Lade Login-Box.
Topthemen: Loewe-InsolvenzNP-FirmenlaufGlobe-TheaterMordfall OttingerHSC 2000 CoburgStromtrasse

Kronach

Erschwingliche Wohnungen für jedermann

Wenn das kein Grund zum Feiern ist: 100 Jahre ist die Baugenossenschaft alt. Redner loben das Wirken der Verantwortlichen und blicken mit Zuversicht nach vorne.



Vorstände, Aufsichtsräte und Ehrengäste beim Festakt zum 100. Jubiläum der Oberfränkischen Baugenossenschaft Kronach. Mit im Bild Festredner Stefan Roth (Vierter von links), Landratsstellvertreter Gerhard Wunder (Zweiter von links), die Vorstände Alexander Kleylein (Sechster von links) Uwe Döring (Achter von links) sowie die Aufsichtsräte (von rechts) Reinhard Horn, Klaus Zeller, Thomas Beierwaltes. Foto: Karl-Heinz Hofmann  

Kronach - Am Samstag feierte die Oberfränkische Baugenossenschaft Kronacher (OBG) ihr 100-jähriges Jubiläum im Schützenhaus Kronach. Festredner, Stefan Roth, Justiziar und Vorstandsmitglied im Verband Bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW), bezeichnete die OBG Kronach "als Diamant in der Krone der bayerischen sozial orientierten Wohnungswirtschaft." Zuvor ging er detailliert auf gesamtwirtschaftliche Ereignisse des vergangenen Jahrhunderts ein und lobte dabei die Umsicht und Weitsicht in Vorstandschaft, Aufsichtsrat und Mitarbeitern sowie der Mitglieder der OBG Kronach, die viele wirtschaftliche Rückschläge und Krisen meisterte. Der Festredner setzte sich auch mit dem Begriff und der Bedeutung einer eingetragenen Genossenschaft auseinander. Diese Rechtsform sei etwas ganz Besonderes. Sie habe den zwei Schreckgespenstern unserer heutigen Gesellschaft widerstanden. Damit meinte er den Sozialismus genauso wie den Neoliberalismus.

Gründung im Mai 1919

Aufsichtsratsvorsitzender Reinhard Horn blickte auf die Anfänge der Oberfränkischen Baugenossenschaft. Eine Wohnungsbaugenossenschaft hat das Ziel, ihre Mitglieder mit preisgünstigen und bedarfsgerechten Wohnraum zu versorgen. Ende des 19. Jahrhunderts war die Wohnungssituation in Deutschland desolat. Erst im Jahre 1889 ermöglichte das neue Genossenschaftsgesetz die Gründung von Genossenschaften mit beschränkter Haftungspflicht. Es war der Beginn der Gründung von Baugenossenschaften. Im Jahre 1914 waren es schon 1402 Genossenschaften. Derzeit gibt es in Deutschland 2000 Baugenossenschaften die über zwei Millionen Wohnungen verwalten und mehr als drei Millionen Mitglieder haben.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde am 4. Mai 1919 die Oberfränkische Baugenossenschaft (OBG) gegründet. Sie bewirtschaftet derzeit mehr als 2000 eigene Wohnungen und betätigt sich außerdem als Wohnungseigentums- und Fremdverwalter. Weiter werden Leistungen als Bauträger und Baubetreuer erbracht. Marion Resch- Heckel gratulierte zum Jubiläum im Namen der Regierung von Oberfranken. Die OBG Kronach habe stets die Gebote der Zeit erkannt und sich auf Veränderungen und gesellschaftliche Herausforderungen eingestellt. Dies führte zur Beständigkeit und zu einen zuverlässigen starken Partner für Bauwillige wie auch für bezahlbare Mietwohnungen zu sozialverträglichen Preisen. Durch optimale Finanzierungsunterstützung des Staates für Investoren und Zuschüsse für Mieter ergeben sich ganz neue Perspektiven für die notwendige moderne Wohnraumschaffung.


Die Genossenschaft definierte er als gelebte Gemeinschaft. Es sei zwar ein Zusammenschluss mehrerer Personen mit dem Ziel, durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb einzelne zu fördern. Jedoch seien die Genossenschaften nicht auf Geldausschüttung ausgerichtet, sondern sie reinvestieren das Kapital und den Gewinn ihrer Genossen wieder in sozialen Wohnungsbau. Weil jedes Mitglied, unabhängig von seiner Kapitaleinlage nur eine Stimme hat, sei die Genossenschaft vor der Dominanz einzelner Mehrheitseigner und damit vor feindlicher Übernahme geschützt. Daher konnte auch in der Bankenkrise 2008 Privatisierungen mancher Wohnungsbaugesellschaften an angloamerikanische Investoren verhindert werden.

In Wort und Bild ließ Alexander Kleylein, Vorstand der OBG Kronach, die Erfolgsgeschichte auf einer Zeitreise durch 100 Jahre Revue passieren und blickte auch in die Zukunft. Zweck der im Jahre 1919 gegründeten Genossenschaft sollte es sein, die Wohnungsnot im Frankenwald zu lindern, also Ein- und Zweifamilienhäuser zu errichten und diese dann an die hierfür vorgesehenen Bauwerber weiter zu veräußern oder die Betreuung für derartige Bauvorhaben zu übernehmen. Für viele Menschen war zur damaligen Zeit die Wohnsituation menschenunwürdig und führte zu Krankheiten und hoher Sterberate. Dem galt es entgegenzuwirken durch den Bau guter und genügend Wohnungen, so Kleylein. Die fast ausschließliche Tätigkeit für eher arme Familien wie Fabrikarbeiter, Flößer oder Korbmacher, brachte ihr alsbald den Ruf ein, die Baugenossenschaft der armen Leute zu sein. 1930 waren bereits 582 Häuser mit 779 Wohnungen gebaut. Dann wurde die Tätigkeit der damaligen Bezirksbaugenossenschaft Kronach auf den gesamten Regierungsbezirk Oberfranken ausgedehnt werden. Es kam daher zur Namensänderung "Oberfränkische Baugenossenschaft". Viele Jahre war der Slogan: "Zum eigenen Heim mit der OBG". Nach dem zweiten Weltkrieg wurden in vielen Gemeinden Kleinsiedlungen und Eigenheime errichtet, für breite Schichten in der Bevölkerung ohne Rücksicht auf Konfession und politische Einstellung. Bis Ende 1968 wurden 4604 Häuser mit 7380 Wohnungen gebaut und betreut.

Zum 100-jährigen Bestehen besitzt und bewirtschaftet die Oberfränkische Baugenossenschaft mehr als 2000 eigene Mietwohnungen. Bis in die 1980er Jahre war auch die Tätigkeit auf dem Eigenheimsektor ein stabiles Geschäftsfeld. Durch aufkommende Konkurrenz und dem Wegfall der angestammten finanzschwachen Kundschaft verlor dieser Bereich an Bedeutung.

Heute liege der Fokus auf dem Erhalt und der professionellen Verwaltung des eigenen Wohnungsbestandes und "im Dienst am Menschen", so Kleylein. Da in Kronach die Nachfrage nach preiswertem Wohnraum groß ist, wurde das Neubaugeschäft wieder aktiviert sowie auch das Angebot von Mietwohnungen erweitert. Im Herbst 2015 waren auf dem Kreuzberg 22 neue Wohnungen mit hohem Wohnkomfort bezugsfertig. Im Ziegelwinkel entstehen derzeit weitere zwölf Mietwohnungen, die im September fertig gestellt sein sollen. In Neustadt bei Coburg konnte ein Baugrundstück erworben werden, ein Entwurf für 27 barrierefreie Wohnungen liegt bereits vor. Auch in Neuses hat die OBG Kronach drei Bauplätze gekauft.

Vorstand Alexander Kleylein schloss seine Zeitreise mit der Feststellung, dass die Verantwortlichen in den zurückliegenden 100 Jahren die Zeichen der Zeit erkannten und auch auf die sozialen, wirtschaftlichen und demografischen Veränderungen reagierten. Wenn dies auch in Zukunft so sein werde, werde die Genossenschaft die nächsten 100 Jahre schadlos überstehen, war Kleylein zuversichtlich. Landratsstellvertreter Gerhard Wunder setzt große Hoffnungen auf eine Wohnbedarfsanalyse durch den Landkreis Kronach. Auf gesellschaftliche Veränderungen müsse die Politik reagieren, aber keinesfalls mit Sozialismus, warnte Wunder. Er sprach im Namen des Landkreises Kronach großen Dank für das Engagement der Oberfränkischen Baugenossenschaft aus.

Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein sprach von guter Zusammenarbeit der Stadt mit dem Team der Genossenschaft. Er dankte für die neu in Angriff genommen Aktivitäten und bat auch um Verständnis, dass gerade Kronach, als Drei- Flüsse- Stadt mit mehreren Hochwassergebieten, spezielle Probleme in der Planung neuer Baugebiete habe. Auch im Altstadt- Ensemble müssten einige Besonderheiten berücksichtigt werden.

Autor

Karl-Heinz Hofmann
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
05. 05. 2019
14:54 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bauträger Genossenschaften Genossenschaftsgesetz Gerhard Wunder Krisen Mietwohnungen und Mietshäuser Privatisierung Schützenhaus Kronach Wohnungen Wohnungsbau Wohnungsbranche Wohnungsunternehmen Wolfgang Beiergrößlein
Kronach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema

29.04.2019

Mammutaufgabe Wohnraumkonzept

Derzeit wird eine Analyse zur Wohnungssituation im Landkreis Kronach erstellt. Ein erster Zwischenstand zeigt: Dem Bedarf künftig gerecht zu werden, wird eine Herausforderung. » mehr

05.12.2018

Mieter blicken skeptisch ins neue Jahr

Noch bis Ende Dezember sind die Bewohner von KWG-Wohnungen über eine Sozialcharta geschützt. Doch was passiert dann? Der Mieterverein ist in Alarmbereitschaft. » mehr

20.03.2019

KWG-Mieter beklagen zahlreiche Missstände

Zwar ist das KWG-Büro am Kronacher Kaulanger zeitweise wieder besetzt. Trotzdem läuft noch lange nicht alles wieder rund. Immerhin: Die Eigentümer geloben Besserung. » mehr

16.05.2019

Lotsen auf dem Immobilienmarkt

Ehrenamtliche sollen in Steinwiesen Leerstände in Entwicklungschancen verwandeln. Auf Plakaten in der Marktgemeinde stellen sich die fünf Netzwerker vor. » mehr

11.11.2018

Prinzenhochzeit im kommenden Jahr

Basti I. und Karolin I. regieren die Kronacher Narren. Die Fousanaochter freuen sich über ihr neues Prinzenpaar. » mehr

29.01.2019

Bauherr kritisiert Stellplatzverordnung

Bauunternehmer Horst Hanna will in Kronach 18 kleine Wohnungen mit 26 Parkplätzen schaffen. Laut Satzung wären aber fünf mehr vorgeschrieben. Das kommt ihn teuer zu stehen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Mittelaltermarkt Ebern

Mittelaltermarkt Ebern | 16.06.2019 Ebern
» 22 Bilder ansehen

Eröffnung Albertsbeach

Eröffnung Albertsbeach | 15.06.2019 Coburg
» 17 Bilder ansehen

Kevin Kravietz: Empfang in Ahorn Ahorn

Kevin Kravietz: Empfang in Ahorn | 13.06.2019 Ahorn
» 21 Bilder ansehen

Autor

Karl-Heinz Hofmann

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
05. 05. 2019
14:54 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".