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Kronach

Erinnerung an Kronachs mutigsten Feigling

Er kämpfte für die Nazis, aber verabscheute das Regime. Sein Bekenntnis zur Kirche kostete ihn schließlich sein Leben. Heute ist Matthias Kaiser Held und Märtyrer.



Das Grab von Matthias Kaiser in Anklam. Fotos/Repros: Rainer Glissnik   » zu den Bildern

Kronach - Matthias Kaiser wurde nur 23 Jahre alt. Doch das Schicksal des Kronachers, nach dem in seiner Heimatstadt eine Straße benannt ist, bewegt noch immer die Menschen. Am 29. November 1944 wurde Kaiser in Anklam hingerichtet. Angeblich wegen "Feigheit vor dem Feind". Doch dabei war der junge Mann außerordentlich mutig: Er wollte Priester werden und machte aus seinen Ansichten auch gegenüber dem Nazi-Regime keinen Hehl. 75 Jahre nach seinem Tod erinnert das Erzbistum Bamberg offiziell an den Märtyrer.

Das Erzbistum gedenkt

Zum 75. Todestag des Kronacher Bekenners Matthias Kaiser wird am Donnerstag, 28. November, um 19 Uhr im Kronacher Pfarrzentrum Pastor im Ruhestand Heinz-Josef Löckmann aus Unna einen einstimmenden Vortrag unter dem Titel "Ich habe den Sprung ins Ungewisse gewagt" halten. Löckmann erarbeitete zusammen mit Salesianerpater Johannes Haas Kaisers Biografie.

Am Freitag, 29. November - dem 75. Todestag - wird Erzbischof Ludwig Schick in der Stadtpfarrkirche Kronach bei einem Pontifikalamt ab 18 Uhr zum Gedenken an den Märtyrer des Erzbistums, Matthias Kaiser, erinnern. Dabei soll eine Gedenkplatte gesegnet werden, die der Künstler Tobias Schreiber im Auftrag der Kronacher Kirchenverwaltung geschaffen hat. Anschließend ist zu einem Empfang im Pfarrzentrum St. Johannes eingeladen.

 

Geboren wurde er in Kronach als Sohn von Lothar und Katharina Kaiser, hatte die Geschwister Lisbeth, Lore und Lothar. Am 29. Juli 1921 wurde er in der Kronacher Stadtpfarrkirche getauft. Von 1932 bis 1938 war er Schüler am Gymnasium der Benediktiner im Kloster Metten. 1929/40 beendete er das Gymnasium in Bamberg mit dem Notabitur. Danach kämpfte Matthias Kaiser an der Ostfront und wurde bis zum Leutnant befördert. Dass er, der drei Mal im Kampf schwer verwundet wurde, nicht weiter Karriere machte, lag an Kaisers Glauben. Als überzeugter Christ war er manchem Vorgesetzten ein Dorn im Auge.

 

Am 19. Juli 1944 musste Matthias Kaiser nach seiner Rückkehr aus dem Lazarett nach einem Unterkiefersteckschuss eine ihm fremde Kompanie des Jägerregiments 42 übernehmen. Seine Einheit erlitt bei den Rückzugsgefechten im Raum Ostrow schwere Verluste. Als die Russen bei hereinbrechender Dunkelheit mit überlegenen Kräften angriffen, konnte Kaisers Kompanie den Angriff nicht abwehren und ging 2000 Meter zurück, wo der Feind zum Stehen gebracht wurde. Zwei Tage später musste sich die Einheit weiter zurückziehen.

In dem Durcheinander verlor Matthias Kaiser den Anschluss an seine Einheit und meldete sich kurz darauf als versprengter deutscher Offizier in Riga. Tags darauf fuhr er zu seinem Regiment zurück. Überraschend wurde dem jungen Offizier, der seine Tapferkeit oft genug unter Beweis gestellt hatte, nun Feigheit vor dem Feind vorgeworfen. Die Anklage beantragte fünf Jahre Zuchthaus. Doch es kam noch schlimmer: Am 21. September 1944 verurteilte ihn ein Feldgericht nach zehnminütiger Beratung völlig überraschend zum Tode. Es war die Zeit nach dem 20. Juli, dem gescheiterten Hitler-Attentat von Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Seine am 4. Dezember 2014 verstorbene Schwester Lore erinnerte sich, dass ihr Bruder Matthias nicht viel für das Naziregime übrig hatte. Seiner Einberufung sei er wohl aus Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein gefolgt. Damals wünschte er sich ein Kreuz, das mit den griechischen Symbolen "Phos" und "Zoe" beschriftet war: "Licht" und "Leben". Matthias Kaiser trug das Kreuz bis zu seinem Tod. Vom Bamberger Jugendseelsorger Jupp Schneider -von ihm hatte er auch das Kreuz - wurde Matthias Kaiser zu seinem Engagement für Christus ermutigt.

Schließlich wurde er immer überzeugter, Pfarrer werden zu wollen. Und er machte keinen Hehl aus seiner christlichen Einstellung. Das Kreuz von Matthias Kaiser wurde nach seinem Tod zunächst von seiner Familie aufbewahrt. Als Grundstein der Kirche in Burg Feuerstein hat das "Licht-und-Leben-Kreuz" nach dem Vorbild des Kreuzes von Matthias Kaiser einen Platz gefunden - als Mahnzeichen aller Opfer von Gewalt.

Matthias Kaiser musste wegen seiner christlichen Haltung und seiner Gewissensentscheidung sterben. "Matthias hat sich im Rosenkranzgebet auf Jesu Lebens- und Leidensweg eingelassen", meinte der am 27. Juni 2018 verstorbene Oblate des Heiligen Franz von Sales und Rektor des Salesianums in Eichstätt, Pater Johannes Haas. "Mit diesem Kreuz zog Matthias Kaiser in den Krieg, mit diesem Kreuz trat er zu seiner Hinrichtung."

Seinen letzten Tag verbrachte Matthias Kaiser mit Pfarrer Karl Biela. "Heute um acht Uhr vormittags wurde Ihrem Sohne vom hiesigen Feldrichter eröffnet, dass das Urteil bestätigt sei und in drei Stunden vollstreckt würde", schrieb der Geistliche an Kaisers Mutter. "Mich hatte man verständigt, und so war ich gleichzeitig zur Stelle, um Ihrem lieben Sohn beizustehen. Es war mir ganz plötzlich der Gedanke gekommen, die Heilige Messe an diesem Tage nicht wie sonst in der Kirche zu feiern, sondern mit Ihrem Sohne zusammen. So hatte ich alles mitgebracht. Die Überraschung bei Matthias war groß. ‚Das ist aber fein‘, sagte er freudig. Dann baute er den Altar auf und machte alles fertig. Er ministrierte und empfing die Heilige Kommunion. Nach der Feier sagte Matthias: ‚Wir haben das Heilige Opfer gefeiert wie die ersten Christen in den Katakomben. Ich habe wie der Heiland mein Leben dem Vater zum Opfer gebracht für die Welt. Es ist schwer, im Vollbesitz der Kräfte dem Leben zu entsagen. Ich kann es nur, weil mich der Heiland stärkt. Ich kann nur noch beten.‘ Und er nahm das Messbuch in die Hand und betete inständig. Am Schluss griff er dann noch zum Messbuch und betete die Psalmen aus der Vorbereitung des Priesters. Als es dann Zeit zum Hinausgehen war, sagte Matthias die Worte, die der Priester spricht, wenn er sich anschickt, aus der Sakristei zur Feier des Heiligen Opfers an den Altar zu treten: ‚Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn.‘ - ‚Der Himmel und Erde gemacht hat.‘ Als wir ins Freie traten, regnete es. Es hatte um acht Uhr nicht geregnet. Da sagte Matthias: ‚Herr Pfarrer, der Himmel weint.‘ Am Schluss trat ich noch einmal an Matthias heran und sagte zu ihm: ‚Ich bin die Auferstehung und das Leben‘, spricht Christus der Herr. ‚Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist. Sie werden leben.‘ Matthias erwiderte, indem er sein Gesicht zwischen meine Hände nahm: ‚Sagen Sie meinen Eltern, sie möchten den Schmerz so tapfer tragen, wie ich mein Leben hingebe.‘ Ich trat zurück und Ihr Sohn breitete seine Arme aus und sprach langsam und würdevoll die Worte: ‚Vater, in Deine Hände empfehle ich meinen Geist.‘ Es war ergreifend und erbauend für die Anwesenden."

Am 5. Dezember 1944 wurde Matthias Kaiser auf dem Friedhof in Anklam bestattet. Am Begräbnis nahmen auch die Mutter und die Schwester Lisbeth teil.

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Rainer Glissnik
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Veröffentlicht am:
25. 11. 2019
17:46 Uhr

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Rainer Glissnik

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Veröffentlicht am:
25. 11. 2019
17:46 Uhr



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