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Kronach

Kein Freund von halben Sachen

Für Philipp Löwenstein ist sein neuer Posten mehr als ein Job. Er will die Kronacher verstehen und ist deshalb selbst einer geworden. Was treibt ihn an?



Philipp Löwenstein ist der neue Geschäftsführer der Frankenwaldklinik. Er ist von der Qualität seines Hause überzeugt. Foto: Bianca Hennings  

Kronach - "Ich bin hoffentlich mehrere Jahrzehnte hier." Mit diesem Satz springt Philipp Löwenstein direkt mittenrein ins Interview anlässlich seines gut 100-tägigen Wirkens in der Helios-Frankenwaldklinik. Der neue Geschäftsführer ist seit Anfang Januar in Kronach, auf einem Posten, den jeder vor ihm meist nach zwei Jahren schon wieder geräumt hat. Für den "Neuen" ist das keine Option. Und - das unterscheidet ihn auch von seinen 17 Vorgängern - er ist zusammen mit seiner Familie in die Lucas-Cranach-Stadt gezogen. "Ich will keinen Abstand halten. Ich will hören, was die Kronacher sagen."

Besondere Anteilnahme

"Es ist schon etwas Besonderes, wie hier Politik und Bevölkerung Anteil an der Klinik nehmen", meint Philipp Löwenstein. Er sehe das als Chance, denn das spreche dafür, dass die Menschen Interesse an der Klinik haben und sie nach vorne bringen wollen. Mit dem Beirat, dem Kreisräte angehören, habe er einen guten Start gehabt.

 

Zur Person

Philipp Löwenstein ist 39 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftlehre hat der gebürtige Rheinländer zehn Jahre außerhalb des Gesundheitssektors gearbeitet - sechs Jahre lang in Hamburg im Energiebereich, vier Jahre lang führte er sein eigenes Unternehmen. Er hat in Berlin hochwertige Tees konzipiert und an die dortige Gastronomie verkauft. Ehrenamtlich hat er Projekte gemanagt, bei denen es darum ging, kranken und behinderten Menschen gesundheitsfördernde Zeit zu schenken. Dabei ging es auch darum, das Ganze wirtschaftlich zu organisieren. "Krankenhaus-Management ist genauso", meint Löwenstein.

 

 

Klinik-Sanierung

Im Sommer wird es laut Löwenstein ein Baustruktur-Gespräch geben. "Die Klinik ist top in Schuss. Aus Expertensicht stimmt die Substanz." Das sei das Ergebnis der kontinuierlichen Investitionen in das Haus in den vergangenen Jahren. Dennoch gebe es Bereiche, die man sanieren wolle. Die Weichen dafür würden im Sommer gestellt.

 

 

Was hat er dabei entdeckt? "Die Klinik ist besser als ihr Ruf. Das sagen ganz viele." Und das wiederum freut ihn. Denn er hat vor seiner Bewerbung um den Geschäftsführer-Posten im Internet recherchiert und gesehen, dass "hier ein bisschen was los ist". Es war die Zeit des Brandbriefs einer ganzen Station, deren Mitarbeiter sich überlastet fühlten. So überlastet, dass sie im Oktober einen Hilferuf ans Gewerbeaufsichtsamt geschickt haben (die NP berichtete). "Doch beim Vorstellungsgespräch und den ersten Gesprächen mit den Mitarbeitern habe ich gemerkt, dass es hier fantastische, engagierte Mitarbeiter gibt, die sich stark mit der Klinik identifizieren."

 

Fantastisch - dieses Wort nutzt Löwenstein oft. Immer im Zusammenhang mit seinem Personal. "Wir bieten hier eine Top-Qualität", sagt er, jedes Wort mit einem Kopfnicken unterstreichend. Er macht das an einem Beispiel fest: Im vergangenen Jahr hätten die Frankenwaldklinik 44 Menschen lebend verlassen, die andernorts gestorben wären. Das zeige ein Vergleich mit Daten des Statistischen Bundesamtes, das die Sterblichkeit bei verschiedenen Diagnosen aller deutschen Krankenhäuser jährlich veröffentlicht. Und diese Zahl sei etwas, auf das man in Kronach stolz sein könne. Der Fokus seiner Arbeit liege deshalb auch auf der Qualität. Das Haus sei gut und breit aufgestellt. Das gelte es zu verfestigen und gleichzeitig das Vertrauen der Bevölkerung und der niedergelassenen Ärzte zu gewinnen. Der Niedergelassenen deshalb, weil sie es sind, die die Patienten einweisen.

Aktuell müsse man kritische Gynäkologen davon überzeugen, dass die Frankenwaldklinik gerade für Geburten nach wie vor die erste Wahl ist. Denn die Geburtshilfe-Station war eine der ersten Herausforderungen, denen sich Philipp Löwenstein in Kronach stellen musste. Zum einen war es in der Vergangenheit immer wieder schwierig, Hebammen zu finden. Dann kündigte die langjährige Chefärztin Dr. Annett Reinisch. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltete sich schwierig. Ärzte sind genauso wie Hebammen und Pflegekräfte Mangelware. Seit 1. April ist nun Dr. Gabriel Stoinescu Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe, Dr. Annett Reinisch bleibt der Klinik in Teilzeit erhalten, ebenso wie ihr Kollege Dr. Peter Heinkele. "Die Geburtshilfe ist das Aushängeschild unserer Klinik", weiß Geschäftsführer Philipp Löwenstein um die Wichtigkeit der Station.

Doch zum Leben gehört auch der Tod. "Das ist etwas, was mich antreibt: Der Anfang und das Ende des Lebens", sagt Philipp Löwenstein und dreht dabei am Ehering an seiner linken Hand. Er ist ausgebildeter Sterbehelfer, hat Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet. Eine Palliativstation in der Kronacher Klinik, "das ist eine Sache, die wir angehen". Allerdings sei die Zeit dafür heuer noch nicht reif. "Erst müssen wir die Fachabteilungen, die wir haben, noch mehr stärken, bevor wir zu neuen Ufern aufbrechen", wiederholt er sich und nutzt damit erneut den Hinweis auf die Qualität der Klinik. Die wenigsten wüssten beispielsweise, dass man mit dem Chefarzt der Gastroenterologie, Professor Dr. Klaus Monkemöller, eine wahre Koryphäe in Kronach habe. "Er hält in der ganzen Welt Vorträge. Da sind wir echt stark aufgestellt", schwärmt Philipp Löwenstein.

So stark allerdings dann doch wieder nicht. Denn die Gastroenterologie gehört zu den Bereichen der Klinik, in denen nicht 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche Notfälle behandelt werden können. Immer dann, wenn kein Facharzt Dienst hat, muss sich die Station bei der Integrierten Rettungsleitstelle abmelden. Das bedeutet, dass Patienten in umliegende Krankenhäuser gebracht werden. "Aber wir basteln daran, dass wir auch hier rund um die Uhr wieder Notfälle aufnehmen können", verspricht Philipp Löwenstein. Bei der Kardiologie sei das bereits geglückt.

Apropos Glück: Das braucht der neue Geschäftsführer in großen Portionen. Denn einfach wird es nicht sein, Pflegepersonal zu bekommen. Doch genau das fehlt. 20 Stellen könnten derzeit besetzt werden. Darauf hat Löwenstein sich jüngst mit dem Betriebsrat geeinigt. Er selbst würde am liebsten sogar 30 Vollzeitkräfte mehr einstellen. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Fantastischerweise gebe es ja die Berufsfachschule für Krankenpflege in Kronach. Mit mehr als zehn der Absolventen, die im Herbst fertig werden, sei man sich schon einig. "Der Personalaufbau ist eine Herausforderung, aber möglich", sagt Philipp Löwenstein zuversichtlich nickend.

Autor

Bianca Hennings
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Veröffentlicht am:
12. 04. 2019
21:30 Uhr

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Bianca Hennings

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12. 04. 2019
21:30 Uhr



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