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Kronach

Mit Wehmut und Dankbarkeit

Bei der Dekanatssynode blickt die Kronacher Dekanin Dorothea Richter auf ihr 24-jähriges Wirken im Frankenwald zurück. Dabei wird sie mit viel Applaus belohnt.



Das Bild zeigt Dekanin Dorothea Richter im Jahr 2017, als sie zum Dekanatskirchentag einlud. Foto: Archiv NP  

Kronach - Wehmut lag in der Luft, aber auch Dankbarkeit und Freude, als Dekanin Dorothea Richter bei der Synode des evangelisch-lutherischen Dekanats im evangelischen Gemeindehaus auf ihre Zeit in Kronach zurückblickte. "Als ich hierher kam, war ich die zweite Dekanin in Bayern, ernannt fünf Jahre nach Susanne Kasch in Münchberg. Viele wunderten sich, dass ausgerechnet in Oberfranken die ersten beiden Dekaninnen tätig wurden, nicht etwa in einer Großstadt", blickte sie zurück. Ihr Vorvorgänger sei ein entschiedener Gegner der Frauen-Ordination gewesen. Ihr Vorgänger Peter Hennings dagegen habe Frauen gefördert; mehrere Pfarrerinnen z. A. hätten in Kronach für sie gute Vorarbeit geleistet.

Fair gehandelte Waren für den Erhalt der Schöpfung

In der Aussprache der Synode wies Pfarrer Johann Beck angesichts der aktuellen "Fridays for Future"-Bewegung darauf hin, dass das Thema Erhalt der Schöpfung schon 1985 von der evangelischen Kirche im "Arbeitskreis World" gerade auch mit jungen Leuten diskutiert worden sei. Es sei also nichts Neues. Das bestätigte die Dekanin, die versicherte, dass die Kirche schon lange an diesem Thema dran sei. Aber auch ganz persönlich sollte sich jeder Gedanken machen, was er selbst dazu leisten könne. Ein kleiner, aber wertvoller Beitrag sei beispielsweise der Kauf fair gehandelter Produkte wie Kaffee. Wichtig war ihr die Klarstellung, dass die Beteiligung der Evangelischen Kirche (EKD) - zusammen mit anderen Organisationen - an der Seenotrettung im Mittelmeer nicht mit Kirchensteuermitteln erfolge. Dies sei in den Medien missverständlich kommuniziert worden. In diesem Zusammenhang sprach sie von einer "humanitären Katastrophe ersten Ranges" im Mittelmeer. Die EKD habe deshalb hierfür einen Spendenaufruf gestartet. hs


"Mir liegt sehr an einem geschwisterlichen Miteinander: Das Gegenteil vom Patriarchat ist nach meiner Überzeugung nicht der Amazonenstaat, in dem Frauen sich auf Kosten der Männer durchsetzen, sondern die geschwisterliche Gemeinschaft. Ich finde es sehr schön, dass ich im Team der Kronacher Hauptamtlichen mit zwei Pfarrern und einer Diakonin zusammenarbeiten kann", betonte Richter.

Im Pfarramts- und Dekanatsbüro waren 1995 vier Sekretärinnen tätig, die insgesamt 2,5 Stellen - 100 Wochenstunden - hatten. Inzwischen arbeiten in Kronach eine Pfarramts- sowie Dekanats-Sekretärin mit 30 beziehungsweise 25 Wochenstunden, zusammen also 55 Wochenstunden. Während früher akribisch Karteikarten beschriftet worden seien, sei man heute über das Intranet an das kirchliche Meldewesen angeschlossen.

Da sie in Rummelsberg die Diakoninnen-Gemeinschaft geleitet habe und auch als älteste Schwester mit drei jüngeren Schwestern aufgewachsen sei, habe sie gemeint, auf Leitungsaufgaben vorbereitet zu sein. Allerdings hätte sie eine neue Rolle als Chefin unterschätzt - nämlich, notfalls auch arbeitsrechtliche Mittel einsetzen zu müssen, wenn jemand nicht zufriedenstellend arbeite. 1995 wurden die Diakoniestation und das evangelische Altenheim noch ehrenamtlich geleitet. "Der Vorstand des Diakonievereins war für alles zuständig und haftbar", erläuterte die Dekanin. Beides - Diakoniestation und das Altenheim, inzwischen Lucas-Cranach-Haus - wurden später an das Diakonische Werk Kronach-Ludwigsstadt/Michelau übergeben. 1996 sei plötzlich die Herausforderung eines Kirchenasyls gekommen. Eine achtköpfige kurdische Familie wohnte einige Monate im Untergeschoss des Gemeindehauses an der Kronachallee, bis man eine Duldung erreichen konnte. Gestaunt habe sie damals über die große Unterstützung der Bürger sowie des Arbeitskreises Asyl.

In den Jahren nach 1995 waren noch viele Geschichten über die friedliche Wiedervereinigung zwischen Ost und West im Umlauf. Die Einweihung der Grenz- und Friedenskapelle in Burggrub - verbunden mit einer internationalen Jugendbegegnung - sei ein weithinaus ausstrahlendes Ereignis gewesen. "Die Kirchenmusik spielt im Süden und Norden des Dekanatsbezirks eine große Rolle", freute sie sich: In Kronach das große klassische Kirchenmusikprojekt von Dekanatskantor Marius Popp mit internationalen Solisten an der Orgel, dem Aufbau des Dekanatschors und die Entdeckung der Seibelsdorfer Markgrafenkirche als Konzertraum. In Ludwigsstadt ist der SMS-Chor unter Leitung von Dekanatskantor Sigurd Knopp tätig: ein generationen- und grenzübergreifendes Projekt mit Oratorien eher im Bereich Pop-Musik.

Auch nach der Dekanatsfusion habe man die Beschlüsse einvernehmlich getroffen. "Die Trauer darüber, das "kleine, aber feine Dekanat Ludwigsstadt mit zuletzt 4900 Gemeindemitgliedern aufzugeben und mit Kronach zusammenzuführen, habe ich immer verstanden", versicherte sie. Jedoch habe sie angesichts einer weiter abnehmenden Anzahl der Protestanten am Rennsteig keinen anderen Weg gesehen. Inzwischen sei das Dekanat etabliert.

Katholizismus und Pietismus würde sie als zwei prägende Faktoren der von ihr in Kronach erlebten Frömmigkeit beschreiben. Hinsichtlich der Ökumene gab es ökumenische Einweihungsfeiern zuhauf - vom Schlachthof bis zum Blumengeschäft, Gottesdienste, Trauungen und Vereinsjubiläum. Neben dem katholischen Einfluss nehme sie auf evangelischer Seite den Pietismus wahr, mit vielen Hauskreisen und kleinen Gruppen, die sich mit der Bibel beschäftigten, oder Freizeiten für Kinder und Jugendliche. Als bereichernd empfand sie das Miteinander von Synodalen aus allen Regionen der bayerischen Landeskirche in der Landessynode, der sie in der jetzt zu Ende gehenden Wahlperiode seit 2013 noch einmal angehörte.

Für die sichtlich gerührte Dekanin gab es langen Applaus. Es falle ihr schwer, hier vieles noch als Fragment unvollendet zurückzulassen, räumte sie ein. Man müsse lernen, die eigene Kraft nicht zu überschätzen.

Bereits jetzt lud sie alle Anwesenden zu ihrer Verabschiedung am Samstag, 30. November, ein: Um 14 Uhr steht ein Gottesdienst in der Christuskirche Kronach mit Übertragung in das Gemeindehaus auf dem Programm, um 16 Uhr ein Empfang in der Kronachtalhalle in Steinberg mit Grußworten und Imbiss.

Autor

Heike Schülein
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
17:10 Uhr

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Heike Schülein

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Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
17:10 Uhr



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