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Kronach

Fair-Trade-Kaffee in der Kantine ist nur ein Anfang

Nachhaltigkeit muss Chefsache werden. Sowohl im Betrieb als auch im Rathaus. Dafür macht sich Frank Braun stark.



Kronach - "Wir leben über unsere Verhältnisse." Davon zeigte sich Frank Braun, Sprecher des Initiativekreises faire Metropolregion Nürnberg", zu der auch Kronach gehört, bei seinem Vortrag im evangelischen Gemeindezentrum überzeugt. Eingeladen hatte der Steuerkreis der Fairen Stadt Kronach.

Christina Walther hatte zuvor die Gäste begrüßt. Sie erinnerte daran, dass die Stadt Kronach seit 2014 das Siegel der Fairen Stadt trage. Damals habe man sich vor allem dem Thema "Faire Kleidung" angenommen. Mit dem aktuellen Vortrag wolle man nun die Möglichkeiten für Kommunen und Betriebe darlegen, sich an fairer Beschaffung zu beteiligen.

Frank Braun, Referent des Eine-Welt-Netzwerkes am Caritas-Pirkheimerhaus in Nürnberg, erklärte, dass Kommunen einen großen Verantwortungsbereich und Vorbildfunktion hätten. Man schätze das kommunale Vergabevolumen auf 400 Milliarden Euro, wenn man hier Vorbild wäre, würde dies Akzente im Markt setzen. Die Begriffe "fair" und "nachhaltig" gehörten stets zusammen, so Frank Braun, es gehe letztendlich darum, eine gerechte Weltwirtschaft zu schaffen, die jedem genug übrig lasse, um existenzsichernd zu leben.

Der Mensch lebe in einer Zeit exponentiellen Wachstums, aber die Natur wachse nicht entsprechend mit und könne dem Wachstum auch nicht lange standhalten, zudem bringe das Wachstum global gesehen nur wenige Gewinner mit und viele Verlierer, erklärte Braun. "Es wird kein Schuh draus, wenn wir nicht anfangen im globalen Dialog darüber zu reden, dass es so nicht mehr weitergehen kann", so Braun. "Wäre es nicht so leicht wegzuschauen, hätten wir schon längst gehandelt". Als Beispiel nannte er die Textilindustrie: Wenn vor Ort so produziert werden würde wie in den armen Ländern der Welt, so würden die Menschen auf die Straße gehen. Das Verstecken hinter den Finanzen sei eine Bankrotterklärung, nicht nur moralisch, sondern auch systemisch. Das Problem werde immer an die nächste Generation weitergeschoben. "Wir leben geradezu kannibalistisch, wir fressen nicht nur die Welt auf, sondern auch uns", so Braun.

Neue Denkmodelle wie Nachhaltigkeit oder Chancengleichheit seien in der Agenda 2030 formuliert und wurden im Jahr 2015 von Deutschland und 190 weiteren Nationen verabschiedet. Nachhaltige Beschaffung sei die ultimative Umsetzung in der Kommune. "Wer hat schon entsprechende Ziele in der Kommune festgelegt?", fragte Frank Braun. Es wäre wichtig, die Entwicklungsziele nach unten zu tragen und das Thema bei der Bevölkerung und in den Kommunen bekannt zu machen, aber kaum jemand habe etwas davon gehört.

Das Thema Nachhaltigkeit beinhalte die Fragen "Wie gehen wir mit Natur und Ressourcen um?", "Wie gehen wir mit den Menschen um?" und "Wie viel ist genug?" Man benötige eine entsprechende Kultur, um einen anderen Lebensstil zu vermitteln. "Es geht nicht darum, perfekt zu leben, sondern jeden Tag ein bisschen besser zu leben, sonst würden wir uns maßlos überfordern", sagte Braun. Das Nummer-Eins-Gegenargument "Ich kann es mir nicht leisten" wollte Braun nicht gelten lassen, nachhaltig sei nicht teurer, sondern auf lange Sicht günstiger. Es gehe aber nicht darum, dem anderen den moralinsaueren Zeigefinger zu zeigen, sondern freundlich miteinander umzugehen. "Wenn wir die Rahmenbedingungen schaffen, werden die meisten mitziehen", zeigte er sich sicher.

Konkret für Kommunen nannte er als Erfolgsfaktoren der Umsetzung zum einen Schulungen, um Klarheit und Transparenz für die Mitarbeiter zu schaffen, damit sie wüssten, was "nachhaltig" bedeute. In allen Themenbereichen, ob Bekleidung oder Baustoffe, habe man Alternativen, mit denen man nachhaltige Beschaffung realisieren könne. Mittlerweile könne man auch im Vergaberecht Nachhaltigkeitskriterien festlegen. Die Stadt München habe beispielsweise im Schulsport nur Bälle beschafft, die Fair-Trade-Kriterien erfüllen. Es gebe immer mehr Pionier-Kommunen, die das Thema umsetzen. Ein Fluch seien die vielen Siegel, die es gebe. "In der Masse sind die Siegel oft dazu da, die Standards zu verwaschen", meinte Frank Braun. Nachhaltigkeit müsse auch Chefsache werden, der Bürgermeister müsse im Amtsblatt und über soziale Medien auf das Thema hinweisen und darüber schreiben. Wichtig sei aber auch Transparenz. Man müsse einräumen, wo man konkrete Ziele noch nicht umgesetzt habe. Über Pfandsysteme für Kaffeebecher, Car-Sharing. Mit Refill-Stationen könnten die Kommunen ebenfalls viel bewirken oder durch Nachbarschaftsnetzwerke, in denen man beispielsweise elektrische Spezialgeräte ausleihen und teilen könne. Repair Cafes, urbanes Gärtnern oder Kleidertauschbörsen seien weitere Beispiele. Wichtig sei es klare Spielregeln zu schaffen, Alternativen klar zu machen und aufzuzeigen.

"Der Boden ist bereitet, es gibt eine Vielzahl positiver Beispiele zur Umsetzung öko-sozialer Beschaffung", so Braun, mit Blick auf Themenfelder wie Bürobedarf, Büromöbel oder das Veranstaltungsmanagement, wo man von der Anreise über das Catering und das Gastgeschenk bis hin zur Bezahlung der Service-Kräfte nachhaltig handeln könne. "Fangen Sie mit dem an, was Sie auch schaffen können und seien Sie konsequent in der Umsetzung", riet Frank Braun zum Abschluss, "sammeln Sie nicht Titel, sondern schaffen Sie Realitäten."

Autor

Peter Fiedler
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Veröffentlicht am:
27. 11. 2018
19:06 Uhr

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Peter Fiedler

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27. 11. 2018
19:06 Uhr



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