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Kronach

Lucas Cranach wäre auch heute ein Visionär

Ein Vortrag verschafft interessante Einblicke in das Leben von Kronachs großem Sohn. Dabei wird klar: Er ist nicht umsonst Namensgeber des geplanten Campus.



Eines der großen Werke von Lucas Cranach: "Venus" (1532). Foto: Andy Rain/dpa  

Kronach - Großer Renaissance-Künstler, emsiger Geschäftsmann, Verleger, Drucker und "PR-Manager" der Reformation: Der berühmteste Sohn der Stadt wird Namensgeber für Kronachs neue Hochschule, dem "Lucas-Cranach-Campus". Doch wer war dieser Cranach, der 1472 in Kronach das Licht der Welt erblickte? Welche Brücke kann von seinem damaligen Wirken zu einer innovativen Hochschule im 21 Jahrhundert geschlagen werden? Antworten auf diese Fragen gab das Referat von Kunsthistorikerin Dr. Elke Anna Werner in der Alten Markthalle. Hierzu hatten sich auch Vertreter von Kommunalpolitik und Hochschule eingefunden. Zum Beispiel die Professoren Michael Lichtlein, Vizepräsident der Hochschule Coburg, und Christian Zagel, Leiter des Masterstudiengangs ZukunftsDesign am Loewe Campus.

"Lucas Cranach und seine Familie lebten in bewegten Zeiten, die von neuen Technologien, tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüchen und einer beginnenden weltweiten Vernetzung von Handelsunternehmen geprägt waren", verdeutlichte die Kunsthistorikerin. Traditionelle Strukturen lockerten sich und boten Freiräume, die er erfolgreich für seine Karriere genutzt habe. Eindrucksvoll zeigte die Kuratorin auf, wie Cranach seine künstlerische Tätigkeit mit unternehmerischem Denken und gesellschaftspolitischem Handeln verknüpfte und so nicht nur einer der reichsten und angesehensten Bürger Wittenbergs wurde, sondern auch ein erfolgreicher Künstler.

1472 in Kronach als Lucas Maler geboren, benannte sich dieser später nach seiner Geburtsstadt um. "Über seine Zeit in Kronach weiß man kaum etwas", erklärte die Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats der Städtekooperation "Wege zu Cranach". Seine Mutter starb früh, sein Vater war ein wohlhabender Bürger der oberen Stadt. Nach einer soliden schulischen Ausbildung ging Cranach bei seinem Vater in die Lehre. In seiner Heimatstadt ist nur ein einziger Malerauftrag für Lucas Cranach belegt: das Anstreichen eines Ofens auf der Festung Rosenberg. Seine Wanderschaft führte ihn um die Jahre 1500 bis 1504 in das kulturelle Zentrum Wien. Auf sein Können wurde Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen aufmerksam, der ihn 1505 in Wittenberg zu seinem Hofmaler machte: ein "Traumjob", sehr gut bezahlt und mit viel Freiraum und Entwicklungsmöglichkeiten für Cranach.

Geschäftstüchtig kümmerte sich Cranach um seine wirtschaftliche Existenz - und dies keineswegs nur mit der Abarbeitung zahlreicher Aufträge in seiner hocheffizienten Malerwerkstatt. Vielmehr sei er bald größter Grundbesitzer in Wittenberg geworden - mit Häusern, einer Apotheke und einem Wirtshaus, die für reichlich Mieteinnahmen sorgten und ihn zu einem der reichsten Bürger Wittenbergs werden ließen. 1508 wurde Cranach sein berühmtes Wappen mit der Schlange verliehen. Um 1512/13 heiratete er mit der Ratsherrntochter Barbara Brengebier, mit der er fünf Kinder hatte, in die High Society ein. So hielt Cranach bald alle Fäden in der Hand, zumal er selbst ein angesehenes Mitglied im Wittenberger Stadtrat, über mehrere Amtsperioden Kämmerer und Bürgermeister war.

Was ihm als enorme Produktivität ausgelegt wurde, die auch zur Grabinschrift vom "schnellsten aller Maler" führte, sei die perfekte Organisation seiner Werkstatt. Ein gigantischer Auftrag - vielleicht der größte der deutschen Kunstgeschichte - war die Ausstattung für Kardinal Albrechts Stiftskirche in Halle: ein riesiger Gemäldezyklus mit biblischen Motiven und aufwendig dekorierten Altären. Erhalten sind heute etwa 1000 Gemälde aus Cranachs Malerwerkstatt. Maßgeblichen Einfluss hatten seine Grafiken an der Verbreitung reformatorischen Gedankengutes. Cranach war auch Trauzeuge bei Martin Luthers Hochzeit mit Katharina von Bora.

Friedrich dem Weisen hielt der große Renaissance-Künstler Zeit seines Lebens die Treue, später auch seinem dritten Dienstherrn, Herzog Johann Friedrich der Großmütige. Als dieser nach einer Niederlage in Haft genommen und später ins Exil geschickt wurde, folgte ihm Cranach beide Male. Später ging er mit ihm in dessen neue Residenz nach Weimar. Dort starb er, bis zuletzt künstlerisch tätig, am 16. Oktober 1553. Wer Cranachs serielle Bilderproduktion anprangere, ihn als Dutzendware-Produzent herabstufe, gehe, so Werner, vorbei an dem, was er tatsächlich gewesen sei. "Cranach war deshalb so erfolgreich, weil er den Zeitgeist getroffen hat", sagte sie. Trotz seines Erfolges sei er sich stets treu geblieben; er habe sein künstlerisches und unternehmerisches Können geschickt genutzt und visuelle Präsenz gezeigt.

"Als ich vor 25 Jahren nach Kronach gezogen bin, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass Kronach Hochschulstadt würde", bekundete eingangs FU-Kreisvorsitzende Sibylle Fugmann. Vor einem Jahr habe das bayerische Kabinett die Weichen für die Erweiterung des Hochschulangebots gestellt. Mit dem Impuls bestehe die einmalige Chance, die Entwicklung von Stadt und Landkreis vor allem durch eine enge Verbindung von wirtschaftlicher Praxis und Forschung sowie durch das Aufgreifen starker regionaler Kompetenz voranzutreiben.

Nach Werners mit großem Beifall bedachten Vortrag stellte IHK-Vizepräsident Hans Rebhan die Idee Lucas-Cranach-Campus vor. Seit 2009 stehe das Hochschulthema in Kronach im Fokus. Damit verbunden sei die Frage einer langfristigen Sicherung des Arbeitskräfteangebots in der Region. Studien belegten, dass 2030 für sechs aus dem Erwerbsleben ausscheidende Arbeitnehmer nur noch einer nachkomme. "Wir verbreiten aber keine Totengräber-, sondern Aufbruchsstimmung", betonte Rebhan. Der neue Campus böte besondere Chancen für die Region, von denen alle profitieren könnten. Bei der Entwicklung der Angebote will man Neues wagen und innovative Formen der Lehre anbieten. "Der Marathon zum Hochschulstandort Kronach hat begonnen", gab er sich kämpferisch. Cranach habe einst die Welt verändert und damit belegt, dass Franken dies könnten.

Kronachs 2. Bürgermeisterin Angela Hofmann dankte für den informativen Abend voller spannender Infos. Cranach könne für den Campus beispielgebend sein.

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Heike Schülein
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Veröffentlicht am:
28. 07. 2019
18:18 Uhr

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Heike Schülein

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Veröffentlicht am:
28. 07. 2019
18:18 Uhr



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