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Kronach

Neues im Fall Emilio Benedetti

Der Zwangsarbeiter aus Italien war 1945 heimlich in Nordhalben beerdigt worden. Horst Mohr erforscht sein Schicksal.



Horst Mohr  

Nordhalben - Seit Jahren recherchiert Horst Mohr über die nationalsozialistische Vergangenheit von Nordhalben. Unlängst hatte der gebürtige Nordhalbener, der seit mehr als 50 Jahren in Berlin lebt, bei einer Veranstaltung des Frankenwaldvereins seine bisherigen Ergebnisse über die Hinrichtung eines "namenlosen Soldaten" im Jahr 1945 vorgestellt und eine Broschüre mit zahlreichen Details und Quellen verteilt (die NP berichtete). Seitdem hat Mohr weitere Einzelheiten über die Ermordung Nordhalbener Bürger in den Jahren 1940/41 in den Tötungsanstalten der Nazis in Hartheim/Österreich und Sonnenstein/Pirna herausgefunden. Zu seiner Überraschung gab es bis dahin anscheinend in sämtlichen ihm vorliegenden Chroniken und Biografien aus dem Ort von 1954 bis 2010 hierzu keinerlei Hinweise.

Dabei muss seiner Ansicht nach davon ausgegangen werden, dass die Schreiben aus den Tötungsanstalten an die Angehörigen der Ermordeten - in Nordhalben dürfte es sich laut Mohr wohl um katholische Bürger gehandelt haben - der Gemeinde und den Pfarrämtern nicht verborgen geblieben sein dürften. Im Standesamt seien die Todesfälle jedenfalls vermerkt. Eines dieser "Standardschreiben voller verlogener und erbärmlicher Verschleierungen der Todesumstände" liegt ihm vor - andere könnten in Archiven eingesehen werden.

Weitere Opfer der NS-Mordaktion könnten sich laut Mohr unter den in einem Buch erwähnten drei Nordhalbenern befinden, die anscheinend auf Hinweis des NS-Kreisleiters Müller aus Nordhalben "verschwanden". Einen dieser Unglücklichen glaubt Mohr unter mehreren in den 1930er Jahren Zwangssterilisierten aus Nordhalben gefunden zu haben. Auch von einer Anfrage beim Erzbischöflichen Archiv in Bamberg erhofft er sich neue Hinweise.

Eine überraschende Wendung scheint es Mohr zufolge im Fall des im Frühjahr 1945 auf dem evangelischen Friedhof Heinersberg heimlich und ohne kirchlichen Beistand beerdigten italienischen Staatsbürgers Emilio Benedetti zu geben. Zunächst war Mohr aufgrund einer Liste von Zwangsarbeitergräbern im Landkreis davon ausgegangen, dass dieser in einem der Nordhalbener Zwangsarbeiterlager untergebracht war. Nun deuten neue, ihm vorliegende Dokumente darauf hin, dass Benedetti aus dem Lager Dora des KZs Buchenwald fliehen konnte. Die näheren Umstände seiner Erschießung zu klären, sollte jedoch "Aufgabe von Nachfragen vor Ort für an Heimatgeschichte anderer Art Interessierte sein", betont Mohr. Akten von Polizei oder anderer Behörden hierzu sollten noch auffindbar sein.

Mohr wird demnächst auf Einladung an einer Gedenkveranstaltung im Rheinland teilnehmen. Die Stadt Bensheim will mit der Einweihung einer Stele an drei Erschossene erinnern. Vermutlich, so Mohr, seien sie vom Standgericht Helm - dieses war der ursprüngliche Anlass seiner Nordhalben-Recherche - erschossen worden.

Er erhofft sich dabei auch weitere Anregungen für sein ursprüngliches Anliegen: eine Gedenktafel für den in Nordhalben erschossenen "namenlosen Soldaten" Willibald Frischmann, mit dem Namen von Opfer und Tätern, zur Erinnerung und als Mahnung. red

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11. 11. 2017
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11. 11. 2017
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