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Kronach

Im Kampf für die Rechte der Arbeitnehmer

ver.di zeichnete etliche Mitglieder aus, die der Gewerkschaft seit Jahrzehnten die Treue halten. Auch das Thema Rente wird dabei angesprochen.



Ehrungen beim ver.di-Ortsverband Kronach (von links): Bezirksgeschäftsführerin Doris Stadelmeyer, Erich Neubauer, Ortsvorsitzender Wolfgang Schmitt, Carmen Krebs, Christina Sammet, Engelbert Stadelmann, Michael Rüger, Claus-Dieter Wicklein und DGB-Regionsgeschäftsführer Mathias Eckardt. Foto: Heike Schülein  

Steinberg - Der Kronacher Ortsverband der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat kürzlich im Gasthaus "Zum Frack" in Steinberg langjährige Mitglieder geehrt. Bezirksgeschäftsführerin Doris Stadelmeyer warf einen Blick zurück auf die Jahre, in denen die Jubilare der Gewerkschaft beigetreten waren. Gleichzeitig richtete sie ihr Augenmerk nach vorne. "Überall bestimmen die Populisten das Bild, denen es nur um Macht, Selbstdarstellung, ihren Reichtum und den ihrer Kumpanen geht", prangerte sie an. Dabei habe man schon ganz andere Herausforderungen gemeistert. Beispielsweise habe es nach dem Krieg in der britischen Zone geschätzt über 3,7 Millionen Flüchtlinge gegeben, in der amerikanische über zwei Millionen - und das in einem zerstörten Land, in dem die tägliche Essenszuteilung auf 900 Kalorien pro Tag beschränkt war. "Da relativiert sich manches, über das wir heute vielleicht klagen", verdeutlichte sie und appellierte an alle Gewerkschafter, hetzerischen Parolen entschieden entgegenzutreten. Beim ver.di-Bundeskongress in Leipzig habe man die Weichen für die nächsten vier Jahre gestellt. In erster Linie gehe es um die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in Deutschland - Kernaufgabe von ver.di. Unter anderem sei gefordert worden, den Mindestlohn zügig auf mindestens zwölf Euro anzuheben, mit sachgrundlosen Befristungen Schluss zu machen und die Leiharbeit langfristig abzuschaffen, sagte Stadelmeyer. Außerdem müsse man sich dagegen wehren, dass die Digitalisierung auf den Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen werde, während sich global agierende Unternehmen den Gewinn der Digitalisierung allein in die Tasche steckten.

Ehrungen

25 Jahre: Margitta Atlas, Edgar Bär, Andrea Bernschneider, Carmen Krebs, Klaus Kübrich, Karl Heinz Schindhelm, Mario Wunder, Elisabeth Zapf, Mario Ziener;

40 Jahre: Elisabeth Fischer, Kerstin Reitz, Michael Rüger, Christina Sammet;

50 Jahre: Konrad Schörner, Engelbert Stadelmann, Claus-Dieter Wicklein, Arnold Zipfel;

70 Jahre: Erich Neubauer.


Wichtige Beschlüsse habe man hinsichtlich der Sozialpolitik gefasst, sagte die Bezirksgeschäftsführerin. Ver.di fordere einen Anstieg der Rente auf ein Niveau von 53 Prozent, eine abschlagsfreie Rente mit 63 sowie die Einführung der Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung. "Rente muss für einen Ruhestand in Würde reichen", betonte sie. Makaber mute da an, dass die AfD die gesetzliche Rente ganz abschaffen und alles dem freien Markt überlassen wolle.

Darüber hinaus fordere ver.di unter anderem die Einführung einer Vermögenssteuer sowie ein Abrücken von der Schuldenbremse, um den Investitionsstau in allen Bereichen der Daseinsvorsorge anzugehen. Die Gewerkschaft stelle sich auf die Seite der Schüler und Studenten, die freitags für Maßnahmen gegen den Klimawandel demonstrieren.

Für 70 Jahre Mitgliedschaft wurde Erich Neubauer ausgezeichnet. Der Buchbacher trat gleich zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn bei der Firma Heinz-Glas im Alter von 14 Jahren der Gewerkschaft bei, was damals durchaus üblich gewesen sei. Später, während der Amtszeit von Landrat Heinz Köhler, war Neubauer 17 Jahre lang Personalratsvorsitzender im Landratsamt Kronach.

Ihm sowie allen weiteren Jubilaren galt der Dank des Kronacher DGB-Ortsvorsitzenden Wolfgang Schmitt, der mit Stadelmeyer sowie DGB-Regionsgeschäftsführer Mathias Eckardt die Ehrungen vornahm. Schmitt ging auf die Erfolge des DGB ein, der im Oktober 70 Jahre wurde. "Der DGB hat für Millionen Menschen ganz konkret Gutes bewirkt", würdigte er die durch Mitbestimmung und Sozialpolitik erkämpften Rechte, die es heute zu verteidigen gelte. Während beispielsweise Ende der 1980er-Jahre in der alten BRD gut drei Viertel aller Beschäftigten von Tarifverträgen geschützt worden seien, gelte dies heute nur noch für gut die Hälfte derjenigen in Westdeutschland, im Osten seien noch weniger. "Die Gewerkschaften werden weiterhin gebraucht, damit aus wirtschaftlicher Stärke auch Zusammenhalt und aus technischem Fortschritt auch sozialer Fortschritt wird", betonte Schmitt, dessen Ortsverein etwa 1000 Mitglieder zählt.

"Wir leben in Oberfranken relativ gut", stellte Eckardt heraus. Leider habe man jedoch mit Loewe ein Unternehmen verloren, das deutschland- und europaweit untrennbar mit dem Namen Kronach verbunden gewesen sei. Er hoffe auf ein Weiterbestehen in vielleicht anderer Form: "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Wichtig sei es, sich insbesondere des Themas Rente anzunehmen. Ansonsten laufe man Gefahr, dass die Menschen Populisten aufsäßen.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von Stefan Hofmann.

Autor

Heike Schülein
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Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
14:54 Uhr

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Autor

Heike Schülein

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Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
14:54 Uhr



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