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Kronach

Missglückter Drogenschmuggel durchs "Hintertürchen"

Aus Angst, im Knast nicht an "Stoff" zu kommen, versteckt ein 40-Jähriger Rauschmittel in seinem Körper. Deshalb muss er nun noch länger einsitzen.



Kondom
Nicht nur Drogen waren in dem Kondom.   Foto: Oliver Berg (dpa)

Kronach - Die derbe Redensart, wonach man sich doch etwas in den Hintern stecken möge, hat ein 40 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Kronach nur allzu wörtlich genommen. Weil der angehende Häftling auch im Kittchen nicht auf seine synthetischen Spaßmacher verzichten wollte, unternahm er am 21. März dieses Jahres den Versuch, sich ein buntes Konglomerat an Rauschmitteln anal einzuführen, um es in die JVA Kronach zu schmuggeln.

Dadurch bescherte er zwei Justizvollzugsbeamten eine alles andere als appetitliche Überraschung. Am Donnerstagnachmittag wurde die Sache vor dem Strafgericht des Amtsgerichts Kronach unter Vorsitz von Richter Christoph Lehmann verhandelt. Dieser verlängerte dem 40-Jährigen den Gefängnisaufenthalt wegen Besitzes von Betäubungsmitteln um weitere fünf Monate.

Der Umstand, dass es angesichts der erdrückenden Beweislage nur den Strafrahmen zu verteidigen galt, veranlasste Verteidiger Christoph Schönhofer, im Namen seines Mandanten gleich zu Prozessbeginn reinen Tisch zu machen und die Vorwürfe von Staatsanwalt Philip Pasch vollumfänglich einzuräumen: So habe der Beklagte insgesamt 1,9 Gramm Amphetamin, ein Gramm Marihuana und sieben Subutex-Tabletten, garniert mit einer Handy-Simkarte und einem kleinen Notizblock, in ein Kondom gepackt und vor Haftantritt in seinem Körper versteckt. "Sie wissen aber schon, dass Sie sich dadurch in Lebensgefahr begeben haben, oder?", warf der Vorsitzende voller Unverständnis in Richtung Anklagebank ein.

Seinen Schützling stellte Verteidiger Schönhofer als schwerst drogenabhängig dar, der durch sein Tun lediglich versucht habe, die in der Haft befürchteten Entzugserscheinung abzumildern. Auf Nachfrage des Richters räumte der Beschuldigte ein, seit seinem 22. Lebensjahr Drogen zu konsumieren. Seinen täglichen Bedarf bezifferte er annähernd auf ein bis 1,5 Gramm Heroin; zudem sei er unmittelbar vor dem geplanten Haftantritt von einem Methadon-Programm ausgeschlossen worden. "Es war eine selten glorreiche Idee, sich in der Haft selbst therapieren zu wollen. Meinem Mandanten ist bewusst, dass das jetzt nicht so clever war", fasste der Verteidiger zusammen.

Die Befragung eines Justizwachtmeisters sowie eines Polizeibeamten stützten die Vorwürfe der Anklagevertretung: Bei der routinemäßigen Visitation vor Haftantritt habe man eine Auffälligkeit an der peripheren Körperöffnung festgestellt und den "Corpus delicti" sicherstellen können. Dem Beschuldigten wurde dabei die Tatsache, dass er es den Beamten ersparte, den Fremdkörper zu entfernen, noch als "hohe Kooperationsbereitschaft" ausgelegt. Den Verdacht, dass es sich bei den versteckten Substanzen um Betäubungsmittel handelte, erhärteten diverse durchgeführte Schnelltests im Polizeirevier.

Kurz und schmerzlos machte es Staatsanwalt Pasch in seinem Plädoyer: sechs Monate ohne Bewährung erachtete er für den bereits 13-fach, unter anderem einschlägig vorbestraften Delinquenten als angemessen. Dabei wertete er die Tat unter Entzugserscheinungen, die geringe Menge an Drogen sowie das umfangreiche Geständnis strafmildernd. "Wenn er nicht drogenabhängig wäre, dann hätte er das auch niemals gemacht. Er wusste sich einfach nicht anders zu helfen", hielt der Verteidiger dagegen. Er forderte vier Monate Haft.

Das Gericht wählte mit seinem Urteil schließlich die "goldene Mitte" aus beiden Forderungen.

Autor

Jürgen Malcher
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
06. 12. 2019
15:52 Uhr

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Jürgen Malcher

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Veröffentlicht am:
06. 12. 2019
15:52 Uhr



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