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Kronach

Prozess um Verfolgungsjagd endet straffrei

Das Amtsgericht Kronach beschäftigte sich mit einem vermeintlichen Autodiebstahl. Dabei ging es auch um Gespräche zwischen Paaren.



Prozess um Verfolgungsjagd endet straffrei  

Kronach - Ein Fall um den mutmaßlichen Diebstahl eines Autos wurde am Donnerstag vor dem Amtsgericht Kronach unter Vorsitz von Strafrichter Christoph Lehmann verhandelt. Ein 23-Jähriger aus dem Landkreis Kronach musste sich unter anderem wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Vortäuschens einer Straftat und falscher Verdächtigung verantworten, weil er am 17. Dezember des vergangenen Jahres einem zur Fahrt nicht berechtigten weitläufigen Verwandten seinen Audi A3 überlassen und das Auto tags darauf bei der Polizei wider besseres Wissen als gestohlen gemeldet haben soll.

Das Pikante dabei: Das Fahrzeug und der Bekannte des Angeklagten waren da schon längst zu den "Hauptdarstellern" in einer aufsehenerregenden Verfolgungsjagd mit der Polizei durch die Landkreise Coburg und Kronach avanciert, in deren Verlauf bei Muppberg, Landkreis Coburg, um Haaresbreite eine Frau überfahren worden wäre (die NP berichtete). Doch wegen einer Wendung und nicht erschienener Zeugen konnte das Gericht die Schuld des Angeklagten letztendlich nicht zweifelsfrei beweisen und stellte das Verfahren vorläufig ein.

Der Angeschuldigte schwieg zu Beginn ob der Vorwürfe von Staatsanwältin Julia Haderlein, sodass eine umfangreiche Beweisaufnahme begann. Noch bei mehreren aufeinander folgenden polizeilichen Vernehmungen machte der Beklagte nach Aussage der als Zeugen geladenen ermittelnden Beamten widersprüchliche Angaben: Bei der zuerst getätigten Diebstahlsanzeige am 18. Dezember erstellte der 23-Jährige noch eine Liste mit potenziellen Fahrzeugdieben, nur um in einer weiteren Vernehmung den Beamten einen Tag später eine vollends andere Darstellung der Geschehnisse zu präsentieren: In einer Verkettung unglücklicher Umstände sei dem Anverwandten durch ein Versehen der Schlüssel für das Fahrzeug ausgehändigt worden. Das Resümee eines der Gesetzeshüter: "Für mich hat alles nicht glaubhaft geklungen." Der Verteidiger hielt dagegen: "Er hat seine Aussagen damals nach bestem Wissen und Gewissen gemacht." Er verwies auf die dritte Version, die von der Lebensgefährtin des Beschuldigten untermauert wurde:

Nachdem ihr Freund, der Angeklagte, das Haus zwecks eines Wirtshausbesuchs verlassen hatte, habe sie der Verwandte aufgesucht und von ihr die Herausgabe des Fahrzeugschlüssels gefordert. Dabei habe er seiner Forderung durch vehementes Schubsen und das Mitführen einer Eisenstange Nachdruck verliehen. Auch soll er gedroht haben, dem Kind der Frau Leid zuzufügen. "Das ist ein sehr schwerer Vorwurf", konstatierte Richter Lehmann hierzu und erinnerte die Zeugin eindringlich an ihre Wahrheitspflicht. Die Aussagekorrekturen ihres Freundes begründete die 22-Jährige damit, dass sie nach dessen Heimkehr aus Angst geschwiegen und ihn ihrerseits nur häppchenweise über die Geschehnisse informiert habe - zu einem Zeitpunkt, als dieser den Verlust des Autos allerdings schon bemerkt und Anzeige erstattet hatte. "Für ihn war das ja zu der Zeit noch die Wahrheit", verdeutlichte sie. Der Richter reagierte ob des langen Schweigens der Zeugin mit Unverständnis: "Ist es in einer Beziehung nicht das Normalste der Welt, dass das sofort herausplatzt?" Den derzeit in einer Entziehungsanstalt einsitzenden Verwandten, der als Sündenbock prädestiniert schien, bezeichnete sie im Verlauf ihrer Vernehmung als extrem gewalttätig und "jemanden, mit dem ich eigentlich den Kontakt vermeide", denn "ich kenne ihn und weiß, was er schon alles gemacht hat".

Zwei weitere formlos geladene Zeuginnen, die der Kamikaze-Fahrt als Beifahrerinnen beiwohnten, blieben der Verhandlung unentschuldigt fern. Daraufhin stellte Richter Lehmann das Verfahren im Einvernehmen mit allen Beteiligten vorläufig ein. Sollten sich die Darstellungen der Zeugin erhärten, erwartet den Verwandten des Beschuldigten ein weiteres Strafverfahren.

Autor

Jürgen Malcher
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Veröffentlicht am:
11. 08. 2019
18:04 Uhr

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Jürgen Malcher

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Veröffentlicht am:
11. 08. 2019
18:04 Uhr



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