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Kronach

Rosenberg Festspiele: Götter treffen Sterbliche

Die Rosenberg Festspiele peilen die letzte Premiere der Saison an. Auf der Theaterwiese geht es rund.



Sosias (Tom Ohnerast) erzählt Amphytrion (Dennis Pfuhl) eine aberwitzige Geschichte. Foto: Nicole Julien Mann  

Kronach - Wie sich das wohl anfühlt, wenn man sich eines Tages selbst gegenübersteht, also praktisch schon da ist, wo man gerade hin will und sich selbst dann aber den Zutritt ins eigene Heim verbietet? Der Diener Sosias wundert sich, den Zuschauer freut’s. Denn die Frage "Wer bin ich und wenn ja wie viele?" wird in der Komödie "Amphytrion" auf’s Vergnüglichste durchdekliniert: Das Götteroberhaupt Jupiter gibt sich als Amphytrion aus, um bei dessen Gattin Alkmene zu landen. Götterbote Merkur muss zu seinem Verdruss den Diener Sosias geben und nutzt seinen erschlichenen Heimvorteil bei der Gattin auf ganz eigene Art.

Der Stoff aus der griechischen Mythologie begeistert seit Tausenden von Jahren auf Theaterbühnen. Für die Rosenberg Festspiele hat Regisseur Axel Weidemann eine eigene Version geschrieben, vor allem um Text einzusparen. Mit großem Respekt habe er sich der Originalfassung von Heinrich von Kleist genähert und so manches Mal gedacht: "Was habe ich mir da angetan?" Aber siehe da, der Kleist’sche Humor zeigte sich an der ein oder anderen Stelle vielleicht etwas antiquiert, aber im Großen und Ganzen sei er sehr aktuell. "Ich behaupte mal, ich habe den Witz im Kleist’schen Sinne modernisiert", sagt Weidemann und grinst verschmitzt.

Das mag man ihm gerne glauben, denn schon bei seinem Einstand in Kronach vor zwei Jahren überzeugte er mit seiner Fassung des Dschungelbuchs. Damit ist er jetzt schon erfolgreicher als es Heinrich von Kleist zu Lebzeiten jemals war. Die Uraufführung von "Amphytrion" fand erst 92 Jahre nach dessen Tod statt. "Was nutzt der tollste Humor, wenn keiner einen versteht", kommentiert Schauspieler Dennis Pfuhl lapidar, der die Rolle des Feldherrn übernimmt.

Das Ensemble der Rosenberg Festspiele scheint regelrecht elektrifiziert zu sein von dem Stück. Tom Ohnerast alias Sosias schwärmt gar von der wichtigsten und schönsten Rolle, die er bisher spielen durfte. Auch Dennis Pfuhl ist schon seit Schulzeiten bekennender Fan des "Gottes Kleist". Sprachschönheit, Wortwitz, ein rasanter Plot - im Stück sind diese Zutaten aufs Feinste aufeinander abgestimmt. Und trotz antiquierter Syntax mit verschachtelten Sätze und verzwicktem Versmaß - Schauspieler und Regisseur sind begeistert vom Text. "Man muss fleißig sein, konzentriert und ehrlich bleiben und eine innere Choreographie entwickeln", meint Ohnerast. Weidemann bestätigt: "Ein Satz geht sofort unter, wenn man nicht weiß, was man sagt. Und dann kommt noch das Komödientiming dazu...". Das sei wie ein Korsett, denn lässiges Improvisieren killt Pointen. Weidemann verrät noch nichts, aber seine Augen funkeln viel versprechend. Mit dem Rollenstereotyp der Alkmene sei er nicht ganz einverstanden: "Am Schluss bin ich sehr frech!" Premiere ist am Mittwoch, 17. Juli. Das Profi-Ensemble wird ergänzt durch lokale Publikumslieblinge. "Verwechslung, Spaß und Gefühle auf der Bühne", verspricht Festspielchefin Kerstin Löw. "Amphytrion, das ist großartige Theaterliteratur. Punkt."

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Nicole Julien-Mann
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Veröffentlicht am:
10. 07. 2019
17:28 Uhr

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10. 07. 2019
17:28 Uhr



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