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Kronach

LGS-Angreifer muss hinter Gitter

Wegen sexuelle Nötigung einer jungen Frau hat das Landgericht Coburg den 36-jährigen Angeklagten am Mittwoch verurteilt. Er muss für mehr als fünf Jahre ins Gefängnis.



Weil er versucht hat, eine 18-Jährige auf dem Landesgartenschaugelände in Kronach zu vergewaltigen, hat das Landgericht Kronach am Mittwoch einen 36-Jährigen verurteilt. Symbolfoto: dpa  

Kronach/Coburg - Fünf Jahre und sechs Monate Haft: So lautet das Urteil im Verfahren um den Überfall auf eine 18-jährige Frau auf dem Kronacher Landesgartenschaugelände Anfang Juli vergangenen Jahres. Die Strafkammer des Landgerichts Coburg unter dem Vorsitz von Richterin Jana Huber verurteilte den 36-jährigen Angeklagten am frühen Mittwochabend. Schuldig, so Huber, sei der Mann aus Kronach der sexuellen Nötigung sowie der Körperverletzung, der Beleidigung und Bedrohung und des Rauschgifthandels. Eine Sicherheitsverwahrung wurde nicht angeordnet.

Die Kammer ging bei dem Überfall schon deshalb von einer sexuellen Absicht aus, weil der Beschuldigte sein Opfer in eine Hecke gezogen hatte, um sich ungestört an ihm zu vergehen. Zudem, so Richterin Huber, sei der Angeklagte äußerst brutal vorgegangen. Sein Opfer habe er in Todesangst versetzt. "Sie sind schuld, dass die Welt für eine junge Frau aus den Fugen geraten ist", sagte Huber. Weiter betonte sie, dass die Aussagen der zur Tatzeit 18-Jährigen ebenso glaubwürdig seien wie die der Ex-Freundin des Angeklagten. Die hatte Anzeige erstattet, weil sie der 36-Jährige in ihrer Wohnung mit einem Elektroschocker angegriffen und ins Gesicht geschlagen hatte.

Staatsanwalt Frank Dietze hatte eine Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren beantragt. Er hielt darüber hinaus die Sicherungsverwahrung des 36-Jährigen für angebracht. Dietze verwies darauf, dass der Angeklagte bereits eine über vierjährige Haftstrafe wegen versuchten Totschlags habe verbüßen müssen. Auch hätten Sachverständige den 36-Jährigen als gefährlich für die Allgemeinheit eingestuft und ihm attestiert, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit wieder gewalttätig werden könne. Zudem meinte der Anklagevertreter: "Es gibt beim Angeklagten keine stabilen sozialen Bindungen."

Schwer wiege, so der Staatsanwalt, dass es sich bei dem Opfer des Überfalls auf dem Kronacher Landesgartenschaugeländes Anfang Juli vergangenen Jahres um eine erst 18 Jahre alte Frau gehandelt habe. Unvermittelt sei sie auf dem Weg zur Arbeit vom Beschuldigten massiv angegriffen worden. Sie leide bis heute unter der versuchten Vergewaltigung durch den 36-Jährigen. "Das Opfer ist dauerhaft psychisch beeinträchtigt." Die Aussagen der jungen Frau vor Gericht schätzte der Vertreter der Anklage als schlüssig und damit glaubhaft ein.

Dass der Angeklagte nach dem Konsum von Alkohol und Drogen nicht mehr gewusst habe, was er tat, nahm ihm der Staatsanwalt nicht ab. Das Verfahren habe ergeben, dass er vielmehr zielgerichtet vorgegangen sei. Erst als eine Passantin hinzugekommen war und mit lautem Rufen auf sich aufmerksam machte, habe der Angeklagte von seinem Opfer abgelassen und sei geflohen.

Auch die frühere Freundin des Angeklagten habe "sehr plausible Angaben" gemacht. Demnach traktierte der 36-Jährige die Frau in ihrer Wohnung in Kronach im Streit mit einem Elektroschocker. Zudem habe er sie ins Gesicht geschlagen, sie massiv beleidigt und bedroht. Schlussendlich sei ebenso erwiesen, dass der Angeklagte mit Rauschgift gehandelt habe, so Dietze.

Kristina Freifrau von Imhoff, die Anwältin der auf dem LGS-Areal angegriffenen Frau, betonte die Folgen für das Opfer. Einer der ermittelnden Polizeibeamten habe die junge Frau als "komplett zerstört" bezeichnet. Dies sei kein Wunder bei einem so schrecklichen Erlebnis in so jungen Jahren. Als "völlig verängstigte junge Frau" hat Anwalt Michael Linke seine Mandantin, die Ex-Freundin des Angeklagten, kennengelernt. Sie habe so große Angst vor dem 36-Jährigen, dass sie sich erst nach dessen Verhaftung wegen des Angriffs auf dem LGS-Gelände an die Polizei gewandt habe.

Verteidigerin Kerstin Rieger stellte in Zweifel, ob es sich um eine versuchte Vergewaltigung handelte. Sie ging davon aus, dass der 36-Jährige wegen seines Alkohol- und Drogenmissbrauchs bei der Tat nicht mehr ganz Herr seiner Sinne war. Es gebe keinen Zweifel, dass er die 18-Jährige brutal geschlagen habe. Damit handle es sich aber eher um ein Gewalt- und nicht um ein Sexualdelikt. Dies sowie die Gewalttat an der früheren Freundin seien freilich so schwerwiegend, dass sich auch die Verteidigerin für eine Haftstrafe "zwischen fünf und sechs Jahren" aussprach.

Gegen eine Sicherungsverwahrung argumentierte Verteidiger Till Wagler. Dabei müsse das Gericht sicherstellen, dass ein Straftäter zum Zeitpunkt seiner Verurteilung für die Allgemeinheit gefährlich ist. Wagler meinte, dass dies bei seinem Mandanten nicht mit Sicherheit festzustellen sei. "Er ist erschüttert über das Geschehene", so der Anwalt. Und nicht zuletzt seien zwei Sachverständige zu dem Schluss gekommen, dass der 36-Jährige durch eine kombinierte Sucht- und Sozialtherapie doch noch die Kurve kriegen könnte.

Autor

Mathias Mathes
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Veröffentlicht am:
08. 05. 2019
20:28 Uhr

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08. 05. 2019
20:28 Uhr



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