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Kronach

Gauner-Truppe prellt Kronacher Bank

35.000 Euro gehen dem Kreditinstitut durch die Lappen. Zwei der vier mutmaßlichen Täter sind nun verurteilt worden.



Gauner-Truppe prellt Kronacher Bank  

Kronach - Opfer ihrer Naivität sind ein 34 Jahre alter Mann und eine 36-jährige Frau aus dem Landkreis Sonneberg im April 2016 geworden. Beide hatten sich damals als Strohmänner für einen Lastschriftbetrug einspannen lassen. Dadurch entstand einem im Landkreis Kronach ansässigen Geldhaus ein finanzieller Schaden von 35 000 Euro. Am Donnerstagmorgen mussten sich beide vor dem Amtsgericht Kronach unter Vorsitz von Christoph Lehmann wegen Betrugs verantworten. Das Urteil: eine sechsmonatige Bewährungsstrafe nebst 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit für den 34-Jährigen. Die Frau wurde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt. Außerdem müssen die beiden Wertersatz von annähernd 4000 Euro leisten.

Eigentlich sollten am Donnerstag vier Delinquenten auf der Anklagebank Platz nehmen. Doch die mutmaßlichen Drahtzieher des Betrugs - ein 35-Jähriger aus dem Landkreis Sonneberg und seine Mutter - konnten sich aufgrund einer ärztlich attestierten Verhandlungsunfähigkeit ihrer Verantwortung vorerst entziehen.

Die Vorwürfe von Staatsanwalt Michael Koch räumten beide Beklagte zu Prozessbeginn in umfangreichen Ausführungen ein: Demnach wurden von einem eigens eingerichteten Schein-Geschäftskonto des 34-Jährigen bei einer Großbank mit Filiale in Coburg Mitte April 2016 zwei Lastschriften in Höhe von insgesamt 35 000 Euro auf das "Geschäftskonto" der 36-Jährigen beim Kronacher Geldhaus transferiert. Doch noch bevor der 34-Jährige bei seiner Bank eine Rücklastschrift veranlasste, wurde das Geld vom Konto der 36-Jährigen bar abgehoben und von der Mutter des 35-Jährigen "eingesackt". Die Folge: Die Kronacher Bank blieb auf dem Schaden sitzen. Als "Lohn" für dieses Treiben erhielt die 36-Jährige 4000 Euro, wohingegen ihr Kompagnon leer ausging.

Zwei als Zeugen geladene Bankmitarbeiter der Großbank und ein Angestellter des geschädigten Geldhauses erläuterten in ihren Vernehmungen die Chronologie und den Betrugsmechanismus en detail. Eine letzte Möglichkeit zur Wiederbeschaffung der 35 000 Euro habe die beschuldigte 36-Jährige nach Worten des Kronacher Bankangestellten verstreichen lassen. "Sie hat auf mich auch so gewirkt, als ob sie da selbst nicht durchblickt", so sein Fazit.

Beide Beschuldigte präsentierten in ihren weiteren Ausführungen den 35-jährigen Sonneberger als Urheber des Betrugs. Dieser habe nicht nur Hilfe bei der Einrichtung der zwei Scheinkonten geleistet, sondern diese auch verwaltet. "Er hat mich nur zum Unterschreiben gebraucht. Alle Unterlagen hat er mitgenommen", stellte die Angeschuldigte heraus. Zu ihren Motiven befragt gaben beide an, im Tatzeitraum unter massiven Geld- und Drogenproblemen gelitten zu haben.

Einen geradezu surreal anmutenden Auftritt mit bemerkenswerter Chuzpe legte dann ausgerechnet der vermeintliche Strippenzieher hin: Quietschfidel erschien er im Gerichtssaal. "Als Angeklagter erscheinen Sie hier nicht, aber als Zeuge schon", bemerkte der Staatsanwalt. Der Zeuge verweigerte indes nach eindringlicher Belehrung das Zeugnis.

"Eine weitere Bewährungsstrafe kann es hier nicht mehr geben", verdeutlichte der Staatsanwalt der elffach vorbestraften und unter laufender Bewährung stehenden 36-Jährigen in seinem Plädoyer. Seine Forderung: zwei Jahre und vier Monate Haft. Für den bis dato unbescholtenen 34-Jährigen erachtete er eine sechsmonatige Bewährungsstrafe und zusätzlich 90 Stunden gemeinnützige Arbeit als angemessen. Rechtsanwalt Josef Geiger schloss sich dieser Strafbemessung für seinen Mandanten an, nicht jedoch ohne einen kräftigen Seitenhieb auf das geprellte Kreditinstitut zu vollziehen: "Das war an Blauäugigkeit kaum zu überbieten", kritisierte er das Vorgehen der Bank.

Einen letzten Versuch, ihre Mandantin vor dem drohenden Gefängnis zu bewahren, unternahm Verteidigerin Jessica Gralher mit Verweis auf die von ihr so titulierten "Hartz-Strafen" mit ihren wohlbekannten Ausgängen: "Denken Sie dabei bitte an die Urteile gegen Peter Hartz oder auch Uli Hoeneß." Sie forderte eine nochmalige Bewährungsstrafe, "bei der es auf zwei Jahre plus Geldstrafe hinausläuft".

Dem schloss sich der Vorsitzende nicht an: "Bei 35 000 Euro kann man nicht mehr auf eine Geldstrafe gehen."

Autor

Jürgen Malcher
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
12. 09. 2019
18:22 Uhr

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Autor

Jürgen Malcher

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Veröffentlicht am:
12. 09. 2019
18:22 Uhr



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