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Kronach

Lustvoller Höllenritt der Liebe

Die "Kronacher Klassik Akademie" begeistert mit dem Solo-Posaunisten Tobias Suffa. Auch der junge Komponist Sebastian Paul Rehnert erntet viel Applaus.



Glückliche Gesichter nach der Uraufführung: Rezitator Burkhart M. Schürmann (links), Komponist Sebastian Paul Rehnert und Dirigent Guido Mürmann (rechts).   » zu den Bildern

Kronach - Der junge Dirigent des Abschlusskonzertes der "Kronacher Klassik Akademie", Guido Mürmann, hat es geschafft, die vielen jungen und älteren Musiker zu einem großen Sinfonieorchester zusammenzuschweißen. So wurde vor allem der erste Teil des Konzertes am Sonntag in der Maximilian-von-Welsch-Realschule zum geschlossenen musikalischen Erlebnis. Das große Engagement der Organisatoren und Helfer um Stefan Gesell, die Dozenten um Konzertmeister Johannes Enders und die Bereitschaft der ehemaligen Schüler der Berufsfachschule für Musik Oberfranken in Kronach sorgten für eine wunderbar frische Atmosphäre für alle Mitwirkenden und das große, treue Publikum.

Sowohl der Solist des Tages, der Posaunist Tobias Suffa, wie der Komponist Sebastian Paul Rehnert, dessen Melodram "Lenore" nach einer Ballade von Gottfried August Bürger zur Uraufführung kam, begannen ihre Karriere an der Berufsfachschule. Tobias Suffa lebt und arbeitet mittlerweile als Solist und Jazzposaunist in Rostock, Sebastian Paul Rehnert ist freischaffender Musiker und Komponist in Dresden. Über Burkhart M. Schürmann halten sie ihre Bindung zu Kronach aufrecht und kamen gerne zu diesem Ereignis zurück.

Guido Mürmann eröffnete das außergewöhnliche Programm mit dem "Konzert für Posaune und Orchester Es-Dur" von Ferdinand David. Das zutiefst romantische, melodienreich und virtuose Konzert ist ein Bravourstück für Posaune, das lyrisch singend beginnt, bevor die Posaune mit Fanfaren die ganze Bandbreite ihrer Klangmöglichkeiten über dem festlichen Tanz des Orchesters ausbreitet. Nahtlos geht dieser majestätische Auftritt in einen Trauermarsch über, der sich mit der Melodie des Solisten von liebevoller Wehmut in feierliche Trauer verwandelt und letztlich zu tiefem Schmerz steigert. Nach diesem atemberaubenden langen Melodiebogen der Posaune beendete Tobias Suffa das Konzertsolo mit einem großen freudigen Thema höchst virtuos und triumphal zu einem strahlenden Orchester.

Zum Melodram "Lenore", einem Auftragswerk der Klassik Akademie bei Sebastian Paul Rehnert, erfüllte sich Burkhart M. Schürmann den Wunsch, einmal als Sprecher aufzutreten. Die Musik Rehnerts illustriert und vertieft die gespenstisch dramatische Ballade Bürger um die Liebe Lenores zu einem Soldaten während des Siebenjährigen Krieges. Großformatig wie eine sinfonische Dichtung, mit großem Orchester, Pauken, großer Trommel und Percussion, schildert die Musik die Seelenlandschaft der Braut. Lenore wird dabei in ihrem Alptraum, ihrer traumatischen Sehnsucht von der virtuosen Sologeige des Konzertmeisters dargestellt. Die sie umgebenden Personen werden in Leitmotiven von Instrumentengruppen umspielt. Das Schwergewicht der Ballade und damit auch des spannenden Musikdramas liegt im wilden Höllenritt, den der als Toter zurückgekehrte Bräutigam Wilhelm mit seiner Braut vollzieht. Rehnert setzt alle Klangreize und Spiele mit Motiven und Zitaten ein, um diese Fahrt zwischen Seligkeit und Hölle umzusetzen. Das Publikum genoss diesen teuflisch langen und guten Rausch expressiver Klangexplosionen im Wandel mit der jagenden Stimme des Rezitators.

Mit differenzierter Klangfülle wartete im zweiten Teil die "Sinfonie Nr. 4 e-Moll" von Johannes Brahms auf, bei der die hervorragend eingestellten Bläser des Orchesters brillierten. Schon nach den einzelnen Werken feierte das Publikum Tobias Suffa und Burkhart M. Schürmann. Besonders bewundernder Applaus galt am Ende dem Komponisten Sebastian Rehnert und dem Dirigenten Guido Mürrmann für das romantisch-dramatische Konzerterlebnis.

Autor

Peter Müller
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Veröffentlicht am:
01. 10. 2018
18:38 Uhr

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Peter Müller

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01. 10. 2018
18:38 Uhr



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