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Kronach

Gefahr auf acht Beinen

Ein ganz unbeliebtes Spinnentier mit Z: Zecke. Steigen die Temperaturen im Frühjahr wieder an, werden die kleinen Parasiten auch im Frankenwald wieder aktiv.



Zecken wirken unscheinbar, können aber richtig gefährlich werden: Ihr Stich kann gefährliche Krankheiten übertragen. Archivfoto: Patrick Pleul/dpa   » zu den Bildern

Kronach - Er hat aufgehört zu zählen, wie viele Zecken er sich schon aus der Haut ziehen musste. Ulrich Dautel arbeitet als Revierleiter im Stadtwald Kronach, weshalb er täglich in der Natur unterwegs ist. Da bleibt der Kontakt mit den Blutsaugern nicht aus. Vor allem im Frühjahr, wenn die Temperaturen wieder milder werden, sind auch die Zecken wieder aktiver. Und zwar überall dort, wo es Gras gibt.

"Eine Zecke kann sich genauso gut im Schwimmbad, im eigenen Garten oder im Wald an den Menschen anheften", erklärt Dautel. Das Fiese: Sie können auch in der Wohnung zumindest ein paar Tage überleben und und überstehen mitunter sogar einen Waschgang. Stechen die Tiere dann zu, können sie gefährliche Krankheiten wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Aus Oberfranken hat das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) im vergangenen Jahr 368 Fälle von Borreliose und 26 FSME-Fälle gemeldet bekommen.

"Das Thema Zecken beschäftigt uns auch im Frankenwald jedes Jahr wieder", meint der Leiter des Kronacher Gesundheitsamtes Dr. Helmut Weiß. Auf der Karte des Robert-Koch-Institutes wird die Region - wie beinahe ganz Süddeutschland - als Risikogebiet für FSME aufgeführt. Die Fallzahlen im Kronacher Kreis geben jedoch keinen Grund zur Panik. So habe es 2017 etwa keinen einzigen registrierten Fall der Krankheit gegeben. Das kann auch damit zusammenhängen, dass sich Menschen gegen FSME impfen lassen können. Aber ihm ist wichtig zu betonen: "Es gibt keine Impfung, die einen vor dem Stich schützt".

Dabei gibt es selbst landkreisweit große Unterschiede. Martin Körlin, Revierleiter in Steinbach am Wald, beispielsweise hat kaum Probleme. "In den letzten 30 Jahren hatte ich vielleicht drei oder vier Zecken", sagt er. Eine Erklärung könnte schlicht das Klima liefern. "In der Rennsteigregion ist es oft ein bisschen kälter", so Körlin. Außerdem gebe es in den Naturflächen des nördlichen Landkreises weniger Grasflächen als rund um die Kreisstadt.

FSME beginnt in der Regel mit Symptomen, die einer Grippe ähnlich sind. Bei einem Teil der Erkrankten kommt es nach einer fieberfreien Zeit zu einer Entzündung der Hirnhäute sowie des Gehirns. In einzelnen Fällen trübt das Bewusstsein ein und es kann zu Krampfanfällen, Lähmungen oder Gefühlsstörungen kommen. "In den meisten Fällen bilden sich diese Krankheitszeichen aber im weiteren Verlauf wieder zurück", weiß Dr. Weiß.

Weil nach einem Ausbruch von FSME nur die Symptome behandelt werden können, empfehlen viele Ärzte sowie das Robert-Koch-Institut eine Impfung. Die wird in aller Regel von der Krankenkasse übernommen, gerade für Menschen, die in Risikogebieten leben oder dorthin reisen. Zum Aufbau des Impfschutzes sind drei Behandlungen erforderlich, nachträglich kann der Ausbruch aber nicht mehr verhindert werden. Alle drei bis fünf Jahre sollte die Impfung aufgefrischt werden.

"Ein häufigeres Problem im Landkreis ist Borreliose", sagt Dr. Weiß. In den vergangenen Jahren sind immer wieder Menschen neu erkrankt, 60 waren es allein 2017. Das Problem: Gegen die bakteriellen Erreger (Borrelien) kann man sich nicht impfen lassen. Richtig gefährlich wird die Krankheit dann, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt wird. "Im Frühstadium helfen Antibiotika meist gut weiter", erklärt er.

Gut erkennen lässt sich eine Borreliose zum Beispiel dann, wenn sich um die Einstichstelle eine ringförmige Rötung beobachten lässt. Wer sich nach einem Befall abgeschlagen fühlt, Kopfschmerzen und Fieber bekommt, sollte ebenfalls einen Arzt aufsuchen, raten die Experten. Monate oder gar Jahre nach der Infektion kann es bei fünf von 100 Betroffenen zu Gelenkentzündungen kommen. Eine überstandene Borreliose schützt nicht vor einer erneuten Infektion.

Auch Stadtförster Ulrich Dautel musste schon einige Male Antibiotika gegen Borrelien einsetzen. Schlimmere Folgen konnte er bisher aber immer abwenden. Und ein Gutes hat es, dass er schon so viele Zeckenerfahrungen sammeln "durfte": Beim Herausziehen der Krabbeltiere macht ihm so schnell keiner was vor.

Mehr zum Thema: Wie schützt man sich wirksam vor Zecken? 

Autor
Stephan Großmann

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Veröffentlicht am:
13. 04. 2018
21:28 Uhr

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Stephan Großmann

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13. 04. 2018
21:28 Uhr



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