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Kronach

Karriere klappt auch mit Realschul-Abschluss

Ohne Abitur läuft nichts? Von wegen. Das zeigen zwei Ehemalige der Kronacher RS II, die von ihrem beeindruckenden Werdegang erzählen.



Auch ein Abschluss an der Realschule eröffnet beruflich viele Möglichkeiten - darüber sind sich (von links) Beratungslehrer Ralf Müller, Matthias Maier, Janine Hofmann, Berufsberaterin Tina Langold und Direktor Uwe Schönfeld einig. Foto: Heike Schülein  

Kronach - Janine Hofmann und Matthias Maier, die einst die Siegmund-Loewe-Realschule in Kronach besucht hatten, haben kürzlich ihrer ehemaligen Wirkungsstätte einen Besuch abgestattet. Janine Hofmann ist Fachwirtin für Gesundheitswesen im Reha-Zentrum Bad Steben; Matthias Maier Abteilungsleiter Werkzeugbau bei der Firma Scholz in Gundelsdorf. Beide haben ihren Weg in ganz unterschiedlichen Bereichen gemacht, beide sehr erfolgreich und beide halten ihrer Heimat die Treue.

Hier geht was

Der Arbeitskreis "SchuleWirtschaft" hat vor einigen Jahren die Veranstaltungsreihe "Landkreis Kronach: Hier geht was!" angestoßen. In Kooperation mit Schulen aus dem Landkreis wurden Veranstaltungen organisiert, bei denen Referenten über ihren Werdegang berichten.


"Ich wollte in der Region bleiben, weil ich ein heimatverbundener Mensch bin", sagte Matthias Maier. Nach der Grund- und Hauptschule in seiner Heimatstadt Wallenfels besuchte er ab der siebten Klasse die damals noch vierstufige RS II. "Wir waren ein zusammengewürfelter Haufen aus Wallenfels und überall her", blickte der nunmehr 34-jährige zweifache Familienvater zurück. In der RS II entschied er sich für den technisch-mathematischen Zweig, wobei er in Physik und Chemie oft an seine Grenzen gestoßen sei. Er erhielt einen Ausbildungsplatz als Werkzeugmechaniker bei der Firma Siemens in Redwitz, obwohl damals auf eine Ausbildungsstelle 25 Bewerber kamen. Die Zusage war gekoppelt an das Bestehen der Mittleren Reife. "Das hat bei mir im letzten Schuljahr einen Schalter umgelegt", erinnerte er sich. Nach seinem Abschluss absolvierte er die Lehre, die ihm viel Spaß gemacht habe. Hochmotiviert schloss er sich sogar in der Freizeit einer privaten Lerngruppe als Vorbereitung auf die Abschlussprüfung an. "Zwei von uns gehörten dann auch zu den Besten im Landkreis", erklärte Maier, der danach als Facharbeiter in der Firma weiterarbeitete. Nach deren Übernahme durch "Heuschrecken" aus Amerika wollte er jedoch einen Wechsel und wurde von der Firma Scholz als Facharbeiter eingestellt. "Das war erst einmal ein Schritt zurück, da ich bei Siemens Schichtführer war", betonte er. Nach einiger Zeit machte er seinen Meister und studierte drei Jahre lang - neben seiner 40-Stunden-Woche - bei der IHK Bayreuth. Damals habe er seine Kenntnisse in Physik gut einbringen können, sodass er im Nachhinein seinem strengen Physiklehrer dankbar sei. 2015 erhielt er seinen Meisterbrief, vergleichbar mit einem Bachelor-Abschluss. Als Industriemeister ist er seit drei Jahren Abteilungsleiter Werkzeugbau und hat 20 Facharbeiter im Alter zwischen 20 und 58 Jahren sowie drei Azubis unter sich. Trotzdem habe er zuvor 16 Jahre lang Geld im Beruf verdient und in der Region bleiben können.

Die vielen Zuhörer in der Schulaula hatte Direktor Uwe Schönfeld begrüßt. Mit der Veranstaltung wolle man "die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten in der Region aufzeigen", sagte er. Niemand müsse den Landkreis für einen guten Arbeitsplatz verlassen, meinte auch Beratungslehrer Ralf Müller, auf dessen Initiative hin die Veranstaltung stattfand. Bei den Ehemaligen-Treffen staune er jedes Mal über manche Karrieren, sagte Müller. "Die Beispiele sollen zeigen, dass der Realschul-Abschluss etwas Wertvolles ist und viele Möglichkeiten eröffnet", betonte er. Dafür brauche man nicht unbedingt ein Studium.

Noch gut erinnere er sich an den Abschlussjahrgang 2008, der erste der sechsstufigen Realschule, mit "fantastisch guten Ergebnissen". Er habe sich sehr dafür eingesetzt, dass einige von ihnen die Einführungsklasse besuchten. Sechs der Absolventen hätten dann tatsächlich in Bamberg - die Einführungsklasse am KZG gab es damals noch nicht - ihr Abitur nachgeholt. Diesen Mut bewundere er noch heute.

"Ich nahm damals Französisch, weil ich kein Mathe mochte", gestand Janine Hofmann, die diesem "fantastischen" Jahrgang angehörte. Nach ihrer Mittleren Reife absolvierte sie eine Ausbildung als Medizinische Fachangestellte und arbeite weiter in diesem Beruf, der für sie dann jedoch "langweilig" geworden sei. Daher machte sie ihren Fachwirt Gesundheitswesen und studierte hierfür zwei Jahre neben ihrem Beruf. Später folgte ein Studium für Qualitätsmanagement in dieser Fachrichtung. Als Fachwirtin ist sie jetzt am Reha Zentrum Bad Steben für die Organisation tätig und auch Chefsekretärin der Klinik. "Nebenher" absolviert sie derzeit eine Ausbildung zur Heilpraktikerin. "Die Realschule war für mich die goldene Mitte", verdeutlichte sie. Im Gedächtnis geblieben seien ihr die Worte ihres Geschichtslehrers, dass man auch mit Realschul-Abschluss ein erfolgreiches, glückliches Leben führen könne. "Viele Besucher kommen wegen unserer schönen Natur zu uns. Wir wissen das manchmal nicht so zu schätzen", appellierte sie an die Schüler, der Heimat treu zu bleiben.

Eingangs hatte sich die Berufsberaterin Tina Langold von der Agentur für Arbeit vorgestellt. Sie kommt alle 14 Tage an die Schule und steht dabei den Schülern bei der Berufsfindung ebenso zur Seite wie bei der Ausbildungssuche. Hierfür geht sie in die Klassen in den berufsberatenden Unterricht. Die Schüler können aber auch zu ihr in die Beratung kommen. Das Angebot richtet sich an der RS II an die Jahrgangsstufen acht bis zehn. Ihre Kontaktdaten und weitere Informationen finden sich auf der Website der Schule.

Autor

Heike Schülein
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Veröffentlicht am:
08. 10. 2019
17:06 Uhr

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Heike Schülein

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Veröffentlicht am:
08. 10. 2019
17:06 Uhr



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