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Kronach

Gedankenaustausch beim Grenzgang

Dort, wo früher DDR und BRD aufeinander trafen, startet die Prozession zur Kirche von Mitwitz. Zeitzeugen berichten anschließend über ihre Erlebnisse.



Diakonin Judith Bär (rechts) startete mit Bibelworten den Grenzgang. Foto: Maria Löffler  

Mitwitz - Es war nass, kalt und die Dämmerung setzte ein. Dicht an dicht drängelten sich Menschen mit Regenschirmen und schüttelten sich die Nässe aus der Kleidung. Etwa 30 Grenzgänger ließen sich vom schlechten Wetter nicht abschrecken und machten sich in Mitwitz auf den Weg vom ehemaligen Grenzpunkt zur Kirche.

Es war eine Prozession, die die Dekanatsjugendkammer Michelau ins Leben rief. Diakonin Judith Bär wollte diesen Tag dazu nutzen, um Grenzerfahrungen auszutauschen. An einem Tag, an dem sich viele lieber unter eine Decke kuscheln, machten sich Menschen trotzdem auf den Weg, sangen, beteten und tauschten Gedanken aus. Auf den etwa drei Kilometern vom Grenzpunkt bis zur Kirche teilte sich der Weg in vier Stationen. Hier wurden Impulse mitgeben, Denkanstöße gesetzt: "Wann wart ihr das letzte Mal in einer Zwickmühle? Musstet ihr schon einmal kurz vor dem Ziel aufgeben? Welche Grenzen konntet ihr überwinden? Betet ihr auch manchmal ein goldenes Kalb an?"

Schlusspunkt der Prozession war die Jakobskirche, wo noch ein kurzer Gottesdienst folgte. Hier wurde auch noch einmal an den Mauerfall von vor 30 Jahren erinnert und daran, dass Menschen wieder damit begonnen hätten, Grenzen in den Köpfen zu bilden. Erinnert wurde auch an die Friedensbewegung und vor allem an die zahlreichen Freudentränen, die damals flossen.

Die Idee, das Gemeindehaus in ein "Erzählcafé" zu verwandeln, kam bei den Teilnehmer sehr gut an. Bei heißem Tee und Laugengebäck hörten sie gespannt den Erzählungen der Zeitzeugen zu. Bernd Hochberger, der als ehemaliger Lehrer in der DDR auf Schritt und Tritt von der Stasi überwacht worden war, schilderte seine Eindrücke auf bewegende Art und Weise. Noch heute schüttelt er mit dem Kopf, wenn er daran zurückdenkt. "Es war einfach nur verrückt."

An einem anderen Tisch saß der Mitwitzer Bürgermeister Hans-Peter Laschka, der zur Zeit des Mauerfalls gerade ins Amt gewählt worden war. "Vorher war ich beim Bundesgrenzschutz. Wir standen unter ständiger Beobachtung. Ich bin mir sicher, dass auch von mir eine Stasiakte existiert." Und dann kommt er auf die Besuche bei seinen Verwandten im Raum Magdeburg zu sprechen. Seine Frau schlägt die Hände vors Gesicht und schüttelt mit dem Kopf. "Es war ein Wunder, dass sie uns nie verhaftet haben." Ihr Mann gesteht: "Ich hab da kein Blatt vor den Mund genommen, hab mein Autofenster runtergekurbelt und gerufen: ‚Freiheit für alle Deutschen.‘"

Dann berichtet er über die Grenzöffnung und darüber, wie er mit seinen Thüringer Kollegen darüber beraten hat, wie man die Sperranlagen entschärfen und somit Durchgänge schaffen könne. "Damals ging alles drunter und drüber. Es war plötzlich niemand mehr zuständig, keiner wollte was entscheiden. Es hat Monate gedauert, bis so etwas wie Ordnung eingekehrt war." Er spricht von "Gänsehaut" und davon, dass alle außer Rand und Band waren. Weitere Zeitzeugen erzählten von der Beseitigung des Stacheldrahtzaunes und davon, dass man selbst zu diesem Zeitpunkt die Deutsche Demokratische Republik als "Wessi" noch nicht betreten durfte.

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Maria Löffler
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Veröffentlicht am:
06. 10. 2019
15:48 Uhr

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Maria Löffler

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Veröffentlicht am:
06. 10. 2019
15:48 Uhr



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