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Kronach

Kronach tanzt den Pogo

Die Festung rockte wieder. Und zwar mächtig. 2800 Fans der etwas härteren Klänge waren total aus dem Häuschen. Und zwar zwölf Stunden lang.



Überschwang der Glückseligkeit: Die Coburger Band "Panzertape" bildete mit ihren Fans einen großen Punk-Rock-Chor. Fotos: Stephan Stöckel   » zu den Bildern

 

Kronach - Was braucht ein Punk-Rock-Fan zum Glücklichsein? Ein Ikea-Regal, besungen von der ‚Antilopen Gang‘, und einen Einkaufswagen vom Discounter. Mit letzterem düsten die Drei-Akkorde-Fans bei den Coburger Punkrockern von "Panzertape" voller Überschwang durch die Pogo tanzende Menge. Die drei Herren aus der Vestestadt waren das musikalische Pflaster mit der heilenden Wirkung, das Glückshormone ohne Ende bei den Fans ausschüttete. Am Ende stand ein großer Punk-Rock-Chor aus Fans und Musikern vereint auf der Bühne.

Im Großen und Ganzen friedlich

Nur wenig zu tun hatten die Beamten der Kronacher Polizei bei der Rockmusikveranstaltung im Festungsgraben in Kronach. Zwischen 12 und 1.30 Uhr vom 25. auf den 26. Mai lauschten 2800 Musikbegeisterte den Klängen bei der fast durchwegs friedlichen Veranstaltung. Erstmals um 20 Uhr mussten die Beamten tätig werden, als durch einen Veranstalter im Eingangsbereich drei Marihuana-Joints aufgefunden wurden. Diese konnten keinem der Gäste zugeordnet werden konnte, weshalb eine Anzeige gegen Unbekannt erstellt wurde. Gegen 23 Uhr wurde eine 26-jährige Dresdnerin von einem 33-Jährigen Bayreuther beleidigt, was diese zur Anzeige brachte. Der stark alkoholisierte Mann bekam einen Platzverweis und musste das Festgelände verlassen. Zu guter Letzt kam es gegen 0.30 Uhr zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen einem 26-Jährigen und einem 29-Jährigen, beide aus dem hiesigen Landkreis. Nachdem der Ältere seinen Kontrahenten in den Schwitzkasten nahm, schlug ihm der Jüngere ins Gesicht. Beide konnten im Anschluss leicht verletzt den Nachhauseweg antreten.

 

All das und noch viel mehr offerierte die zwölfte Ausgabe des Festivals "Die Festung rockt". Auf der Feste Rosenberg wurde gerockt, dass sich die historischen Mauern bogen. Auch heuer hieß es: ausverkauft! 2800 Fans aus nah und fern waren aus dem Häuschen.

 

Auch der Wettergott spielte mit. Samuel Rauch, der Leiter des Jugend- und Kulturzentrums "Struwwelpeter", das alljährlich die große Sause auf die Beine stellt, hatte getreu der Weisheit "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste" auf Vorsorgemodus geschaltet. "Wenn es zu krass wird, informieren wir euch." Doch das Gewitter zog vorbei. Dafür zog ein kräftiges Rock’n’Roll-Gewitter nach dem anderen auf, das den Besuchern positive Energie schenkte.

Mit tief grollender Stimme brüllte Michael Jary von der thüringischen Band "Roadkill BBQ" "Heavy Metal" ins Mikrofon. Jetzt wusste auch der letzte, was die Stunde musikalisch geschlagen hat. Harte, laute Sounds gaben zur Freude der Besucher rund zwölf Stunden lang den Ton an.

Alles neu macht der Mai: Im hinteren Teil des Festivalgeländes hatte man noch eine kleinere Bühne aufgebaut, vor der zwar kein so großes Gedränge herrschte wie vor der großen, aber mitunter auch der Punk abging, wie es in der Szene-Sprache so schön heißt.

Ein "Zebrahead"-Fan, stilecht mit Zebramaske, tanzte sich zu den Klängen der Hamburger Pop-Punk-Band "Holly Would Surrender" schon einmal warm. Der oberfränkischen Rockband "Perlaine", die beim Vorentscheid im "Struwwelpeter" im vergangenen Jahr den undankbaren vierten Platz belegt hatte, bescherte die neue Bühne einen Startplatz beim renommierten Festival. "Das ist eine tolle Plattform für kleine Bands, mit der sich die Wartezeit in der Umbaupause gut überbrücken lässt", meinte Sänger Ferdinando Reinl. Die Band überzeugte mit einem atmosphärisch-dicht-gewebtem Rocksound, der geistige Erbauung schenkte.

Auch bei der Kronacher Combo "The Riot Robots", die einen Roboter als Maskottchen mitgebracht hatten, ging dem Zuhörer das Herz auf. Kein Wunder bei einem melodiösen Punk-Rock, bei dem der mehrstimmige Gesang so wunderbar harmonierte.

Die antifaschistische Partisanenhymne "Bella Ciao" ist auch in der Punk-Szene angekommen. Die italienische Ska-Punk-Kapelle "NH 3" begeisterte damit und mit tollen eigenen Songs. Am Vorabend der Europa-Wahl hatte das Festival auch eine politische Note. "Wählt keine braunen Parteien", hallte es mehrfach über das Gelände.

Die russische Volksseele kochte und mit ihr das Publikum, als Ivan Ivanovich & The Kreml Krauts den Zuhörern mit ihrem Polka-Punk gute Laune schenkten. In einem kleinen Club hätte der zornige Akustik-Punk der amerikanischen Gruppe "Days’n’Daze" eine überschäumende Wirkung entfaltet, doch auf dem weitläufigen Festivalgelände konnte der unverstärkte Sound seine Wirkung nicht voll entfalten.

"Euphoria" sangen die Jungs der Münchner Metal-Legende "Emil Bulls" und eine Welle der Euphorie wogte durch das Publikum. Wiedersehen macht Freude hieß es auch bei den "Detectors" aus Kiel, die mit ihrem vielschichtigen Punksound auf der kleinen Bühne punkteten.

Die kalifornischen Punkrocker "Zebrahead" legten sich nach einer halben Stunde Verspätung mächtig ins Zeug. Aus Schunkelliedern machten sie im Handumdrehen coole Pogo-Songs, bei denen die Fans ihre Alltagssorgen vergaßen. Am Ende schipperte ihr Kuschelbär in einem Schlauchboot, getragen von einer Welle der Begeisterung durch das Publikum.

Von wegen Schubladendenken! Nicht nur die Rapper von der "Antilopen-Gang" sangen in ihrem Lied über den schwedischen Einrichtungskonzern von selbigem, auch das Publikum kannte selbiges nicht. In den Fans loderte das Feuer der Begeisterung für den originellen Mix aus Rap und Rock, den auch der Frühlingsregen zum Abschluss eines gelungenen Festivaltages nicht löschen konnte.

Autor

Stephan Stöckel
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
26. 05. 2019
14:08 Uhr

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Autor

Stephan Stöckel

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Veröffentlicht am:
26. 05. 2019
14:08 Uhr



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