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Kronach

Marktrodach: Norbert Gräbner tritt aus der SPD aus

Der Marktrodacher Bürgermeister Norbert Gräbner hat am Freitag seinen Austritt aus der SPD verkündet.



Da wurde noch gefeiert: 2014 errang Norbert Gräbner (Zweiter von rechts) zum vierten Mal den Chefsessel im Marktrodacher Rathaus. Mit dabei: Oliver Skall (links), der nun eigene Ambitionen auf Gräbners Amt hat. Vermutlich werden die einstigen Parteifreunde im nächsten Jahr Konkurrenten werden. Foto: Archiv  

Marktrodach - Die Bombe platzt am Freitag um 16.34 Uhr. Der Marktrodacher Bürgermeister teilt der Neuen Presse mit, dass er aus der SPD ausgetreten ist. "Mit beiliegendem Schreiben habe ich heute um 11.30 Uhr meinen Austritt aus der SPD erklärt", heißt es in seiner E-Mail. In dem Schreiben betont er, dass er zwar nach wie vor hinter den Idealen der ältesten demokratischen Partei Deutschlands steht. "Das Eintreten für soziale Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft war und bleibt immer eine Maxime meines politischen Handelns." Dies sei in der Sozialdemokratie immer verbunden gewesen mit der Solidarität, dem füreinander Einstehen und dem gemeinsamen Handeln.

Folgen für den Kreistag

Der Parteiaustritt Norbert Gräbners hat auch Konsequenzen für die Arbeit im Kreistag. Gräbner sitzt für die SPD im Abfallwirtschafts- und Umweltausschuss und im Ausschuss für Kreisentwicklung und Verkehr. Im Kreisausschuss ist er stellvertretendes Mitglied, ebenso im Auschuss für Schule, Kultur und Sport und im Ausschuss für Soziales und Gesundheit. Außerdem sitzt er im Zweckverband für Abfallwirtschaft in Nordwest-Oberfranken und im Zweckverband Berufsfachschule für Musik. SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzender Richard Rauh bedauert Gräbners Schritt. "Ich bin traurig. Aus meiner Sicht ist das ein voreiliger Schritt. Man hätte diese Differenzen, wer letztlich kandidiert, doch anders regeln können", sagt Rauh kopfschüttelnd. Mit Blick auf das Datum 15. März meint er, dass genau in einem Jahr die Bürgermeisterwahlen sein werden: "Sozusagen eine Punktlandung." Man werde bei der Sitzung der Kreistagsfraktion in der nächsten Woche in aller Ruhe darüber diskutieren. Rauh: "Für mich ist das ja kein Neuland. Ich hab’ das Ganze schon einmal mit Uwe Hiksch mitgemacht. Der ging damals zur PDS."

Doch genau dies vermisse er auf kommunaler Ebene. "Ich muss feststellen, dass ich von meinem Ortsverein inzwischen sehr enttäuscht bin und auch das Vertrauen in den Ortsverein verloren habe. Insbesondere vermisse ich Wertschätzung, Respekt und Solidarität", begründet er in dem Schreiben seinen Schritt.

Hintergrund der Entscheidung: Sowohl Norbert Gräbner als auch 2. Bürgermeister Oliver Skall haben Interesse an einer Kandidatur bei der Bürgermeisterwahl 2020 ( NP vom 27. Februar). Beide sind Mitglied im SPD-Ortsverein Oberrodach, der eine ist schon Bürgermeister und zwar seit 23 Jahren, der andere, Skall, ist sein Stellvertreter - und scharrt mit den Hufen, ihn endlich bei den Wahlen im nächsten Jahr beerben zu können. Doch Gräbner, das wurde vor knapp drei Wochen klar, denkt gar nicht ans Aufhören. Schließlich habe er so viele Projekte angeleiert - 20 an der Zahl, bei denen er verschiedene Fördertöpfe angezapft hat. Außerdem könne man mit der Fertigstellung der Ortsumgehung Zeyern im kommenden Jahr den Flächennutzungsplan neu aufstellen und die Gemeindestruktur neu organisieren. Beispielsweise könne das Gewerbegebiet in zwei Richtungen vergrößert werden. "Das ist das, was ich gelernt habe. Ich war jahrzehntelang im Tiefbau beschäftigt, war Bauamtsleiter. Jetzt werde ich gebraucht", betont er noch einmal am Freitag im Gespräch mit der NP .

Doch plötzlich gebe es vereinzelte Stimmen in seinem Ortsverein Oberrodach, den er 20 Jahre lang geführt hat, dass er zu alt sei, dass es jetzt Zeit sei für Jüngere, sprich: für Oliver Skall. "Dass Teile der SPD nicht hinter mir stehen, darüber bin ich schon enttäuscht. Vor allem, weil ich ja ein erfolgreicher Bürgermeister bin", sagt Gräbner.

Für ihn sei es der richtige Schritt - "vom Bauchgefühl her" - jetzt aus der Partei auszutreten, nach fast 37 Jahren Mitgliedschaft. Auch, wenn er ihm schwer gefallen sei. Als Bürgermeister wolle er aber im nächsten Jahr dennoch kandidieren. "Es entscheidet jetzt nicht die Partei, wer Bürgermeister wird, sondern alle Bürger", betont er. Eine mögliche Option wäre es, nun auf der Liste der Sozialen Bürger Marktrodachs (SBM) zu kandidieren. Diese war vor Jahren ins Leben gerufen worden, um der SPD noch mehr Plätze im Gemeinderat zu sichern. Wer auf dieser Liste kandidiert, muss kein SPD-Mitglied sein. Im Gemeinderat bilden SPD und SBM aber eine Fraktionsgemeinschaft. Gräbner kann sich aber auch das Modell "Herbert Schneider" vorstellen. Der langjährige Küpser Bürgermeister war stets erfolgreich parteilos angetreten - ohne Liste im Hintergrund.

Wäre beispielsweise auch die CSU eine Option, nachdem man dort noch auf Kandidatensuche ist? "Das lasse ich im Moment noch offen. Aber die CSU ist auf jeden Fall besser organisiert als die SPD", sagt er mit Blick auf den SPD-Kreisvorsitzenden Ralf Pohl. Der habe, als klar wurde, dass es Unstimmigkeiten zwischen ihm und Skall wegen einer Kandidatur gibt, nichts von sich hören lassen. "Jetzt, wo ich meinen Austritt erklärt habe, will er aktiv werden", ärgert sich Norbert Gräbner.

Ralf Pohl schätzt die Sache anders ein. "Norbert Gräbner hat keinerlei Andeutungen gemacht, dass es grundlegende Probleme gibt", sagt Pohl auf NP-Anfrage. Als klar geworden sei, dass es zwei Bewerber gibt, "stand für mich fest, dass es jetzt ein demokratisches Verfahren zur Entscheidungsfindung braucht". Man sei auf Ortsvereins-Ebene dabei gewesen, sich diesbezüglich abzustimmen. "Es gibt da keinen anderen Weg, um die Sache zu lösen. Man hätte sich gemeinsam auf ein Verfahren einigen müssen", ist Pohl überzeugt. Dass Norbert Gräbner dies offenbar anders sehe und als altgedienter Sozialdemokrat die Partei verlasse, sei für ihn "überraschend" und "ein übereilter Entschluss". Schließlich hätte Gräbner laut Pohl durchaus Chancen gehabt, sich innerparteilich gegen Oliver Skall durchzusetzen. Nun befinde sich die SPD in einer "schwierigen Situation", sagt der Kreisvorsitzende. Ein Weggefährte sei zum Kontrahenten geworden. "Da müssen wir uns zusammensetzen und ausführlich beraten. Ich gehe davon aus, dass die SPD auf jeden Fall einen Kandidaten für das Bürgermeister-Amt stellen wird."

Dabei dürfte es auf Oliver Skall hinauslaufen. Dieser gibt sich am Tag von Norbert Gräbners Entscheidung sehr zurückhaltend. In einer offiziellen Stellungnahme schreibt er: "Die Vorstandschaft des SPD-Ortsvereins Oberrodach zeigt sich sehr überrascht vom Austritt von Norbert Gräbner aus der Partei. Schwer enttäuscht ist man von seiner Entscheidung, nachdem er in den letzten 23 Jahren bei fünf Wahlkämpfen (vier mal Bürgermeister und einmal Landrat) massiv von den Mitgliedern unterstützt wurde. Bislang standen die Mitglieder des SPD-Ortsvereins loyal hinter ihrem Bürgermeister. Die von ihm genannten Gründe für sein Ausscheiden können nicht nachvollzogen werden. Wir bedauern seinen Parteiaustritt." Auf Nachfrage erklärt Skall, dass er noch nicht die Gelegenheit zu einem klärenden Gespräch mit Norbert Gräbner gehabt habe. Er stehe dazu, kandidieren zu wollen und habe die Angelegenheit mit dem Amtsinhaber klären wollen. "Ich wüsste nicht, dass das verwerflich ist."

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Christian Kreuzer

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Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
17:11 Uhr

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Christian Kreuzer

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15. 03. 2019
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