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Kronach

Landwirte brechen Lanze für Glyphosat

Die Debatte um den Einsatz des Herbizids treibt die Kronacher Bauern um. Das Verteufeln des Pflanzenschutzmittels ist aus ihrer Sicht falsch - zumal es auch oft von Privatleuten genutzt wird.



Den Kronacher Landwirten ist es wichtig, ihre Arbeit für die Bevölkerung transparent zu gestalten. Jedoch kämen kaum noch Leute auf den Höfen vorbei. Man versucht, mit verschiedenen Programmen gegenzusteuern. Foto: Archiv  

Kronach - Die Diskussion um den Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft ist bei den Bauern im Landkreis Kronach ein Reizthema. Das wird bei ihrem alljährlichen Besuch in der Kronacher NP -Redaktion am gestrigen Rosenmontag deutlich. "Eigentlich ist das Thema für mich durch. Denn es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es verboten wird", sagt Erwin Schwarz, Kronacher Kreisobmann des bayerischen Bauernverbands. Dabei sei es eines der unschädlichsten Pflanzenschutzmittel überhaupt.

Bauern stehen unter Druck

Erwin Schwarz, Kronacher Kreisobmann des bayerischen Bauernverbands, findet, dass Landwirten das Leben häufig sehr schwer gemacht wird. Er begründet das vor allem mit immer mehr Auflagen und Vorschriften, die seitens der Politik eingeführt werden. Neben der Diskussion um Glyphosat nennt er als Beispiel auch die neue Düngeverordnung, die im vergangenen Jahr beschlossen wurde. "Die besagt, dass wir nur noch nach Erträgen düngen dürfen - das heißt, wenn ich mal eine schlechte Ernte habe, wird es weniger", erklärt er. Das sei aber eine Abwärtsspirale, denn weniger Dünger bedeute, dass die Erträge zwangsläufig weiter zurückgehen. Deshalb hofft er, dass die Gesetze in absehbarer Zeit wieder gelockert werden. Dazu kommt laut Kreisbäuerin Rosa Zehnter, dass Landwirte unter starker Beobachtung stünden: "Die Bevölkerung hat so viel Zeit, die beobachtet uns. Da wird geschaut, ob die Gülle zum richtigen Zeitpunkt ausgefahren wird und und und." Erwin Schwarz berichtet sogar von Leuten, die mit dem Handy am Hof stünden und Fotos machten. "Und dann wird den Ämtern berichtet, was der Bauer schon wieder falsch gemacht hat", ärgert sich Rosa Zehnter.

 

"Man braucht von Glyphosat nur sehr wenig und kann es ganz gezielt einsetzen. Von anderen Wirkstoffen braucht man viel mehr, um den gleichen Effekt zu erreichen", führt Erwin Schwarz aus. Das habe dann natürlich höhere Kosten für die Landwirte zur Folge. Ihn ärgert auch, dass ständig behauptet wird, das Mittel sei krebserregend: "Wenn 20 Leute sagen, es könnte krebserregend sein - beim 21. heißt es dann plötzlich, es ist krebserregend." Dabei sei amtlich bestätigt, dass das nicht so ist. Jedoch sei diese Fehlinformation schon so in den Köpfen der Menschen verankert, dass eine sachliche Diskussion nicht mehr möglich sei.

 

Gerd Zehnter, Vorsitzender des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung im Landkreis Kronach, schlägt in dieselbe Kerbe. "Leider hat man nicht erkannt, welche Bedeutung Glyphosat hat", bedauert er. Es handle sich um ein sogenanntes Grundherbizid. Das bedeute, dass es nur gegen Unkraut wirke - für Tiere sei es unschädlich. "Wenn man Glyphosat verbietet, wirft man die Errungenschaften der vergangenen 30 Jahre einfach weg", stellt er klar. Die Behauptung, Glyphosat würde alles vernichten und sei schädlich für Bienen, kann auch Erwin Schwarz nicht mehr hören. "Wenn ich meinen Acker umpflüge, ist danach auch erst einmal keine Blume mehr da", führt er aus. Zehnter ergänzt, dass das auch vollkommen richtig sei: "Der Acker muss ja erst einmal sauber sein, bevor ich dort etwas Neues anpflanzen kann." Glyphosat habe also im Prinzip den gleichen Effekt wie das Pflügen - nur spare es Diesel und vermeide Erosion.

Laut Kreisbäuerin Rosa Zehnter ist Glyphosat bereits seit rund 40 Jahren im Einsatz. "Welches andere Mittel ist so gut untersucht?", fragt sie. Und Erwin Schwarz fügt hinzu, dass in den vergangenen zehn Jahren kaum noch neue Mittel zugelassen worden seien, da die dafür nötigen Studien sehr teuer seien. Das werde mehr und mehr zum Problem, denn wenn kaum noch Stoffe zur Verfügung stünden, fördere das die Bildung von Resistenzen - ähnlich wie in der Medizin bei Antibiotika.

Die Kronacher Landwirte fühlen sich außerdem ungerecht behandelt - denn immer werde mit dem Finger nur auf sie gezeigt. Dabei komme Glyphosat auch in anderen Bereichen zum Einsatz. Nur interessiere sich dort niemand dafür. "Im Baumarkt gibt es zum Beispiel Unkrautvernichter mit Glyphosat zu kaufen", sagt Rosa Zehnter. Jeder könne es problemlos erwerben und die meisten Anwender wüssten noch nicht einmal, dass der Stoff in dem Mittel enthalten ist. Zudem werde es von Privatleuten häufig falsch angewendet: "Auf der Packung steht, der Inhalt reicht für 500 Quadratmeter. Aber man weiß doch, wie das läuft: Das Zeug kommt in die Gießkanne und wird dann schön großzügig verteilt - schließlich soll es ja wirken." Auch die Bahn setzt laut Gerd Zehnter Glyphosat ein, um die Gleise frei von Unkraut zu halten. Für ihn steht fest: "Das ist schon alles ein bisschen schizophren."

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Julia Knauer

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Veröffentlicht am:
12. 02. 2018
16:57 Uhr

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Julia Knauer

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12. 02. 2018
16:57 Uhr



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