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Kronach

Haftstrafe nach Attacke auf Pizza-Fahrer

Zwei Männer locken ihr Opfer nach Mitwitz, um es auszurauben. Der Plan misslingt. Bestraft werden die Übeltäter dennoch.



Kronach - Ein alles andere als professionell ausgeführter Raubüberfall im April dieses Jahres hat am Dienstag das Schöffengericht des Amtsgerichts Kronach unter Vorsitz von Richterin Claudia Weilmünster beschäftigt: Weil sie den Fahrer eines Pizzalieferdienstes um seine Tageseinnahmen gebracht und den Mann dabei verletzt hatten, mussten sich zwei Männer aus dem Landkreis Kronach im Alter von 22 und 25 Jahren verantworten. Wegen versuchten Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung wurde der 25-jährige Haupttäter zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Sein Komplize kam mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten davon; außerdem muss er eine Geldauflage von 2000 Euro bezahlen. Gegen einen weiteren 17-jährigen Tatbeteiligten wird gesondert ermittelt.

Die Vorwürfe von Staatsanwalt Frank Dietze räumten beide Beschuldigte weitgehend ein. Aufgrund chronischer Geldknappheit und Spielsucht ersann man gemeinsam den Plan, den Fahrer eines Pizza-Services zu überfallen und seine Tageseinnahmen, die beide auf rund 700 Euro schätzten, zu rauben. Ein 17-jähriger Verwandter des jüngeren Beschuldigten sollte den Lockvogel spielen. Dafür hatte man ihm ein Drittel der Beute zugesichert.

In der Folge bestellte der 22-Jährige eine Familienpizza mit der Bitte, sich diese ans Wasserschloss in Mitwitz liefern zu lassen. Als der Auslieferfahrer gegen 21.30 Uhr am vereinbarten Treffpunkt erschien, wurde er vom 17-Jährigen in ein Gespräch verwickelt. Der ältere Angeklagte, der sich zusammen mit dem 22-Jährigen in einem nahe gelegenen Gebüsch versteckt hielt, rannte daraufhin den Pizzafahrer um, wobei dieser mit dem Kopf an die geöffneten Heckklappe des Fahrzeugs schlug und zu Boden stürzte. Die Folgen für ihn: eine satte Beule sowie Abschürfungen an Ellbogen und Knie. Im Zuge des Sturzes fiel auch der mitgeführte Geldbeutel des Auslieferers zu Boden. Doch dem 22-Jährigen gelang es nicht, die Brieftasche zu erreichen, sodass das Trio letzten Endes leer ausging. Ein Umstand, der nach der Tat noch zu heftigen Reibereien zwischen den Beteiligten führen sollte und diese gar veranlasste, an den Tatort zurückzukehren - in der Hoffnung, dass sich der Geldbeutel noch dort befindet.

Deutliche Worte der Reue waren von beiden Beschuldigten zu vernehmen: "Ich schäme mich zutiefst dafür, was ich getan habe", ließ etwa der 22-Jährige verlauten. Das als Zeuge geladene Opfer schilderte die Geschehnisse nahezu analog zur Anklageschrift. Immerhin: Die hinzugezogenen Verletzungen erachtete der Geschädigte selbst als marginal; bleibende Schäden trug er nach eigener Aussage nicht davon. Schon am Tag nach dem Überfall habe er seiner Tätigkeit wieder nachgehen können.

Den Dilettantismus der Tat führte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer noch einmal eindringlich vor Augen. "Sie sind da alle an sich selbst gescheitert", lautete sein Fazit. Hinsichtlich der Strafbemessung forderte er für den neunfach vorbestraften 25-Jährigen drei Jahre Freiheitsstrafe und für seinen mit immerhin drei Missetaten vorbelasteten Kompagnon neun Monate auf Bewährung sowie eine Geldauflage.

Anders argumentierte die Gegenseite. Den Vorwurf des versuchten Raubes sah Verteidiger Josef Geiger nicht erfüllt. "Man hätte den Geldbeutel problemlos nehmen können. Aber sie führten den Plan nicht bis zur Vollendung aus", war er sich sicher. "Sie sind freiwillig vom Versuch zurückgetreten. Sie haben selbst gemerkt, was sie da für einen Scheiß machen." Seine Forderung: eine einjährige Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung für seinen neunfach vorbestraften Mandanten. Ins gleiche Horn blies Verteidiger Albrecht Freiherr von Imhoff.

Der Ansicht der Verteidigung schloss sich das Gericht nicht an: "Das war eine Arbeitsteilung und hat alles auch so funktioniert - fast", wie Richterin Weilmünster in der Urteilsbegründung ausführte.

Autor

Jürgen Malcher
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Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
19:10 Uhr

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Jürgen Malcher

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Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
19:10 Uhr



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