Lade Login-Box.
Topthemen: Coronavirus3 Fragen - 3 Antworten: Coburger OB-Kandidaten vor der KameraDie Videos der WocheDer BachelorCotubeBlitzerwarner

Kronach

Ex-Trinkerin bleibt Knast erspart

Eine 42-Jährige greift bei einer Hausdurchsuchung im Vollrausch Polizisten an. Vor Gericht erhält sie dann doch noch einmal eine Bewährungsstrafe.



Ex-Trinkerin bleibt Knast erspart  

Kronach - Weil sie sich im September 2018 sturzbetrunken mit einem Einsatzkommando der Polizei angelegt und dabei einen Gesetzeshüter beleidigt, an der Ausübung von Vollstreckungsmaßnahmen gehindert sowie angegriffen hatte, musste sich eine 42-Jährige aus dem Kreis Kronach am Donnerstag vor dem hiesigen Amtsgericht verantworten.

Nachdem ein erster Prozess gegen die Frau im Juni 2019 zwecks Einholung eines psychiatrischen Gutachtens ausgesetzt worden war (die NP berichtete), erging nun das Urteil durch Strafrichter Christoph Lehmann: ein Jahr zur Bewährung nebst 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit sowie restriktive Bewährungsauflagen standen am Ende für die 42-Jährige, unter anderem wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, zu Buche. Dabei profitierte sie von einer Strafrahmenverschiebung wegen verminderter Schuldfähigkeit.

"Das hat sie alles so nicht gewollt. Sie war damals schwerst alkoholabhängig", leitete Verteidiger Joachim Voigt das Geständnis seiner Mandantin ein. Demnach wurde in den frühen Morgenstunden des 4. Septembers 2018 im Zuge von Ermittlungen gegen einen im gleichen Haus wohnenden Familienangehörigen der Frau eine Hausdurchsuchung von der Kriminalpolizei Coburg durchgeführt. Die 42-jährige Hausfrau, die das Eintreffen der Polizisten zuerst wahrgenommen hatte, beleidigte einen Gesetzeshüter mit derbstem Vokabular sowie abfälligen Gesten. Im Verlauf der folgenden Hausdurchsuchung unternahm sie obendrein den erfolglosen Versuch, dem Beamten eine noch glühende Zigarette ins Gesicht zu drücken. An die Geschehnisse des Tattages indes erinnerte sich die Angeklagte infolge des Konsums einer Flasche Wodka - damals ihr Tagesbedarf, wie sie zu-gab - nur vage, aber "ich hatte Angst und Panik". Anders nahm einer von zwei als Zeugen geladenen Polizisten die damalige Situation wahr: Mit den abfälligen Worten "Was wollt ihr denn schon wieder hier?" sei man "begrüßt" worden; ferner berichtete er von "wellenartigen Stimmungsschwankungen" der Beschuldigten, in deren Verlauf es sowohl zu Beleidigungen als auch dem Angriff auf seinen Kollegen gekommen sei. "Wir haben ja oft mit solcher Klientel zu tun, aber irgendwann ist das Maß auch mal voll", bemerkte er zu den Schimpftiraden der Dame.

Eine Lanze für die Beschuldigte brach der bestellte Sachverständige: Neben hoher Kooperationsbereitschaft gab er dem Gericht zu verstehen, dass die 42-Jährige nach einer fast achtjährigen Phase von Alkohol- und Betäubungsmittelsucht sowie mehreren Entgiftungen ihr Leben wieder im Griff habe. "Seit dem 27. Dezember 2018 trinke ich keinen Tropfen mehr", versicherte dann auch die Angeschuldigte hierzu auf Nachfrage hin glaubhaft.

Bezogen auf die Tat empfahl der Facharzt die Inbetrachtziehung einer Strafrahmenverschiebung wegen verminderter Schuldfähigkeit - ein Punkt, in dem sich letztlich auch Staatsanwältin Julia Haderlein und Verteidigung einig waren. Doch aufgrund von zwölf, teils einschlägigen Vorstrafen plädierte Haderlein darauf, eine neuerliche Bewährungsaussetzung auszuschlagen und eine einjährige Freiheitsstrafe zu verhängen. "Sie haben insgesamt sechs Mal Ihre Bewährungschancen nicht genutzt", so ihr Fazit.

Verteidiger Voigt dagegen war nimmermüde, die Wandlung seiner Mandantin hervorzuheben: "Sie war damals in einem desolaten Zustand. Aber eine Nachreifung ist hier eingetreten." Auch ein finanzieller Ausgleich mit dem beleidigten Polizisten in Höhe von 350 Euro habe bereits stattgefunden. Eine siebenmonatige Bewährungsstrafe mit Auflagen nach Ermessen des Gerichts erachtete er als adäquat. Das Gericht folgte zwar in der Strafhöhe der Anklagevertreterin, gab der 42-Jährigen angesichts ihrer nun fast anderthalb Jahre andauernden und dokumentierten Bemühungen, ein geordnetes Leben zu führen, eine letzte Bewährungschance. "Es kann sein, dass das Ihre letzte Chance ist", gab ihr Vorsitzender Lehmann mit auf den Weg. Das Urteil ist rechtskräftig.

Autor

Jürgen Malcher
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
13. 02. 2020
17:18 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angeklagte Beleidigung Bewährungsstrafen Kriminalpolizei Polizei Polizistinnen und Polizisten Staatsanwälte Strafrichterinnen und Strafrichter Vollrausch Vorstrafen Zeugen
Kronach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema

21.02.2020

Versuchter Totschlag während des Freischießens: Termin am Tatort bringt Klarheit

Zwei junge Männer sind wegen versuchten Totschlags angeklagt. Der Richter schaut sich mit ihnen nun den Tatort an. » mehr

Gewalt an Frau. Symbolbild. Gewalt an Frau. Symbolbild.

24.10.2019

Hiebe statt Liebe: Mann geht nach Gewaltexzess gegen Verlobte ins Gefängnis

Auch eine Strafe auf Bewährung hielt ihn nicht davon ab, seine Verlobte erneut zu traktieren. Nun bereitete der Richter dem ein Ende. Er steckte den Kronacher ins Gefängnis. » mehr

22.11.2019

Teure Selbstjustiz

Ein 56-Jähriger machte einer Kollegin ein unmoralisches Angebot. Die Rache ihres Freundes: eine Prügelattacke. Nun kam die Sache vor Gericht. » mehr

Justizia

31.01.2020

Motorradhändler frisiert nicht nur heiße Öfen

Ein Geschäftsmann sichert sich illegal Rabatte. Doch jetzt legt er gewaltig drauf. Das liegt nicht nur an der nun verhängten Geldstrafe. » mehr

Rollator in Zimmer in Altenpflegeheim

31.10.2019

Oberfranken

Tochter verprasst Vermögen des 81-jährigen Vaters

Eine Frau aus dem Landkreis Hof plündert das Konto ihres Vaters. Dem droht dadurch der Verlust seines Heimplatzes in Wallenfels. » mehr

20.02.2020

Von wegen Ganovenehre

Zwei Männer sollen am Rande des Freischießens einen Familienvater verprügelt haben und Teil einer Jugendbande sein. Versuchter Totschlag lautet nun die Anklage. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Faschingsumzug in Seßlach

Faschingsumzug in Seßlach | 25.02.2020 Seßlach
» 32 Bilder ansehen

Faschingsumzug in Welitsch

Faschingsumzug in Welitsch | 25.02.2020 Welitsch
» 15 Bilder ansehen

Faschingsumzug in Wallenfels

Faschingsumzug in Wallenfels | 25.02.2020 Wallenfels
» 26 Bilder ansehen

Autor

Jürgen Malcher

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
13. 02. 2020
17:18 Uhr



^