Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Kronach

Mitfahrbänke-Test 2.0

Vor wenigen Monaten ließ das System zu wünschen übrig: Der Versuch, per Anhalter von Wildenberg nach Kronach zu kommen, scheiterte. Inzwischen klappt das deutlich besser.



In Weißenbrunn gibt es nun auch eine Mitfahrbank, von der aus man Richtung Kronach fahren kann. NP -Reporterin Julia Knauer freut‘s. Fotos: Anja Barthen   » zu den Bildern

Weißenbrunn - Wir sind fast ein wenig aufgeregt, als wir uns am Dienstagvormittag auf den Weg nach Wildenberg machen: Fotografin Anja Barthen und ich wollen unseren Mitfahrbänke-Test von Anfang Mai (die NP berichtete) wiederholen. Genau wie damals wollen wir versuchen, per Anhalter von Wildenberg bis in die Kreisstadt Kronach zu kommen. Bei unserem ersten Versuch haben wir es leider nur bis Weißenbrunn geschafft und mussten uns schließlich, nachdem wir mehr als eine Stunde in der Kälte standen und es zu allem Übel auch noch zu regnen anfing, von NP -Redakteurin Bianca Hennings "retten" lassen. So viel sei vorweg verraten: Diesmal schaffen wir es ohne Hilfe Dritter bis ans Ziel - wenn auch nicht ganz reibungslos.

Hintergrund

Das Konzept hinter den Mitfahrbänken ist denkbar einfach: Wer in den nächsten Ort mitgenommen werden will, setzt sich auf das Bänkchen und wartet auf einen freundlichen Autofahrer, der anhält. Der Verein "Oberfranken Offensiv" hat die Kommunen im Regierungsbezirk dazu befragt. Aus der Untersuchung geht hervor, dass die Bänkchen durchaus von Menschen aller Altersgruppen genutzt werden. Allerdings bewerten die meisten Kommunen den Erfolg ihrer Bänkchen bislang nur als durchschnittlich. Um die Nutzungshäufigkeit weiter zu steigern, ist es laut Frank Ebert, Geschäftsführer des Demografie-Kompetenzzentrums Oberfranken in Kronach, wichtig, den Bekanntheitsgrad der Mitfahrbänke zu steigern. Zum anderen müssten die Standorte der Bänke besser miteinander vernetzt und angebunden werden. "Am Ende müssen sich die Leute nur noch trauen, sich auch draufzusetzen", sagt er.

Mit Überzeugungsarbeit könne das gelingen. In Weißenbrunn versucht man das bereits: Seit einigen Monaten hat man sich auf die Fahnen geschrieben, Modell-Gemeinde in Sachen Mitfahrbänke zu werden. Inzwischen wurden in jedem Ortsteil welche aufgestellt. Außerdem können sich Menschen, die bereit sind, jemanden mitzunehmen, als Ehrenamtliche der Gemeinde eintragen lassen - und sind bei ihren Fahrten somit durch eine zusätzliche Versicherung geschützt.

 

Gegen 10 Uhr vormittags finden wir uns also wieder an der Mitfahrbank in Wildenberg ein. Gleich von Beginn an legen wir fest: Wenn uns innerhalb einer halben Stunde niemand mitnimmt, fahren wir mit dem eigenen Auto bis Weißenbrunn und probieren dort noch einmal unser Glück. Denn länger würde jemand, der tatsächlich auf eine Mitfahrgelegenheit hofft, wohl auch nicht warten.

 

Wir haben uns noch nicht einmal hingesetzt, da öffnet sich schon ein Fenster in dem Haus, vor dem die Mitfahrbank platziert ist. Dahinter zum Vorschein kommt NP -Mitarbeiter Dieter Wolf, der dort zu Hause ist. "Ha! Euch kenne ich doch!", ruft er fröhlich und erkundigt sich sogleich, was uns nach Wildenberg führt. Wir erklären ihm unsere Mission, woraufhin er sogleich anbietet, uns zu fahren - er wolle sowieso gleich nach Kronach. Dankend lehnen wir ab. Schließlich wollen wir unter realen Bedingungen testen, ob das Mitfahrbänke-System funktioniert. Uns einfach von einem Kollegen chauffieren zu lassen, erscheint uns da ein wenig zu einfach - obwohl er uns glaubhaft versichert, dass er auch jedem anderen einen Platz in seinem Auto angeboten hätte. Er sei sogar als ehrenamtlicher Fahrer in der Gemeinde registriert.

In der kommenden halben Stunde fahren ein paar Autos an uns vorbei - viel Verkehr gibt es in dem kleinen Wildenberg allerdings nicht. Eine Fahrerin stutzt kurz, als sie uns sieht und wird langsamer. Wir freuen uns schon, weil wir glauben, das sie uns mitnehmen will. Da überlegt sie es sich offensichtlich anders und gibt doch wieder Gas. Auch von den anderen Autofahrern werden wir mehr oder weniger ignoriert. Wie vorab ausgemacht, beschließen wir also nach etwas mehr als 30 Minuten, diesen Teil des Selbstversuchs für gescheitert zu erklären und machen uns auf den Weg nach Weißenbrunn.

Dort ist seit Mai eine ganz entscheidende Verbesserung eingetreten: Während es damals nur eine Bank in Fahrtrichtung Kulmbach gab - die bei unserem ersten Test zudem nicht an ihrem Platz stand, weil sie zuvor angefahren worden war - gibt es nun auch eine in die Gegenrichtung. Trotzdem sind wir gespannt, ob jemand anhalten wird. Denn einerseits herrscht in Weißenbrunn natürlich deutlich mehr Verkehr. Andererseits kommen dadurch auch relativ viele Auswärtige vorbei und alles ist viel unpersönlicher als im kleinen Wildenberg.

Doch wir werden positiv überrascht: Nachdem wir von ein paar Autofahrern neugierig beäugt und von einem Lasterfahrer freundlich angehupt werden, hält nach gerade einmal zehn Minuten tatsächlich ein Mann mittleren Alters an und bedeutet uns, in sein Auto einzusteigen. Während der Fahrt sagt er uns, dass er in Weißenbrunn lebt, in der Zeitung will er seinen Namen aber nicht nennen. "Ich habe schon drei- oder viermal Leute mitgenommen, die auf der Bank saßen", erzählt er. In der Regel seien das Leute gewesen, die er, zumindest vom Sehen, kannte. Auch in Wildenberg habe er schon einmal jemanden aufgelesen. "Aber eigentlich ist es schade, dass die Bänke so wenig von älteren Leuten genutzt werden. Denn für die sind sie ja eigentlich gedacht", findet er.

Ehe wir uns versehen, sind wir auch schon in Kronach angekommen. Netterweise setzt uns unsere Mitfahrgelegenheit sogar direkt am Kaulanger-Parkplatz ab, wo unser zweites Auto steht - obwohl der Mann dafür einen kleinen Umweg in Kauf nehmen muss. "Das mache ich doch gerne", sagt er lächelnd, bevor wir uns verabschieden.

Fazit: Das Mitfahrbänke-System in der Gemeinde Weißenbrunn hat sich seit Mai merklich verbessert. Allein schon, weil inzwischen deutlich mehr der rot-grün-blauen Sitzgelegenheiten am Straßenrand aufgestellt wurden. Neben der zweiten Bank in Weißenbrunn gibt es jetzt zum Beispiel auch welche bei Thonberg/Reuth. Das ist auch gut so, schließlich will Weißenbrunn Modell-Gemeinde in Sachen Mitfahrbänke sein (die NP berichtete).

Allgemein hat man den Eindruck, dass das Ganze so langsam aktiv ins Bewusstsein der Bürger rückt. Während wir im Mai noch von vielen Autofahrern komplett ignoriert oder mit skeptischen Blicken bedacht wurden, werden wir diesmal von den meisten interessiert beäugt, manch einer lacht uns freundlich zu oder winkt sogar. Auch, dass wir in Weißenbrunn schon nach wenigen Minuten aufgelesen werden, spricht für sich. In unserem Bekanntenkreis sind die auffälligen Bänke ebenfalls immer wieder ein Gesprächsthema - auch unter Leuten, die sie selbst noch nie benutzt haben.

Ob die Mitfahrbänke tatsächlich eine zuverlässige Möglichkeit sind, um von A nach B zu kommen, sei dennoch dahingestellt. Wer weiß, wie lange wir noch Wildenberg gewartet hätten, wären wir nicht selbst nach Weißenbrunn gefahren. Andererseits: Hätten wir das Angebot von Dieter Wolf angenommen, wären wir wahrscheinlich schneller in Kronach gewesen als von Weißenbrunn aus.

Die Idee hinter dem Ganzen ist auf jeden Fall gut und könnte die Mobilität tatsächlich verbessern - gerade im ländlichen Raum, wo man sich untereinander gut kennt. Um die Mitfahrbänke wirklich zum Erfolgsmodell werden zu lassen, müssten sie aber noch viel mehr genutzt werden - sowohl von Leuten, die mitgenommen werden wollen als auch von Autofahrern, die bereit sind, jemanden mitfahren zu lassen. Denn: Selbst die beste Erfindung bringt nichts, wenn sie nicht ausreichend akzeptiert wird.

Autor
Julia Knauer

Julia Knauer

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
03. 09. 2019
17:58 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Auto Autofahrer Bürger Ehrenamtliches Engagement Freude Gemeinde Weißenbrunn Glück Mobilität Ortsteil Verkehr
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema

06.05.2019

Per Anhalter durch die Gemeinde

Weißenbrunn will Vorreiter in Sachen Mitfahrbänke sein. Ein Selbstversuch zeigt jedoch: Die Idee ist gut - das System allerdings noch ausbaufähig. » mehr

Esel knabbert Sportwagen an

20.08.2019

Esel behindern Verkehr bei Mitwitz

Für die drei Esel war es ein gemütlicher Ausflug, für Autofahrer eine anspruchsvolle Situation. » mehr

05.09.2019

Zementplombe besiegelt das Aus

Der Zweckverband zur Wasserversorgung der Eichenbühler Gruppe steht vor der Auflösung. Zuvor wird aber noch der Tiefbrunnen zurückgebaut. Und das Areal soll verkauft werden. » mehr

18.09.2019

Das moderne Logo gefällt

Viele Bürger hatten ihre Ideen eingebracht. Nun wurde das neue Erkennungszeichen vorgestellt. Es kann sich durchaus sehen lassen. » mehr

29.03.2019

Weißenbrunn wird Modellgemeinde

In den verschiedenen Ortsteilen werden neun Mitfahrbänke installiert. Damit will man die Mobilität verbessern - insbesondere für Senioren. Doch es gibt auch Zweifler. » mehr

Bagger. Symbolfoto

28.05.2019

Burkersdorf wird zur Baustelle

Die Pläne zur neuen Ortsdurchfahrt stießen im Vorfeld bei Anwohnern auf wenig Gegenliebe. Für eine Kompromisslösung gab es dennoch bei der Bürgerversammlung am Ende Applaus. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Kirchweih Lahm

Kirchweih Lahm | 15.10.2019 Lahm
» 16 Bilder ansehen

Oktobermarkt in Ebern

Oktobermarkt in Ebern | 14.10.2019 Ebern
» 12 Bilder ansehen

Schauübung der Kronacher Feuerwehr

Schauübung der Kronacher Feuerwehr | 14.10.2019 Kronach
» 13 Bilder ansehen

Autor
Julia Knauer

Julia Knauer

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
03. 09. 2019
17:58 Uhr



^