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Kronach

Friedlich wie eine Giraffe

An der Lucas-Cranach- Schule gibt es jetzt sieben Streitschlichterinnen mit eigenem Zimmer. Sie folgen einem Konzept, das sich ein Tier zum Vorbild genommen hat.



Millissa, Fiona und Kimara sind drei der sieben neu ausgebildeten Streitschlichterinnen. Sie freuen sich über ihre Urkunden. Foto: Heike Schülein  

Kronach - Vier Ganztages-Klassen an der Lucas-Cranach-Schule beschäftigten sich mit dem Konzept der gewaltfreien Kommunikation. In diesem Zusammenhang wurde am Montag an der Schule eine Streitschlichter-Ecke eingerichtet.

Für Interessenten

Wer aus der Bevölkerung Interesse an dieser friedvollen und friedensstiftenden Kommunikationsform hat: Es finden offene Übungsabende (jeden letzten Donnerstag in Kronach, Café Kitsch, 20 Uhr) und auch offene Übungsvormittage (jeden ersten Mittwoch im Monat in der Praxis für Psychotherapie, Rödernstraße 14, Kronach) statt. Jeder ist willkommen! Nähere Infos unter www.Katja-Reitz-Psychotherapie.de


Konfliktsituationen gehören auch in der Schule zum Alltag. Das Lösen solcher Konflikte, ohne dass es "Gewinner" oder "Verlierer" gibt, beschäftigte den amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg. Dessen Modell der "Gewaltfreien Kommunikation" (GFK) brachte Katja Reitz den Ganztagesklassen 2a, 3a, 4a und 4e der Lucas-Cranach-Schule in den vergangenen Monaten nahe. Dabei bildete die Trainerin, die in Dörfles bei Kronach eine Praxis für Psychotherapie unterhält, sieben Streitschlichterinnen aus. Als Mediatorinnen sollen sie helfen, Konflikte ihrer Mitschüler zu bereinigen. Damit sie sich mit den "Streithähnen" zur Konfliktlösung zurückziehen können, wurde in der Schulbücherei eine Giraffen-Ecke mit gemütlichen Sitzgelegenheiten eingerichtet. Am Montag wurde diese eröffnet.

Hierzu konnte Konrektorin Kerstin Benos neben den teilnehmenden Kindern auch interessierte Eltern begrüßen. Eingefunden hatten sich zudem Christina Zapf vom Referat für schulbezogene Angebote des Caritas-Kreisverbands Kronach als Projektträgerin sowie Sabine Nachtrab von der Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie an der Volkshochschule Kreis Kronach, welche das Projekt über das Bundesprogramm "Demokratie leben!" förderte.

"Die Giraffe dient als Symbolfigur, da sie das Landtier mit dem größten Herzen ist. Mit ihrem langen Hals überblickt sie die Situationen und ist somit offen für verschiedene Lösungen", erklärte die Trainerin. Unter der Bezeichnung "Giraffen-Sprache" oder auch "Sprache des Herzens" habe sich dieses Modell zu einem weltweit bekannten Konzept etabliert. Die Giraffe stehe als Metapher für einen achtsamen und einfühlsamen Umgang miteinander, bei dem die Gefühle und Bedürfnisse anderer wahrgenommen werden. Zugleich achte man aber auch auf eigene Gefühle und mache sich dahinterliegender Bedürfnisse bewusst. Dem gegenüber stehe die Wolfssprache, die Rosenberg als "Quelle der Gewalt" bezeichnet.

"Viele Konflikte können Kinder alleine lösen. Sie müssen dafür ihren Streit unterbrechen und ohne Gewalt ein Gespräch führen. Das ist gar nicht so leicht, besonders wenn die Streitenden sehr aufgeregt sind. Oft ist es nötig, dass Mitschüler oder ausgebildete Streitschlichter helfen", zeigte sich Katja Reitz sicher. In zahlreichen Lerneinheiten mit vielen praktischen Übungen und Rollenspielen übte sie mit den Kindern eine konstruktive und friedliche Kommunikation ein.

"Die Giraffen-Sprache eignet sich besonders gut für das Kommunizieren in der Schule, da ihre Struktur einfach und eingängig ist", erläuterte die Trainerin, die sich voll des Lobes über die motivierten Kinder zeigte. Das Erlernte stellten diese bei der eingangs aufgeführten Szene unter Beweis. Zwei Mädchen schlüpften in die Rolle der Streithähne, zwei weitere in die der Mediatorinnen. Die Streitschlichterinnen stellten dabei Fragen wie "Was fühlst du?", "Wie geht es dir?", "Was ist dir wichtig?", "Was möchtest du?". Wichtig ist dabei, so die Schülerinnen, für eine freundliche Atmosphäre zu sorgen, auf die Regeln zu achten, genau zuzuhören, die Aussagen wiederholen zu können, neutral zu bleiben, nicht Partei zu ergreifen und die Konfliktparteien selbst nach Lösungen suchen zu lassen. Am Ende steht immer eine Einigung und dass sich die Streithähne die Hand reichen.

"Das ist für mich immer wieder ein ganz besonderer Moment", bekundete Katja Reitz, die die GFK auch als Prävention erachtet. Ihr großer Dank galt der Caritas und der vhs für die Projektträgerschaft beziehungsweise Finanzierung sowie allen Lehrern - vor allem Konrektorin Kerstin Benos und Melanie Simon, die seitens der Schule hauptverantwortlich für die Organisation zeichnete.

"Man hat gemerkt, wie sehr ihr dieses Konzept verinnerlicht habt", lobte Kronachs zweite Bürgermeisterin die Kinder. Sicher zeigte sie sich, dass das Projekt einen großen Beitrag zu einem positiven Klima und friedlichen Alltag an der Schule leisten könne. Dies sei gut für die Schule, aber auch für die Stadt Kronach.

Stolz nahmen die sieben ausgebildeten Mediatorinnen ihre Urkunden entgegen. Zudem erhalten sie Westen, durch die sie in ihrer Funktion erkennbar sind, sowie Pfeifen. Das Projekt ist auf Nachhaltigkeit angelegt. Die geschulten Kinder sollen, bevor sie die Schule nach der vierten Jahrgangsstufe verlassen, die Lerninhalte an jüngere weitergeben.

Autor

Heike Schülein
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 01. 2020
17:42 Uhr

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Autor

Heike Schülein

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Veröffentlicht am:
30. 01. 2020
17:42 Uhr



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