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Kronach

Kronacher Glashütten fordern Windpark

Die Glashersteller möchten unabhängiger in der Energieversorgung werden. Was sie fordern, haben sie dem Fraktionsvorsitzenden der Landtagsgrünen in Tettau mitgegeben.



Ein Mitarbeiter von Heinz-Glas prüft einen Glasflakon. Damit auch sein Arbeitsplatz künftig gesichert ist, möchten die Glasbetriebe des Frankenwalds mehr Unterstützung von der Politik. Eine Idee, um unabhängiger von der Energieversorgung zu werden, haben sie bereits.   Foto: Heinz-Glas » zu den Bildern

Kleintettau - Die Glasunternehmer des Frankenwalds wünschen sich einen Windpark. Er soll laut ihrer Forderung in der Nähe ihrer Firmen im nördlichen Frankenwald gebaut werden. "Damit wollen wir ein Zeichen setzen", erklärte Carl-August Heinz, Geschäftsführer von Heinz-Glas in Kleintettau am Dienstag. Ihre Forderung richteten sie an Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag. Er war nach Kleintettau gekommen, um sich einen Überblick über die Situation der Kronacher Glashütten zu verschaffen. Deren Geschäftsführer klagen immer wieder über schwankende Strompreise. Ihnen fehle Planungssicherheit.

Die Tettauer Erklärung

In der sogenannten Tettauer Erklärung haben die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Unternehmen und weitere Interessensverbände einen Forderungskatalog zu Klimaschutz und Energiepolitik zusammengestellt. Diesen haben sie unter anderem an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier geschickt. Verabschiedet haben die Verfasser das Papier bei der industriepolitischen Tagung der IG BCE für Thüringen, Franken und die Oberpfalz im April in Tettau. Die Veranstaltung in der Festhalle der Gemeinde besuchten auch 200 Mitarbeiter aus Franken, Thüringen und der Oberpfalz der Glas- und Porzellanbranche. Die IG BCE lädt Unternehmer, Politiker und Interessensverbände regelmäßig bundesweit zu den Tagungen ein. Dadurch möchte sie Lösungen für die Probleme der Industrie wie der Glasbranche finden. Eine offizielle Tettauer Erklärung haben Unternehmer und die Gewerkschaft Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag, am Dienstag übergeben. Aber nicht öffentlich. "Darin stehen zu viele Unternehmensdetails", erklärte Carl-August Heinz, einer der Verfasser und Geschäftsführer von Heinz-Glas in Kleintettau. In einem Gespräch machten sie Hartmann auf ihre Situation aufmerksam.

Hartmann sah im Gespräch über die Stromversorgung auf Seiten der Unternehmer wie auch der Politik Verantwortung. "Niemand möchte die Industrie hier im Landkreis Kronach verlieren", erklärte er. Vor allem dann nicht, wenn sie so effizient arbeite, wie im Frankenwald. Da die Unternehmen im Landkreis Kronach große Strommengen benötigten, müsse die passende Energieinfrastruktur dafür aufgebaut werden. Hartmann sagte, dass Strom nicht teuerer werden darf. Vor allem dann nicht, wenn er nach dem Kohleausstieg umweltfreundlicher produziert werde. Er sprach sich für eine dezentrale Energiegewinnung aus. "Strom muss dort produziert werden, wo er benötigt wird." Dadurch und durch eine passende Stromsteuerung könne man auch dann den Energiebedarf decken, wenn er besonders hoch sei.

 

In Spitzenzeiten der Stromproduktion komme es dann auf die Mitarbeiter der Glashütten an, wie Nikolaus Wiegand, Geschäftsführer von Wiegand-Glas in Steinbach am Wald erklärte. "Bei Schichten von sechs bis zwölf Stunden sind dann die Sozialpartner gefordert", sagte er.

Auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) habe großes Interesse daran, dass die Industrie im Landkreis Kronach erhalten bleibe, meinte Holger Kempf, IG BCE-Bezirksleiter Mainfranken. "Wir haben unsere Position bereits bei der Tagung im April klar gemacht", spricht er die industriepolitische Tagung der IG BCE für Franken, Thüringen und die Oberpfalz an ( siehe Infokasten ). Wichtig sei, dass man fraktionsübergreifend daran arbeite, dass die Glashütten im Frankenwald bestehen bleiben und ihre Arbeiter fair entlohnt werden.

Carl-August Heinz sprach davon die Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter "zukunftssicher zu machen". Sein Betrieb sei sehr stark vom steigenden Strompreis abhängig. Deshalb brauche es - neben Stromtrassen - auch einen Windpark in der Nähe. "Den können wir dann bei hohem Energieaufkommen als Stromquelle hinzuziehen." Angesichts der unsicheren energiepolitischen Entwicklung der kommenden Jahre investiere er nur zögerlich. Etwa nannte er im Gespräch eine neue Schmelzwanne. Diese könne sofort gebaut werden. Da aber weder Stromversorgung noch Strompreis der kommenden Jahre sicher sei, wolle er diese 16 Millionen Euro teure Investition noch nicht vornehmen.

Hartmann, dessen Partei Bündnis 90/Die Grünen die größte Oppositionspartei im bayerischen Landtag ist, forderte ebenfalls mehr Verlässlichkeit in der Strompolitik von Bundes- und Landesregierung. Man dürfe Entscheidungen nicht wieder zurücknehmen. Als Beispiel nennt er den Atomausstieg, der erst beschlossen, dann zurück genommen wurde, nur um anschließend wieder beschlossen zu werden. Vor allem die zur Zeit niedrigen Zinsen sprächen für den Bau neuer Energieinfrastruktur. "Einen besseren Zeitpunkt als jetzt, wird es kaum geben."

Nikolaus Wiegand bemängelte, dass es vor allem die Bürokratie Unternehmen sehr erschwere etwa in neue Maschinen zu investieren. Meist seien die Anträge durch Gesetze und Verordnungen so verklausuliert, dass sie mehrmals gestellt werden müssten. Er forderte nachzubessern und Unternehmen, die investieren möchten, besser zu unterstützen.

Bei solchen Investitionen könne man nur gemeinsam mit der Politik einen Weg finden, erklärte Bernd Hoerauf, Geschäftsführer von Gerresheimer in Tettau. Etwa den Bau neuer Stromleitungen könnten die Glasbetriebe nicht leisten. "Hier brauchen wir die Unterstützung der Politik."

Grünen-Kreisrätin Edith Memmel sprach bei der Forderung nach einem Windpark von einem Leuchtturmprojekt. Man müsse nun ein Zeichen setzen. Unternehmen, die bereit seien neue Ideen wie diese voranzutreiben, müsse auch die Politik unterstützen. Memmel, die selbst von 1986 bis 1990 im bayerischen Landtag saß, sagte, dass man für ein erfolgreiches Projekt alle Beteiligten miteinbeziehen müsse. "Wir müssen mit Bürgern, Industrie und Politik gemeinsam an einer Lösung arbeiten", erklärte sie.

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Yannick Seiler
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Veröffentlicht am:
23. 07. 2019
21:02 Uhr

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Yannick Seiler

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Veröffentlicht am:
23. 07. 2019
21:02 Uhr



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