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Kronach

Hoffen auf den Lebensretter

Die an Leukämie erkrankte Katrin Kurtz wartet auf eine lebensrettende Stammzellen-Spende. Am nächsten Samstag findet in Tettau eine kostenlose Typisierungsaktion statt. Jeder Teilnehmer zählt.



Zwei, die Seite an Seite gegen den Krebs kämpfen und sich nicht unterkriegen lassen: Jennifer und ihre Mutter, Katrin Kurtz. Foto: privat  

Tettau - In Tettau kämpft eine Tochter um das Leben der Mutter. Jennifer Kurtz setzt alles in Bewegung, um Menschen zu motivieren, sich bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) typisieren zu lassen. Dies ist die einzige Chance, die ihre Mutter Katrin (47) auf Heilung und damit auf Leben hat. Nur wenn der geeignete Spender gefunden wird, dessen Gewebemerkmale zu denen von Katrin Kurtz passen, kann eine Übertragung gesunder Stammzellen erfolgen. Die Typisierung selbst ist einfacher als Blutspenden. Es werden nur fünf Milliliter Blut benötigt. Für den Spender ist das alles kostenfrei.

Für Katrin Kurtz ist diese Aktion eine Entscheidung auf Leben und Tod. Sie ist mittlerweile zu geschwächt, um Interviews zu geben. So schwach, dass sie das Haus nur noch selten für einen kurzen Spaziergang verlassen kann. Ihre Familie steht zu ihr: ihr Partner, der zehnjährige Sohn Bruno - und Jennifer. Jennifer ist im Kampf gegen die tödliche Krankheit ihre engste Verbündete. "Meine Mama ist stark. Wir versuchen, zu Hause die Erkrankung soweit es geht auszublenden und genießen jeden Tag, den wir zusammen sind."

Der 27-Jährigen fällt es nicht leicht, die Krankengeschichte ihrer Mutter zu erzählen. Immer wieder gerät sie ins Stocken. Blickt nach unten. Ringt mit sich. Betont, nicht aufgeben zu wollen. "Kämpfen und nicht unterkriegen lassen" ist ihr Mantra.

Im Februar 2014, exakt vor zwei Jahren, hat der Leidensweg der zweifachen Mutter aus dem thüringischen Steinach begonnen. Die Symptome deuten zunächst auf heftige Wechseljahresbeschwerden hin: Katrin Kurtz fühlt sich ausgelaugt, schlapp und hat nachts starke Hitzewallungen. Oder ist sie einfach überarbeitet? Ein Wunder wäre es nicht. Katrin Kurtz hat schon mit 35 Jahren ihren Mann verloren. Er starb, als Jennifer 15 Jahre alt war. Katrin Kurtz ist seinerzeit auf sich gestellt, um die kleine Familie über Wasser zu halten. Jahrelang hat sie in der Produktion bei einem Polstermöbel-Hersteller gearbeitet. Später wechselt sie zur Post. Sie ist eine tatkräftige, zupackende und fröhliche Frau. "Kämpfen und nicht unterkriegen lassen" ist auch ihr Leitmotiv. Aber plötzlich überwältigt sie diese bleierne Müdigkeit. Das passt so gar nicht zu ihr. Das frühe Aufstehen, das Schleppen der Pakete. Es fällt ihr zunehmend schwer, den Alltag zu schaffen.

Sie konsultiert den Hausarzt. Bei einem einfachen Bluttest stellt er fest, dass etwas nicht stimmt. Noch am gleichen Tag schickt er sie weiter ins Krankenhaus nach Neuhaus. Die Ärzte bestätigen: An sich ist die damals 45-Jährige körperlich "gesund" - nur die Blutwerte sind aus dem Ruder gelaufen. Sie wird in die Uniklinik nach Jena überwiesen. Dort gibt es Spezialisten. Bei Vollnarkose wird ihr Knochenmark aus der Hüfte entnommen. Bis das Ergebnis der Zell-untersuchung vorliegt, dauert es ein paar Wochen. Bis dahin bleibt Katrin Kurtz noch einige Zeit in der Klinik - auf der Krebsstation. Ihre Tochter erinnert sich: "Das war für meine Mutter eine ganz schwere Zeit. Das Warten, die Ungewissheit - und dann täglich das Bild der anderen Krebspatienten vor Augen. So viel Leid, so viel Schmerz, so viel Elend - und Tod. Meine Mutter bekam da erstmals Angst."

Der behandelnde Arzt in Jena überbringt die Botschaft professionell, mit viel Feingefühl. Er spricht sehr lange mit Katrin und Jennifer, die ihrer Mutter in dieser Zeit nicht von der Seite weicht. "Die Diagnose Leukämie traf uns wie ein Schlag ins Gesicht. Ich kann das nicht beschreiben. Es war wie der Fall ins Uferlose . . ." Bei Leukämie wird die normale Blutbildung durch die unkontrollierte Vermehrung von entarteten weißen Blutzellen gestört. Die Krebszellen verhindern, dass das Blut seine lebensnotwendigen Aufgaben ausführen kann, zum Beispiel Infektionen bekämpfen, Sauerstoff transportieren oder Blutungen stoppen. Katrin Kurtz unterzieht sich einer Chemotherapie. Alle drei Wochen geht sie zur Blutkontrolle; alle Vierteljahre wird Knochenmark aus der Beckenschale entnommen und untersucht. Die Therapie scheint anzuschlagen. Die kleine Familie atmet auf. Ein Dreivierteljahr lang lebt sie mit dem Gedanken, den Krebs besiegt zu haben. Ein Trugschluss. Im Januar 2016 erhält Katrin Kurtz die Nachricht, dass die Leukämie zurückgekehrt ist.

Ihre einzige Chance liegt nun in einer Stammzellen-Therapie. Doch dazu benötigt sie einen geeigneten Spender, einen genetischen Zwilling, dessen Gewebemerkmale exakt zu ihren passen.

Diesen einen Spender zu finden und zu vermitteln ist die lebensrettende Aufgabe der gemeinnützigen Non-Profit-Organisation DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei.

Jennifer Kurtz arbeitet als Altenpflegerin beim Stephanus Dienst in Tettau. Sie erzählt dort ihrer Chefin, Manuela Kraus, von ihren Sorgen. Die beherzte Organisationsleiterin des gemeinnützigen, ambulanten Pflegedienstes setzt kurzerhand alle Hebel in Bewegung: Sie ruft bei der DKMS an und organisiert eine Typisierungsaktion. Mehr noch: Manuela Kraus aktiviert mehr als 80 ehrenamtliche Helfer aus Tettau, Steinach und Umgebung, sammelt Spenden bei der regionalen Wirtschaft, organisiert Pressegespräche. "Wir erleben hier eine beispielhafte Welle der Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit", sagt sie. Kämpfen und nicht unterkriegen lassen.

Nur ein Drittel der Patienten findet innerhalb der Familie einen geeigneten Spender. Auch die Tests, die bei den Geschwistern von Katrin Kurtz durchgeführt wurden, waren erfolglos. Die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender außerhalb der eigenen Familie zu finden, liegt bei 1 : 20 000 bis 1 : mehreren Millionen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand aus der Region über passende Gewebemerkmale verfügt, ist jedoch um einiges höher, als bei Menschen von weit außerhalb. Auch aus diesem Grund ist es so wichtig, dass sich möglichst viele Menschen aus unserer Gegend typisieren lassen", betont Manuela Kraus.

Jennifer Kurtz, die tapfer um das Leben ihrer Mutter kämpft, appelliert: "Ich bitte inständig: Bitte kommt zur Typisierung. Jeder Teilnehmer zählt und kann Leben retten. Nicht nur das meiner Mutter. Vielleicht passt die Blutprobe auch zu einem anderen Menschen, der dringend auf einen Stammzellen-Spender wartet."

Auf der Krebsstation - das war für meine Mutter eine ganz schwere Zeit. Sie bekam da erstmals Todesangst.

Jennifer Kurtz

 
Typisierungsaktion

Am Samstag, 27. Februar, von 10 bis 16 Uhr findet die Typisierungsaktion in der Station des Stephanus-Dienst e.V., Christian-Müller-Straße 44, in Tettau statt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Spenden sind willkommen.

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Mehr Infos unter www.dkms.de

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Von Sabine Raithel
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Veröffentlicht am:
19. 02. 2016
00:00 Uhr

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Von Sabine Raithel

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19. 02. 2016
00:00 Uhr



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