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Kronach

Gescheiterter Gastronom wird zum Betrüger

Weil ihm die Kosten für einen Lokal-Umbau über den Kopf wuchsen, setzte sich ein 54-Jähriger ins Ausland ab. Nach Jahren wird er nun verurteilt.



Kronach - Dass der Ausbau des familieneigenen Ausflugslokals im Landkreis Kronach derart aus dem Ruder laufen würde, hat sich ein 54-jähriger Mann wohl nie vorstellen können: Erst explodierten die Kosten, dann stieg ein Investor aus. Am Ende lag eine Rechnung in Höhe von knapp 12 300 Euro für Möbel auf dem Tisch. Der Mann hatte sie sich liefern lassen, bezahlte aber nicht. Der bereits auf das Jahr 2014 datierte Fall wurde am Donnerstag vor dem Amtsgericht Kronach unter Vorsitz von Christoph Lehmann verhandelt. Das Urteil: eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung wegen Betrugs.

Nach Überzeugung von Staatsanwalt Daniel Killinger bestellte der Angeklagte auf Rechnung eines Investors - und im Wissen über seine eigene finanzielle Schieflage - Ende September 2014 bei einer in Oberbayern ansässigen Schreinerei 48 Holzstühle im Wert von 12 771 Euro.

Der mit 14 Vermögensdelikten einschlägig vorbestrafte Beschuldigte, der sich momentan in einem Insolvenzverfahren befindet, schob die Schuld an seinen finanziellen Kalamitäten in einer ausführlichen Vorgeschichte auf seinen damalige Arbeitgeber: Dieser habe sich als Investor bereiterklärt, die kalkulierten Kosten für den Um- und Ausbau der elterlichen Gaststätte von 100 000 Euro vorzufinanzieren. Im Zuge dessen wurde auch ein Vertrag geschlossen. Zudem wurde dem Beklagten nach eigener Aussage die volle Verfügungsgewalt über das Firmenkonto eingeräumt. Nach einer Kostensteigerung um das 1,6-Fache und seit Mitte 2014 zunehmenden Differenzen mit dem Beschuldigten habe sich der Investor im Oktober desselben Jahres aus dem Projekt zurückgezogen und den Angeklagten unter anderem auf dem offenen Betrag für die bereits ausgelieferte Wirtshausbestuhlung sitzengelassen. Der Beklagte räumte zwar ein, dass er diese im Namen der Firma bestellt habe, jedoch unter der Prämisse, dass der Investor auch die Kosten dafür trage. Jener aber, der Klarheit in dieses Dickicht hätte bringen können, war beim Prozess nicht anwesend.

Nach Anzahlung einer dreistelligen Summe in Raten habe der Beschuldigte nach Zeugenaussage des geprellten Schreiners die Begleichung des offenen Betrages komplett eingestellt und sei nicht mehr erreichbar gewesen. "Ich habe mehrmals versucht, ihn anzurufen. Eine weitere Ratenzahlung wäre für mich völlig okay gewesen, aber man muss halt ehrlich sein Zeug sagen", so der Geschädigte.

Wie sich im Prozessverlauf herausstellte, hatte der 54-Jährige seinen Wohnsitz ab 2015 ins Ausland verlagert und entzog sich dadurch den finanziellen Forderungen sowie dem Zugriff der Strafverfolgungsbehörden. Immerhin: Die Begleichung des offenen Betrages stellte er bis Jahresende in Aussicht. Und auch die Betrugsvorwürfe räumte er nach einer längeren Verhandlungsunterbrechung ein. "Er hat die Bestellung vorgenommen und sich nicht darum gekümmert, dass das bezahlt wird", ließ er über seine Verteidigerin verlauten.

Staatsanwalt Killinger fand in seinem Plädoyer hinsichtlich der Zahlungsmoral des Angeklagten deutliche Worte: "Das ist schon ein schäbiges Verhalten. Sie laufen einfach davon, obwohl Ihnen sogar noch eine Ratenzahlung angeboten wird." Aber wenigstens habe er sich seinen Altlasten gestellt.

Mit seinem Urteil von einem Jahr und zwei Monaten zur Bewährung blieb Richter Christoph Lehmann drei Monate unter der Forderung Killingers. "Es war eine gewisse Tragik in der ganzen Situation. Aber seit Mitte 2014 hätten Sie wissen müssen, dass die von Ihnen erteilten Aufträge vom Geldgeber nicht mehr bezahlt werden", begründete der Vorsitzende. Das Urteil ist rechtskräftig.

Autor

Jürgen Malcher
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Veröffentlicht am:
12. 04. 2019
15:00 Uhr

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Jürgen Malcher

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12. 04. 2019
15:00 Uhr



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