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Gefühls-Chaos in Ludwigsstadt

In neun Aufführungen geben Daniel Leistner und sein Team bei den Shakespeare-Spielen den "Sommernachtstraum" zum Besten. Die Premiere war denn auch: traumhaft.



Demetrius (Daniel Leistner) und Helena (Anja Barthen) - füreinander bestimmt? Um diese beiden jedenfalls entwickelt sich im "Sommernachtstraum" eine mehrschichtige Geschichte. Fotos: Frank Wunderatsch (2), Heike Schülein   » zu den Bildern

Ludwigsstadt - Es ist Mittsommer und es ist heiß. Vielleicht spielen deshalb im alten Athen sämtliche Hormone verrückt. Die beiden Jünglinge Demetrius (Daniel Leistner) und Lysander (Julian Rauh) sind in Hermia (Julia Knauer) verliebt. Die liebt aber nur Lysander. Und da gibt es noch Helena (Anja Barthen), die ihrerseits unsterblich in Demetrius verliebt ist. Da Hermia - gegen ihren Willen - Demetrius heiraten soll, flieht sie mit Lysander aus der Stadt. Besessen von blinder Eifersucht verrät Helena die Fluchtpläne an Demetrius. So irren bald alle vier verloren durch den Athener Wald, dem Elfenreich von Titania (Manja Hünlein) und Oberon (Erhard Witte), wo sich die seltsamsten Gestalten tummeln. Durch einen magischen Liebeszauber nimmt ein munteres Verwechslungsspiel voller verwirrender Begegnungen seinen Lauf, das vor niemandem Halt macht. Schließlich weiß keiner mehr, wer mit wem und warum.

Nicht an den Rand des Wahnsinns, wohl aber an den Rand des Zwerchfellkollapses brachten die fulminant aufspielenden Akteure rund um Daniel Leistner ihr begeistertes Publikum. Shakespeares Original ließ der Intendant wie gewohnt in seiner ganz eigenen Version neu aufleben, wobei die Darsteller mit ihrer ungebremsten Spielfreude die Stars waren. Mit Spaß gelang es ihnen, die alte Geschichte von Liebesglück und Liebesleid von der mythischen Vorzeit in die Gegenwart zu holen - und das natürlich auch mit einigen Ludschterischen "Untertönen".

Sie waren die Publikumslieblinge: Immer, wenn die fröhlich-frechen Handwerker in Erscheinung traten, ging ein erwartungsfrohes Raunen durch die Reihen. Die fünf Meister - Schnauz (Lena Scheidig), Schlucker (Annika Sieber), Schnock (Bruno Treuner), Flaut (Rico Wurzbacher) und der "etwas" übereifrige Zettel (Astrid Vetter) studieren unter Leitung von Meister Peter Squenz (Evi Heyder) eine spaßige Tragödie für die anstehende Hochzeit des Herzogs von Athen ein. Währenddessen befinden sich die Herrscher des Waldes - Elfenkönig Oberon und Feenkönigin Titania - in einer handfesten Ehekrise. Um ihr einen Streich zu spielen, schickt Oberon seinen Diener Puck (Gerti Wurzbacher) nach einer Blume mit magischen Kräften aus. Die Zauberblume bewirkt bei Augenkontakt einen besonderen Liebeszauber: Wer den Saft ins Auge geträufelt bekommt, der verliebt sich beim Erwachen in das erste Wesen, das er erblickt. Gedacht ist die Zauberei für Titania. Als der Herrscher aber Zeuge wird, wie Demetrius die ihm verfallene Helena verschmäht und verspottet: "Mir wird schon schlecht - alleine, wenn ich dich anschau!", soll der Jüngling gleich mit "verwandelt" werden. Doch Puck geschieht ein Missgeschick. Statt Demetrius verzaubert er versehentlich Lysander, der sich daraufhin sofort in Helena verliebt und Hermia allein lässt. Oberon, der den Irrtum bemerkt, lässt zwar sogleich auch Demetrius verzaubern: Aber nun lieben beide Männer plötzlich Helena. Die unglücklich Liebenden geraten in heftigen Streit. Das Chaos ist perfekt, als Puck Zettel in einen Esel verwandelt. Dummerweise erblickt ihn Titania, als sie aus ihrem Schlaf erwacht. Im "Dickicht der Gefühle" fahren schließlich sämtliche Hormone Achterbahn.

Seiner grandiosen Schauspieler-Riege galt der Dank von Daniel Leistner. In der Heimat zu spielen, sei für ihn das Allerschönste - und erst recht mit solchen Darstellen und dem "Sommernachtstraum", seinem absoluten Lieblingsstück. Er wie auch Ludwigsstadts Bürgermeister Timo Ehrhardt freuten sich über ein rappelvolles Haus bei der Premiere, wozu sich insbesondere viele Personen des öffentlichen Lebens die Ehre gaben, darunter der Regierungsvizepräsident von Oberfranken, Thomas Engel. Die Aufführung habe, meinte er begeistert, die vielen Handlungsstränge leicht verständlich gemacht. So könne man den Klassiker "gut verstehen" und das mache einfach Riesenspaß.

Damit traf er genau die Intention der Shakespeare-Spiele, die - im Herbst 2011 gestartet - nunmehr bereits in die neunte Saison gehen und das mit einem echten Kracher-Stück. Nach vielen Wirrungen und Irrungen lösen sich "natürlich" auch in der "berühmtesten Komödie der Welt" alle Kompliziertheiten in Wohlgefallen auf. Beim Happy-End mit einer gar dreifachen Hochzeit dürfen dann die Handwerker auch ihr Theaterstück - die berühmte Sage von Pyramus und Thisbe - vorführen, bei der es das Publikum dann endgültig vor Lachen kaum noch auf den Sitzen hielt.

Nach dem märchenhaften Abschluss voll inniger Berührtheit gab es verdientermaßen Standing Ovation für diese Nacht zum Träumen, prall gefüllt mit Emotionen und Begeisterung, Magie und Zauber, Poesie und Melancholie. Mal laut und mal leise, mal lustig und mal nachdenklich, originalgetreu und frisch, immer wunderschön! Ein wunderschöner Abend, ein wahrhafter Traum.

—————

Informationen zu den weiteren

Aufführungen gibt es unter www.

shakespeare-spiele-ludwigsstadt.de

Autor

Heike Schülein
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
04. 10. 2019
17:12 Uhr

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Autor

Heike Schülein

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Veröffentlicht am:
04. 10. 2019
17:12 Uhr



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