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Kronach

Prozess: Zusteller entsorgt Pakete im Wald

Ladung im Wert von 5900 Euro hat ein Mann aus dem Kreis Kronach einfach nicht zugestellt. Beinahe bringt ihn das ins Gefängnis.



Zusteller entsorgt Pakete im Wald
Zusteller entsorgt Pakete im Wald.   Foto: Polizei

Kronach - Weil er lieber Fußball spielen und einer Geburtstagsfeier beiwohnen wollte, hat ein ehemaliger Paketzusteller aus Kronach seine etwa 70 Pakete umfassende Ladung im Wert von annähernd 5900 Euro Ende März des vergangenen Jahres einfach am Rand eines Waldgrundstücks in einer Landkreisgemeinde deponiert. Dafür wurde er vor dem Amtsgericht Kronach unter Vorsitz von Richter Christoph Lehmann am Donnerstag wegen Verletzung des Postgeheimnisses zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt.

Der mehrfach vorbestrafte und unter Bewährung stehende 25-jährige Vater eines Kindes räumte die Vorwürfe von Staatsanwältin Tatjana Winterholer vollumfänglich ein und gab sich reumütig: "Das war ein riesengroßer Fehler von mir. Ich habe über die Konsequenzen einfach nicht nachgedacht." Nachdem er die Tätigkeit bei einem Paketzusteller Ende Februar 2018 angetreten hatte, sei er durch die teils immense Arbeitsbelastung schnell überfordert gewesen. Den Tattag beschrieb er als besonders zeitaufwendig und stressig. Und so habe er die Frachtgüter eigenmächtig abgescannt und sich ihrer entledigt - auch deshalb, um seinem Arbeitgeber den Vollzug der Zustellung vorzugaukeln. "Sie haben also gemerkt, dass Sie die Tour nicht schaffen?", vergewisserte sich der Richter. Darauf der Angeklagte: "Ja. Ich hatte an dem Tag auch noch anderes Zeug zu tun: Fußball, et cetera - und ein Geburtstag. Das war für mich damals einfach wichtiger." Lehmann zeigte hierfür kein Verständnis und verdeutlichte ihm: "Wenn Sie jetzt ein fünfjähriges Kind fragen, ob man Pakete einfach so im Wald ablegen darf, würde es Ihnen sagen: ‚Das geht mal gar net!‘ Da hätte sich jeder, der vorbeifährt, bedienen können." Der Angeklagte beteuerte daraufhin, dass es seine feste Absicht gewesen sei, die Päckchen an einem anderen Tag abzuholen und auszufahren. Zu diesem Zweck habe er sie auch wetterfest gemacht. Als einen glücklichen Zufall darf man es wohl bezeichnen, dass die Fracht letztendlich entdeckt wurde und überdies noch vollzählig war.

Und so drehte sich die Verhandlung nachfolgend darum, ob denn der Angeklagte wegen der bereits laufenden Bewährungsstrafe noch auf freiem Fuß bleibt. Mittlerweile sei es ihm nach eigenen Worten gelungen, in einem Unternehmen Fuß zu fassen und eine Ausbildung zu beginnen. "Jeder, der mich kennt, sagt, dass ich in diesem Beruf voll aufgehe", unterstrich er. Die bohrenden und kritischen Nachfragen des Richters, warum er bisher nicht einen einzigen Termin bei seinem Bewährungshelfer wahrgenommen habe, begründete er mit der Doppelbelastung durch seinen Haupt- und einen Nebenjob.

"Diese Tat wurde aus reiner Dummheit begangen. Er hatte genug Möglichkeiten, sich zu beweisen", zeigte sich die Staatsanwältin - auch aufgrund des ellenlangen Vorstrafenregisters des Beklagten und einer ihrer Meinung nach negativen Sozialprognose - überzeugt und forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung. "Daran können Sie das nicht festmachen", hielt Verteidigerin Anett Raumschüssel in ihrem Plädoyer dagegen und betonte unter anderem eine damalige psychische Ausnahmesituation ihres Mandanten. Ihre Forderung: neun Monate zur Bewährung. "Ich möchte mich nochmals ausdrücklich entschuldigen. Ich werde niemals mehr straffällig", versprach der Angeklagte.

Richter Lehmann folgte in der Höhe der Strafe der Staatsanwaltschaft, gab dem Angeklagten jedoch eine letzte Chance, sich zu bewähren: "Das war haarscharf an der Grenze. Das nächste Mal geht‘s in den Bau."

 

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Jürgen Malcher
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Veröffentlicht am:
10. 01. 2019
17:38 Uhr

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10. 01. 2019
17:38 Uhr



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