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Kronach

"Freie" fordern Hilfen für Waldbesitzer

In Teuschnitz machen sie sich ein Bild von den katastrophalen Zuständen im Forst. Neben raschen Soforthilfen braucht es aus ihrer Sicht auch stabile Finanz- und Fördermittel.



Lichtblicke im Wald? Derzeit gibt es sie kaum. Stattdessen muss gefällt werden ohne Ende, um den Borkenkäfer zu bekämpfen. Geld sehen die Waldbesitzer für ihr Holz jedoch kaum noch. Foto: Anja Barthen   » zu den Bildern

Teuschnitz - Nach den beiden Landräten aus Kronach und Kulmbach fordern nun auch die Freien Wähler umfassende staatliche Unterstützung für die Waldbesitzer im Frankenwald. Die Mitglieder des Ortsverbands Teuschnitz sowie aus dem Kreisverband Kronach haben sich bei Betroffenen vor Ort ein Bild "von der derzeitigen dramatischen Situation des Waldes und der Waldbauern gemacht", wie es in einer Pressemitteilung aus dem Büro des Kulmbacher Landtagsabgeordneten Rainer Ludwig heißt. Die zentrale Botschaft: "Aus Sicht der Freien Wähler muss nun dringend politisch gehandelt werden."

Wie, darüber haben sich die "Freien" bereits Gedanken gemacht - und einen umfassenden Forderungskatalog entwickelt. Dabei stehen laut dem Teuschnitzer FW-Ortsvorsitzenden Michael Hebentanz als "Leuchtturmprojekte" die Sofortmaßnahmen zur Käferbekämpfung und der anstehende Waldumbau im Fokus. Unterstützung für ihr Anliegen bekommen die Waldbesitzer auch von Rainer Ludwig. "Ich unterstütze damit auch die Initiative der Landräte Klaus Löffler (KC) und Klaus Peter Söllner (KU), die sich mit einem Acht-Punkte-Programm an Ministerpräsident Markus Söder gewandt haben", lässt er mitteilen. Außerdem kündigt er an, mit den zuständigen Ministerinnen und Ministern persönliche Gespräche führen zu wollen. "Wälder speichern CO2, reinigen die Luft, sind wichtig für unser Grundwasser und Lebensraum für zahlreiche Tierarten - von der Biene bis zum Reh. Der Wald hat herausragende Bedeutung für den Klima- und Artenschutz! Der Schutz des Waldes ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und kann nicht allein den privaten Waldbauern aufgebürdet werden", sind sich Ludwig und Hebentanz einig. Konkret fordern sie folgende Maßnahmen:

1. Anstehender Waldumbau durch eine Art "Wald-KuLaP": Es steht außer Frage, dass der jetzige Wald (im Frankenwald noch von Fichtenmonokultur geprägt) umgebaut werden muss. Dieser Umbau ist in Anbetracht der Klimaschutzrelevanz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und kann nicht den privaten Waldbauern aufgebürdet werden. Um trotz Waldumbau Erträge zu haben, wäre eine Art "Kulturlandschafts-Programm" für den Wald als Pflege-Entgelt wünschenswert, weil sich diese Förderung für den Bereich der Landwirtschaft bewährt hat.

2. Sofortmaßnahmen zur Käferbekämpfung: In Thüringen werden derzeit die sogenannten "Todes-Dreiecke" ausgebracht, eine intensive Käferbekämpfungsvariante. Dies wäre als Sofortmaßnahme auch für den Frankenwald wünschenswert - nach Möglichkeit staatlich gefördert. Zudem herrscht derzeit bei den üblichen Spritzmitteln Knappheit, die zudem erhebliche Kosten verursachen.

3. Holzpreis-Aufstockung: Durch die momentane Extremsituation ist der Holzmarkt extrem angespannt. Weil durch den Käfer derzeit auch Altbestände mit bis zu 150 Jahre alten Hölzern vernichtet werden, die über Generationen als "Sparkasse" des jeweiligen Holzbetriebes angesehen wurden, werden hierdurch momentan ganze Waldbauern-Existenzen vernichtet. Ein Betrieb mit rund 150 Hektar hat in den Jahren 2018/2019 allein rund 30 000 Euro Wertverlust aufgrund des dramatischen Werteinbruches. Insoweit wäre eine Art staatlicher Mindest-Holzpreis (analog zum Mindestlohn) oder eine staatliche Aufstockung des Holzpreises wünschenswert. Insgesamt ist anzumerken, dass die Holzpreise in den letzten 30 Jahren kaum gestiegen sind, die relevanten Betriebsausgaben hingegen schon.

4. Wiederaufforstungs-Förderung: Die bisherige staatliche Förderung bei Wiederaufforstung ist viel zu gering, als dass dies noch lohnen würde, zumal aufgrund der dramatischen Situation derzeit auch das Generationen-Prinzip wegzufallen droht. Auch nehmen die Verbiss-Schäden zweifelsfrei zu, so dass die Aufforstung auch aufgrund des inzwischen immer erforderlichen Zaunbaus unwirtschaftlich wird. Eventuell könnte zumindest der Zaun staatlich gefördert werden.

5. Steuererlass: In Anbetracht der dramatischen Situation und zur Förderung des Klimas sollte ein Erlass oder zumindest eine Senkung der Grundsteuer und der Kirchensteuer geprüft werden. Steuerrechtlich problematisch ist auch, dass ein Waldbauernbetrieb derzeit finanztechnisch keine Rückstellungen bilden kann.

6. Vereinfachungen in der Berufsgenossenschaft: Ein landwirtschaftlicher Betrieb bekommt bei einem verletzten Landwirt im Regelfall einen Betriebshelfer, was auch für forstwirtschaftliche Betriebe wünschenswert wäre, aber in der Praxis kaum der Fall ist. Die Fristen der Berufsgenossenschaft bei Unfällen sind viel zu kurzfristig und insoweit praxisfern. Ungerecht ist auch, dass die Gebühren aufgrund gestiegener Unfallzahlen heraufgesetzt wurden, die Unfallzahlen aber nicht durch private Waldbauern gestiegen sind, sondern aufgrund zunehmender Lohnarbeiter. Wir schlagen deshalb eine Senkung oder einen staatlicher Zuschuss bei den Gebühren der Berufsgenossenschaft vor.

7. Brandschutz/Wasserversorgung Wald: Bei der Trockenheit 2018/19 kann ein Waldbrand in Kürze großflächig um sich greifen, weil Teiche für Feuerschutz im Außenbereich nahezu komplett fehlen. Auch werden die Bäume nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt. Es soll im Rahmen von Machbarkeitsstudien geprüft werden, wie Abhilfe geschaffen werden kann.

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Christian Kreuzer

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Veröffentlicht am:
30. 08. 2019
16:34 Uhr

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Christian Kreuzer

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Veröffentlicht am:
30. 08. 2019
16:34 Uhr



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