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Kronach

Mammutaufgabe Wohnraumkonzept

Derzeit wird eine Analyse zur Wohnungssituation im Landkreis Kronach erstellt. Ein erster Zwischenstand zeigt: Dem Bedarf künftig gerecht zu werden, wird eine Herausforderung.



Wohnungssuche ist im Landkreis Kronach oft nicht einfach. Die Voraussetzungen in den einzelnen Kommunen sind dabei sehr unterschiedlich. Mit dem geplanten Wohnraum-Konzept will man sich dieser Herausforderung stellen. Foto: dpa/Simon Ribnitzky  

Kronach - Die Wohnungssituation im Landkreis Kronach ist nach wie vor angespannt: Einerseits ist die Nachfrage nach Wohnraum groß, andererseits stehen viele Gebäude leer. Deswegen beschloss der Kreistag im Herbst 2018, ein ganzheitliches Wohnraum-Konzept zu erstellen (die NP berichtete). Das basiert auf einer professionellen Analyse der Ist-Situation, die bei dem Berliner Institut Empirica in Auftrag gegeben wurde. In der Sitzung des Ausschusses für Kreisentwicklung und Verkehr am gestrigen Montag stellte Zukunftscoach Gabriele Riedel einen ersten Zwischenstand vor.

So habe man Empirica aufgefordert, verschiedene Punkte zu untersuchen, die sich auf den künftigen Wohnraum-Bedarf auswirken. Dazu zählten beispielsweise die Bevölkerungsentwicklung, der aktuelle Wohnungsmarkt oder das verfügbare Bauland. "Etwa zwei Drittel bis drei Viertel dieser Aufgaben sind bereits erledigt", informierte Gabriele Riedel. So seien auch schon Gespräche mit allen Bürgermeistern über die Situation in den einzelnen Kommunen sowie Experten-Interviews geführt worden. Bereits vorhandene empirische Daten seien ebenfalls schon ausgewertet.

Zur Bevölkerungsentwicklung sei zu sagen, dass der Landkreis pro Jahr rund 400 Einwohner allein durch das Verhältnis von Geburten zu Sterbefällen verliere. Positiv sei, dass es inzwischen mehr Zuzüge als Abwanderungen gebe. "Trotzdem werden wir bis zum Jahr 2037 um 8300 Personen auf dann 59 200 Einwohner schrumpfen", bedauerte Gabriele Riedel. Dieser Rückgang bedeute, dass automatisch auch die Nachfrage nach Wohnraum geringer werde.

Der marktaktive, also sofort vermietbare, Leerstand im Landkreis Kronach betrage derzeit 5,3 Prozent. Das sei ein üblicher Wert in der Region. Weiterhin sei festgestellt worden, dass es innerhalb des Landkreises ein starkes Preisgefälle gebe: Im Norden seien Häuser und Bauland deutlich günstiger als in den südlichen Kommunen. Darüber hinaus liefen zahlreiche Neubau-Projekte. "Allein daran sieht man, dass die Nachfrage nach Wohnraum groß ist", führte Gabriele Riedel aus. So seien von 2008 bis 2017 jedes Jahr mindestens 53 neue Wohneinheiten geschaffen worden.

Aus ihrer Sicht ergeben sich aus diesen Erkenntnissen verschiedene mögliche Handlungsfelder: der Wiederverkauf von Eigenheimen im Bestand, der Neubau von Eigenheimen, der Neubau von Eigentumswohnungen, der Neubau sowie die Bestandsaktivierung von Mietwohnungen, die Modernisierung von Mehrfamilien-Wohneinheiten, das Schaffen von Wohnformen im Alter sowie der künftig steigende Leerstand. "Die Aufgabe wird sein, eine gemeinsame Strategie für den gesamten Landkreis zu entwickeln", schloss sie.

Landrat Klaus Löffler (CSU) betonte, dass es angesichts der Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung keinen Grund für negative Gedanken gebe. "Wir haben beim Einwohner-Rückgang den niedrigsten Wert seit 20 Jahren", stellte er klar. Somit bestehe durchaus Hoffnung, dass man die Prognose noch zum Positiven wenden könne, wenn man weiter an der Verbesserung der Rahmenbedingungen im Landkreis arbeite. Er wünschte sich, dass Empirica die Ergebnisse der Analyse im Kreistag vorstellt, sobald sie abgeschlossen ist.

Auf Nachfrage von SPD-Kreisvorsitzendem Ralf Pohl informierte Gabriele Riedel, dass der Wohnungsbedarf in Zukunft vor allem in Richtung kleinere, barrierefreie Wohnungen gehen werde. Genaue Zahlen dazu lägen allerdings noch nicht vor. Auch sozialer Wohnungsbau sei in der Analyse ein großes Thema. "Eine erste Aussage dazu ist, dass die Mietpreise im Landkreis allgemein nicht sehr hoch sind und das dadurch wohl weitgehend mit abgedeckt ist", sagte sie. Im Hinblick auf den großen Bedarf an Fachkräften fand Dietmar Schmidt (SPD), dass man beim Wohnraumkonzept auch Wohnungen und Häuser für Auszubildende, Singles und kleine Familien im Blick haben müsse. Edith Memmel (Grüne) ergänzte, dass man auch in Sachen Wohnraum für Studenten aktiv werden müsse - schließlich werde Kronach Hochschul-Standort. Sie dachte dabei vor allem an Wohngemeinschaften oder Wohnen in alten Häusern.

Hans Rebhan (CSU) meinte, dass wohl noch viel Überzeugungsarbeit bei Eigentümern alter Häuser nötig sein werde, um die Ortskerne zu beleben. Er wünschte sich außerdem mehr Fördermöglichkeiten für Privateigentümer. Weiterhin fragte er, wie man mit den durchaus sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in den einzelnen Landkreis-Kommunen umgehen wolle. "Wir werden da von Empirica insofern unterstützt, dass wir eine Cluster-Einteilung bekommen, wo sich in den kommenden Jahren welche Nachfrage entwickeln wird", erklärte dazu Gabriele Riedel. Für Jens Korn (CSU) ist der Kernpunkt des Ganzen das gemeinsame Vorgehen. "Für einzelne Bürgermeister ist es eine Herkulesaufgabe, die Leute zu überzeugen, dass es sich lohnt, in Bestandsgebäude im Ortskern zu investieren - insbesondere, wenn man in zwei Gemeinden weiter mit supertollem, neuem Bauland wirbt", sagt er. Er wünschte sich, dass man solche Egoismen künftig über Bord werfe und zusammen an einem Strang ziehe.

Rainer Detsch (Freie Wähler) fand es wichtig, die Dörfer - und insbesondere die Ortskerne - lebendig zu halten. Denn nur dann seien sie auch als Wohnorte attraktiv. Da gebe es noch viel zu tun. Er berichtete, dass es bei ihm in Stockheim durchaus eine hohe Nachfrage nach Bestandsimmobilien gebe, auch von jungen Leuten. Er war sich sicher: "Wenn wir alle zusammenarbeiten, können wir den demografischen Wandel weiter ausbremsen."

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Julia Knauer

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Veröffentlicht am:
29. 04. 2019
18:08 Uhr

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Julia Knauer

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29. 04. 2019
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