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Kronach

Klimaschutz muss Schule machen

Was kann jeder Einzelne tun, damit die Welt noch eine Chance hat? Autor Frank Herrmann stieß mit seinem Vortrag auch bei den Neuntklässlern des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums auf offene Ohren.



In einem spannenden Vortrag erläuterte Frank Herrmann den neunten Klassen des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums, wie wir unseren Konsum - nach dem Prinzip "Vermeiden - Reduzieren - Kompensieren" fairer, ökologischer und klimaverträglicher gestalten können. Foto: Heike Schülein  

Kronach - Die Temperaturen sind nachweislich weltweit gestiegen, die Folgen bereits in großen Teilen der Erde zu spüren. Hauptverursacher des Klimawandels sind - so der Nachhaltigkeitsexperte Frank Herrmann - die Menschen in den Industriestaaten . Unter den Klimaveränderungen litten aber vornehmlich ärmere Menschen in Ländern des Südens und damit die Bevölkerungsgruppen, die am wenigsten dafür verantwortlich seien.

"Aber ihr seid die Generation, die das Rad noch drehen und das Steuer noch herumreißen könnt", appellierte er dann an seine jungen Zuhörer, die rund 60 Neuntklässler des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums, die sich auch mit durchdachten Nachfragen gezielt einbrachten.

"Wir machen etwas, wofür andere bezahlen", verdeutlichte Frank Herrmann, der viele Jahre in Lateinamerika gelebt, Entwicklungsprojekte geleitet und Hilfsorganisationen beraten hat. In seinem aufrüttelnden Vortrag "Klimawandel trifft Kleinbauern" gewährte der Betriebswirt anhand konkreter Beispiele in Südamerika im Kreiskulturraum Live-Einblicke in die Situation von Kleinbauern.

Er beleuchtete die für sie konkreten Auswirkungen des Klimawandels und was die Akteure des Fairen Handels unternehmen, um die Probleme vor Ort in den Griff zu bekommen. Zudem zeigte er auf, wie jeder Einzelne von uns mit seinem Konsum- und Alltags-Verhalten zum Klimaschutz beitragen kann.

"70 Prozent allen Essens wird von Kleinbauern produziert", erläuterte der Journalist, dass die weltweit rund 1,5 Milliarden Kleinbauern den überwiegenden Teil der weltweiten Nahrung erzeugen. Überschwemmungen, Hitze, Stürme - ob in den Slums der Großstädte, in Küsten- oder Bergregionen: Für die Menschen in armen Länder seien die Klimaveränderungen oftmals existenzbedrohend.

Wetterextreme und der weltweite Temperaturanstieg setzten der Landwirtschaft zu und bedrohten die Ernährungssicherheit. Langanhaltende Dürren und Hitzewellen sorgten dafür, dass die Bauern zum Teil massive Ernteverluste und Einkommenseinbußen erlitten. "Größtenteils verantwortlich für den globalen Klimawandel sind große Industrienationen, die viele Emissionen produzieren", verdeutlichte er. Mit Hilfe ihrer Fair-Trade-Partner ergriffen die Kleinbauern zwar verschiedene Gegenmaßnahmen, indem sie beispielsweise Anbauprodukte diversifizierten, Bewässerungssysteme installierten, brachliegende Felder aufforsteten sowie krankheitsresistentere Pflanzen anpflanzten. Dies reiche jedoch nicht aus. Um dem - nicht zu leugnenden - menschengemachten Klimawandel Einhalt zu gebieten, seien alle gefragt: Die Politik, die Wirtschaft, jeder Einzelne müsse seiner Verantwortung gerecht werden und sich gemeinsam für die effiziente Nutzung von Energieressourcen sowie für einen nachhaltigen Klimaschutz einsetzen.

Im Transportbereich sei die Schifffahrt - 80 Prozent des Warentransportes erfolgt über die Weltmeere - der mit Abstand größte Verschmutzer. Die Weltflotte blase jedes Jahr unfassbare Mengen Schadstoffe in die Luft, wogegen die vom Straßen- und Luftverkehr produzierten Emissionen vergleichsweise harmlos erschienen. Schweröl stelle die schädlichste, aber nach wie vor billigste Antriebsalternative dar. "Wenn die Schiffe 30 Prozent langsamer fahren würden, könnten nachweislich 60 Prozent der Emissionen eingespart werden", erläuterte er eine sehr wirkungsvolle Gegenmaßnahme. Aber auch wir selbst sollten unser Konsum- und Alltagsverhalten hinterfragen - und zwar nach dem Prinzip und in der Rangfolge "Vermeiden - Reduzieren - Kompensieren": Keine Kreuzfahrten unternehmen, weniger fliegen und Autofahren, mehr Rad fahren und zu Fuß gehen! Not tue auch eine Umstellung der Ernährung: weniger Fleisch und Milchprodukte, keine Flugware, sondern saisonale und regionale Erzeugnisse sowie Biofleisch.

Er wie auch Dr. Elisabeth Hoffmann, Christina Walther sowie Ute Fischer Petersohn riefen - namens des Trägervereins zur Förderung des Fairen Handels beziehungsweise als Aktive für die Faire Stadt Kronach - die jungen Leute dazu auf, sich an der "Fridays For Future"-Klimademonstration am kommenden Freitag in der Kreisstadt zu beteiligen. Die Demonstration startet um 12 Uhr am Schulzentrum und nimmt weitere Demonstranten an der Realschule I, an der Lorenz-Kaim Berufsschule, am Kaspar-Zeuß-Gymnasium sowie der Lucas-Cranach-Schule auf. Die Demonstration endet am Hussitenplatz mit einer kurzen Kundgebung. hs

Am Vortag hatte Herrmann den gleichen Vortag für Erwachsene im evangelischen Gemeindehaus gehalten. Beide Vorträge sind Teil einer Veranstaltungsreihe, mit der in den nächsten Wochen möglichst viele Mitbürger für die Themen "Faires Handeln, Geschlechtergerechtigkeit und Klimaschutz" sensibilisiert werden sollen. Weiter geht es am Montag, 23. September, in der Filmburg Kronach mit der Vorführung des Kinofilms "Die Berufung - ihr Kampf für die Gerechtigkeit". Beginn ist um 19 Uhr; der Eintritt ist frei. Die Abschlussveranstaltung bildet die Ideenwerkstatt "Fünf Jahre Faire Stadt Kronach - Wie fair sind wir?" am Donnerstag, 14. November um 19 Uhr im Pavillon der Sparkasse Kulmbach-Kronach. Zeitgleich wird in der Schalterhalle der Sparkasse die Ausstellung "Entwicklungsland D" zu sehen sein.

Die Veranstaltungen werden gefördert von "Demokratie leben" und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Autor

Heike Schülein
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
18. 09. 2019
15:52 Uhr

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Autor

Heike Schülein

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Veröffentlicht am:
18. 09. 2019
15:52 Uhr



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