Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Kronach

Hiebe statt Liebe: Mann geht nach Gewaltexzess gegen Verlobte ins Gefängnis

Auch eine Strafe auf Bewährung hielt ihn nicht davon ab, seine Verlobte erneut zu traktieren. Nun bereitete der Richter dem ein Ende. Er steckte den Kronacher ins Gefängnis.



Gewalt an Frau. Symbolbild. Gewalt an Frau. Symbolbild.
Gewalt an Frau. Symbolbild.   Foto: dpa-Archiv

Kronach - "Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht." Dieses Sprichwort hat sich nun auch für einen 48-Jährigen aus dem Landkreis Kronach bewahrheitet: Eine im Mai dieses Jahres vom Amtsgericht Kronach verhängte einjährige Bewährungsstrafe wegen eines Gewaltexzesses gegen seine Verlobte (die NP berichtete) hat er nicht als Warnung dienen lassen. Unter erheblichem Alkoholeinfluss schlug er erneut zu. Nun erhielt er dafür am Donnerstagmorgen von Strafrichter Christoph Lehmann die Quittung: Ein Jahr und drei Monate muss er wegen siebenfacher Körperverletzung in den Bau.

Die Anklageschrift offenbarte ein wahres Kaleidoskop an Straftaten. Insgesamt acht Missetaten kumulierte der Angeschuldigte im Zeitraum Mai bis Juni 2019. Keine zwei Tage nach seiner ersten Verurteilung am 9. Mai 2019 waren vergangen, als er die Geschädigte abermals mit den Fäusten traktierte. Auch Kopfnüsse und Tritte verteilte er an darauffolgenden Tagen, sodass die Frau hierdurch Prellungen und Hämatome erlitt. Das Stromkabel einer Spielekonsole wurde im weiteren Verlauf dieser "Dauer-Beziehungskrise" als Peitsche ebenso zweckentfremdet wie ein Essbesteck-Set, mit dem er dem Opfer den Rücken zerkratzte.

Der Angeklagte selbst legte ein umfassendes Geständnis ab und gab sich reumütig. Verteidiger Albrecht von Imhoff stellte die Beziehung als extrem schwierig und ambivalent dar. So sei der Alltag der Geschädigten, der er ein "äußerst provokantes Verhalten" unterstellte, von Alkoholkonsum und Müßiggang geprägt. Der Richter hatte für diese Argumentation wenig Verständnis. Auf Nachfrage des Vorsitzenden gab der Beklagte an, dass den Gewaltausbrüchen exzessiver Alkoholmissbrauch vorangegangen war. Sein eigenes Alkoholproblem, das schon im Vorgängerprozess eingeräumt wurde, habe sich zwischenzeitlich gar verschlimmert. Bei drei der Straftaten wurden nach Aussage der leitenden Ermittlerin seitens der Polizei bei beiden Beteiligten Werte jenseits der 2,5 Promille festgestellt.

Der Eintrag im Bundeszentralregister beinhaltete elf Straftaten, von denen bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Tilgungsreife erlangt habe. Auch der Bewährungshelfer wusste hinsichtlich der Sozialprognose wenig Positives zu berichten. Über die in der vorangegangenen Verurteilung auferlegten Therapiestunden konnte der Angeschuldigte bis Prozessbeginn keinen Nachweis erbringen. Und auch das Ableisten von auferlegten 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit konnte er erst kurz vor Prozessbeginn nachweisen. Eine vierzehntägige Entgiftung endete damit, dass er drei Tage nach der Entlassung wieder zum Alkohol gegriffen habe.

"Irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem man alle Chancen verspielt hat - auch bei einem gutmütigen Richter. Und Sie hatten viele Chancen", führte Lehmann in der Urteilsbegründung aus. Eine Strafrahmenverschiebung wegen verminderter Schuldfähigkeit schloss er aus. Mit seinem Urteil blieb das Gericht dennoch fünf Monate unter der Forderung von Staatsanwalt Harun Schütz.

Autor

Jürgen Malcher
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
24. 10. 2019
18:54 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Amtsgericht Kronach Angeklagte Anklageschriften Bewährungsstrafen Bundeszentralregister Ermittlerinnen und Ermittler Körperverletzung und Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit Polizei Staatsanwälte Strafarten Strafrichterinnen und Strafrichter Straftaten und Strafsachen
Kronach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema

22.11.2019

Teure Selbstjustiz

Ein 56-Jähriger machte einer Kollegin ein unmoralisches Angebot. Die Rache ihres Freundes: eine Prügelattacke. Nun kam die Sache vor Gericht. » mehr

Rollator in Zimmer in Altenpflegeheim

31.10.2019

Oberfranken

Tochter verprasst Vermögen des 81-jährigen Vaters

Eine Frau aus dem Landkreis Hof plündert das Konto ihres Vaters. Dem droht dadurch der Verlust seines Heimplatzes in Wallenfels. » mehr

Justizia

22.08.2019

Vor Gericht: Angeklagter wittert Verschwörung und präsentiert abenteuerliche Geschichte

Ein 34-Jähriger soll im Streit zugeschlagen haben. Vor Gericht stellt er abenteuerliche Thesen auf. Verurteilt wird er dennoch. » mehr

Justizia. Symbolfoto. Justizia. Symbolfoto.

09.08.2019

Kleptomanin erhält Bewährungsstrafe

Die Angeklagte befindet sich seit 2017 in ärztlicher Behandlung. Das hielt sie jedoch nicht davon ab, erneut zu stehlen. » mehr

05.07.2019

Geliehen ist nicht geklaut

Ein Senior hortet zu Hause 16 Einkaufswagen. Vor Gericht macht er ordentlich Rabatz. » mehr

14.06.2019

Teurer Ausflug zur Mitwitzer Kirchweih

Ein Brandenburger wird in bierseliger Laune handgreiflich. Weil er zuvor provoziert wurde, verhängt das Gericht eine deutlich mildere Strafe. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Küpser Markt-Weihnacht

Küpser Markt-Weihnacht | 09.12.2019 Küps
» 20 Bilder ansehen

Kunstvolle Weihnacht Kronach

Kunstvolle Weihnacht in Kronach | 08.12.2019 Kronach
» 18 Bilder ansehen

Heim-Wettkampf SG Coburg Schützen

Heim-Wettkampf SG Coburg Schützen | 08.12.2019 Coburg
» 15 Bilder ansehen

Autor

Jürgen Malcher

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
24. 10. 2019
18:54 Uhr



^