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Kronach

Faustschläge nach dem Schwimmen

Ein 50-Jähriger soll einen 77 Jahre alten Senior verprügelt haben. Das Opfer jedoch verhält sich merkwürdig vor Gericht.



Kronach - Eine undurchsichtige Posse um eine mutmaßliche gefährliche Körperverletzung ist am Donnerstag vor dem Amtsgericht Kronach unter Vorsitz von Strafrichter Christoph Lehmann verhandelt worden: Wohl aufgrund verleumderischer Aussagen gerieten Ende Dezember vergangenen Jahres zwei Schwimmer aus dem Landkreis Kronach im Alter von 50 und 77 Jahren nach einem Besuch des "Crana Mare" aneinander. Dabei soll der Jüngere den Senior nach Verlassen des Schwimmbades durch Kronach verfolgt und derart verdroschen haben, dass dieser sich in ärztliche Behandlung begeben musste. Doch aufgrund einer äußerst widersprüchlichen Zeugenaussage des Geschädigten wurde das Verfahren gegen eine Geldauflage von 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung sowie die Entrichtung von Schmerzensgeld in Höhe von 200 Euro eingestellt.

Da der beschuldigte Fachinformatiker selbst keine Angaben zur Sache machen wollte, musste in die Beweisaufnahme eingetreten werden. Der Geschädigte habe demnach nach eigener Aussage unmittelbar nach Verlassen der Badeanstalt wahrgenommen, dass er vom 50-Jährigen verfolgt werde: "Ich habe gemerkt, dass mit ihm was nicht stimmt." Nachdem er sich hinter einem Auto versteckt hatte, sei er durch mehrere hinterrücks ausgeführte Faustschläge gegen die Nierengegend überrascht worden und zu Boden gegangen. Zu allem Überfluss sei ihm noch ein saftiger Tritt ins Gesäß versetzt worden.

Nachdem es ihm gelungen sei, wieder aufzustehen, habe er abermals noch einige Boxhiebe abbekommen und sei erneut "auf die Bretter" gegangen. "Den Rest machen meine Kollegen", soll der Beklagte ihm dann noch gedroht haben. Die - auch ärztlich dokumentierten - Folgen: Prellungen sowie eine Schürfwunde über einem Auge infolge des Sturzes. Dennoch erachtete der Geschädigte die Verletzungen als eher marginal und verneinte auf Nachfrage des Richters gar den Wunsch, den Angeklagten zu bestrafen. Nicht einmal die verschriebenen Schmerzmittel habe er benötigt.

Die brennende Frage nach der Vorgeschichte ließ das Opfer jedoch unbeantwortet. Auf Nachfrage von Verteidiger Till Wagler räumte der Senior ein, den Beklagten als Dauergast aus dem Schwimmbad zu kennen. Doch habe er mit jenem noch nie etwas zu tun gehabt. "Mich wundert es schon, wie das passieren konnte, wo Sie doch angeblich noch nie Kontakt miteinander hatten", bemerkte Staatsanwalt Matthias Jakob.

Im nun folgenden Kreuzverhör druckste der 77-Jährige lange herum und verhedderte sich zusehends in Widersprüche. "Jetzt fragt Sie der Richter, dann der Staatsanwalt und dann ich - und dreimal präsentieren Sie uns was anderes", monierte Wagler und erhöhte den Druck: "Haben Sie über meinen Mandanten im Schwimmbad geäußert, dass er als Kind zu heiß gebadet worden sei?" Dies bejahte der Senior. Im Rahmen eines Gespräches mit einer Bediensteten des Schwimmbades soll diese Äußerung gefallen sein.

Wagler ließ daraufhin nicht locker: "Und haben Sie jemals zu ihm gesagt: ‚Wie kann man nur so schwarz angezogen sein? Du läufst doch rum wie der Tod, du Spinner!‘" Angesichts dieser Vorhaltung verließ den 77-Jährigen dann sein Erinnerungsvermögen.

Zweifelsfrei identifiziert werden konnte der 50-Jährige nach Aussage eines Polizeibeamten anhand einer Täterbeschreibung und der Auswertung der Bilder einer Überwachungskamera. "Sobald er ging, ist ihm der Herr Angeklagte gefolgt. Das war schon sehr auffällig", erläuterte der Gesetzeshüter. Den Geschädigten beschrieb er bei Ankunft eines Streifenwagens am damaligen Tatort als extrem verstört: "Er hatte sich versteckt und sich erst beim zweiten Mal auf Zurufen zu erkennen gegeben."

Nach einem längeren Rechtsgespräch unterbreitete der Vorsitzende schließlich den Vorschlag, das Verfahren gegen den bis dato unbescholtenen Angeschuldigten gegen Zahlung einer Geldauflage einzustellen: "Da hat man einen Geschädigten, der drei Varianten an Vorgeschichten erzählt. Welche davon jetzt richtig ist, wissen wir nicht." Eine Aussage, der alle Verfahrensbeteiligten letztendlich zustimmten.

"Es gehören immer zwei dazu. Und so ein Verhalten gehört eher in den Kindergarten als vor Gericht", resümierte Richter Lehmann. Eindringlich empfahl er den beiden Streithähnen, einen derartigen "Mist, der erwachsenen Menschen fern sein sollte", zukünftig zu unterlassen.

Autor

Jürgen Malcher
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Veröffentlicht am:
26. 09. 2019
18:00 Uhr

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Jürgen Malcher

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Veröffentlicht am:
26. 09. 2019
18:00 Uhr



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