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Kronach

Hund reißt Reh: Jäger setzen Kopfgeld aus

In Stockheim reißt ein Hund ein Reh. Öfter beobachtet ein Jäger dort solche Vorfälle. Um diese zu verhindern, schlägt er eine Lösung vor, die der Bürgermeister ablehnt.



Weiße Fellreste eines gerissenen Rehs verteilen sich auf einer Wiese oberhalb des Stockheimer Friedhofs. Schuld sei ein Hund, sagt Jagdpächter Ludwig Gerber. Zwei Mal im Jahr komme es zu solchen Vorfällen. Foto: Ludwig Gerber   » zu den Bildern

Stockheim - Selbst für Jäger Ludwig Gerber, der schon viele tote Tiere gesehen hat, ist es kein schöner Anblick. Weiße und braune Fellbüschel liegen an drei Stellen verstreut auf einer Wiese oberhalb des Stockheimer Friedhofs. Als sich Gerber, der ein Stück Wald in der Nähe zur Jagd pachtet, den Fellresten nähert, sieht er ein verendetes Reh. Ein anderes Tier hat es bis auf die Rippen ausgenommen. "Das war ein langwieriger Todeskampf", erklärt der Wildtierexperte auf Nachfrage der Neuen Presse . Den Täter hat Gerber schnell ausgemacht: Laut dem Jäger hat ein Hund das Reh zu Tode gebissen.

Hunde ins Saugatter

In der Natur sollten Hunde angeleint sein, rät Jäger Ludwig Gerber von der Jagdgenossenschaft Wolfersdorf-Stockheim. Um mit auf die Jagd gehen zu dürfen müssten die Vierbeiner eine sogenannte Schärfeprüfung ablegen. Dabei erlernen sie das Verhalten von Wildschweinen und wissen sich so im Ernstfall zu schützen. Dafür werden die Hunde laut dem Jäger in ein zwei Hektar großes sogenanntes Saugatter zusammen mit einem Wildschwein gelassen. Dieses befinde sich im Wald. Dann hätten die Hunde drei Minuten Zeit, um das Wildtier aufzuspüren und fünf weitere Minuten, um den Angriffen des Wildschweins auszuweichen. Dieser Ablauf werde anschließend wiederholt. "Danach weiß ein Hund, wie er den Attacken eines Wildschweins ausweichen kann."

 

Den Überresten nach zu urteilen, habe der Hund das Reh erst beim dritten Anlauf gepackt und letztlich getötet. Das schließe einen Wolf oder andere Wildbeuter als Angreifer aus. Um den Hund zu fassen, hat die Jagdgenossenschaft Wolfersdorf-Stockheim nun eine Belohnung von 100 Euro für Hinweise auf den Täter ausgesetzt. "Damit möchten wir ein Zeichen an die Hundebesitzer senden, ihre Tiere im Wald anzuleinen." Was Gerber aber noch mehr ärgert ist, dass er erst spät darüber informiert wurde. "Niemand hat sich getraut anzurufen." Eine Spaziergängerin habe das Reh zufällig entdeckt und den Fund gemeldet. Das Reh habe da schon einige Tage in der Wiese gelegen. Bissspuren von Krähen und Füchsen zeugten davon. Dass ein Hund das Reh erlegt hat, ist laut Gerber eindeutig. Dass dieser das Tier zuerst von hinten angefressen und sich dann über die Weichteile des Rehs hergemacht habe, sei ein Beweis für einen wildernden Hund.

 

Den Stockheimer Bürgermeister Rainer Detsch habe Gerber schon auf die Vorteile einer Leinenpflicht im Gemeindegebiet hingewiesen. Detsch habe seine Idee aber nicht unterstützt. Eine solche Vorschrift gibt es bis heute nicht. "Deswegen ist mir jetzt nichts anderes übrig geblieben, als die Presse zu informieren", sagt der Jäger. Jedes Jahr würden wildernde Hunde bis zu zwei Mal im Gemeindegebiet Stockheim Rehe töten. Erst kürzlich habe er einen anderen Vierbeiner davon abgehalten ein Schaf zu verletzen. Er rät Hundebesitzern, ihre Tiere in der freien Wildbahn nur von der Leine zu lassen, wenn diese gegen Tollwut geimpft seien ( siehe Infokasten ). Gerber halte seinen Hund immer an der Leine, auch während einer Jagd. "Hunde bleiben Tiere und sind unberechenbar." Letztlich dürften Jäger die Vierbeiner auch erschießen, wenn sie nicht von den Wildtieren abließen.

Während ein Reh leichte Beute für einen Hund ist, sei ein Aufeinandertreffen mit einem Wildschwein viel gefährlicher für das Haustier. Denn eine Bache mit Frischlingen verteidige ihren Nachwuchs bis auf den Tod. "Zurzeit haben wir fünf Bachen mit Jungtieren in den Wäldern um Stockheim." Ein untrainierter Hund lande im Kampf mit einem Wildschwein schnell am nächsten Baum.

Gerber sei es leid, dass Jäger die Wildschäden von Hunden beseitigen müssen. Wenn solche Fälle in der Stockheimer Gegend künftig öfter vorkämen, würde er den Mitarbeitern der Gemeinde diese Aufgabe überlassen. Den Kadaver auf der Wiese oberhalb des Stockheimer Friedhofs habe er inzwischen auf der anderen Seite des Waldes verscharrt, tief genug, dass ein Hund ihn nicht ausgrabe. "Höchstens ein Fuchs kommt da jetzt noch ran."

Rainer Detsch (Freie Wähler), Stockheimer Bürgermeister, sagt, ihm sei kein Vorfall eines von einem Hund gerissenen Rehs bekannt. Eine Vorschrift zum Anleinen der Vierbeiner könne solche Vorfälle nicht verhindern, meint er: "Eine Leinenpflicht haben wir bisher nicht als notwendig erachtet." Wenn jemand seinen Hund nicht kontrollieren könne und nicht wisse, was dieser als nächstes mache, dann helfe eine Leine auch nicht. Ohnehin sei es die Pflicht eines Hundehalters, sein Tier davon abzuhalten, dass dieses seine Jagdtriebe auslebe. Weil einige Besitzer von Vierbeinern diesen Grundsatz missachteten, dürfe man nicht allen Hundehaltern Vorschriften machen. Vielmehr rät er, den verantwortlichen Besitzer ausfindig zu machen. Dann könne man diesen zur Rede stellen.

Autor

Yannick Seiler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
08. 05. 2019
18:40 Uhr

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Yannick Seiler

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Veröffentlicht am:
08. 05. 2019
18:40 Uhr



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