagiert sowie mit Einschränkungen der Bevölkerung zum Schutze aller. "Aber die Hoffnung gab man nie auf", bekundete er. Auch wir erführen seit nunmehr drei Monaten deutliche Einschränkungen. Dass man in Kronach bislang so glimpflich davongekommen sei, sollte man nicht hinnehmen nach dem Motto "Naja, haben wir halt Glück gehabt", sondern bewusst Gott dafür dankbar sein.

Musikalisch umrahmt wurde die Heilige Messe unter anderem vom - vom Band abgespielten - Gospel "Prayer for the City" des Gospelchors Kronach, sowie Lukas Löffler an der Orgel. Dieser hatte auch einen kleinen Blumenteppich durch das Gotteshaus bis zum Altar gelegt.

Autor

Heike Schülein
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 06. 2020
15:48 Uhr

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Heike Schülein

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Veröffentlicht am:
14. 06. 2020
15:48 Uhr



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