Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Kronach

Rückkehr zur Normalität

Die IHK fordert eine schrittweise Öffnung der Kronacher Wirtschaft. Und sie appelliert an die Verbraucher.



Kronach - "Seit Ende des Zweiten Weltkriegs war der Druck auf die Kronacher Wirtschaft nicht mehr so stark wie in den vergangenen Wochen", sagt IHK-Vizepräsident Hans Rebhan, der auch Vorsitzender des IHK-Gremiums Kronach ist. 82 Prozent der Unternehmen erwarten laut einer aktuellen IHK-Umfrage für 2020 einen Umsatzrückgang, jedes dritte Unternehmen rechnet mit einem Personalabbau, zwölf Prozent der Unternehmen droht demnach sogar die Insolvenz. "Deshalb ist es wichtig, die Wirtschaft schrittweise wieder zu öffnen", wird Rebhan in einer Pressemitteilung zitiert.

Nach Ansicht von Rebhan ist das Gesamtpaket aus Corona-Soforthilfe, der Ausweitung der Kurzarbeiterregelung, Steuererleichterungen und Kreditprogrammen mit weitgehender Haftungsfreistellung ausgewogen zusammengestellt. Auch im nationalen und internationalen Vergleich gebe es nirgendwo ähnlich umfangreiche Hilfsmaßnahmen. "Dafür sage ich im Namen der betroffenen Unternehmerinnen und Unternehmer vielen Dank an die Bundes- und vor allem Landespolitik", so der IHK-Vertreter. Wichtig sei nun, dass das Geld auch zeitnah bei den Unternehmen ankommt. "Bei etlichen Unternehmen zählt buchstäblich jeder Tag ", so Rebhan, der die Regierung von Oberfranken lobt, die schon über 10 000 Anträge für die Corona-Soforthilfe bearbeitet habe.

Rebhan begrüßt die vorsichtige Rückkehr zur Normalität. Dass die Öffnungen schrittweise vollzogen werden müssen, sei mit Blick auf das Virus nachvollziehbar. "Unsere Unternehmen und die vielen Soloselbstständigen brauchen aber möglichst frühzeitig Informationen und vor allem Planungssicherheit, unter welchen Rahmenbedingungen die Aktivitäten wieder gestartet oder ausgeweitet werden dürfen." Bei allen Regulierungen müsse jetzt der Grundsatz "keep it simple" gelten.

Rebhan plädiert für fixe Regeln für alle Branchen. "Ich kann nachvollziehen, dass man Menschenansammlungen vermeiden will. Trotzdem halte ich es für falsch, dass Geschäfte über 800 Quadratmeter und Fachmarktzentren geschlossen bleiben müssen. Das empfinden die betroffenen Händler als ungerecht, wie auch zahlreiche Anrufe bei der IHK zeigen", betont der Vizepräsident. Erste gerichtliche Entscheidungen in anderen Bundesländern hätten den Zweifel an der Rechtmäßigkeit dieser Abgrenzung bereits bestätigt. Betroffene gebe es viele: Zwei Drittel der Einzelhändler haben in der IHK-Blitzumfrage einen Stillstand der geschäftlichen Tätigkeit angegeben. Hart treffe es auch viele Dienstleistungsbetriebe, die Unternehmen im Veranstaltungssektor, im Messewesen sowie Schausteller, da bis auf Weiteres keine Großveranstaltungen, Messen oder Volksfeste stattfinden.

"Die Industrie ist Motor der Wirtschaft im Frankenwald und erwirtschaftet eine hohe Wertschöpfung. Ziel muss es nun sein, dass die gesamte Wertschöpfungskette zum Laufen kommt und nicht nur einzelne Teile daraus", betont Rebhan. Deutlich wird das an der Automobilbranche in ihrem engen Zusammenspiel mit den vielen Zulieferern auf der einen und den Autohäusern auf der anderen Seite. Schon vor der Corona-Zeit habe die heimische Zulieferindustrie mit Problemen zu kämpfen gehabt. "Umso wichtiger ist ein möglichst EU-weit abgestimmter Zeitplan, damit Industriebetriebe und Logistiker europaweit ihre Lieferketten wieder aufeinander abstimmen können. Wir brauchen auf EU-Ebene wieder mehr Miteinander statt Neben- oder Gegeneinander", so Rebhan.

Schwer trifft es seinen Worten nach Gastronomie und Hotellerie, die auch weiterhin geschlossen bleiben müssen. Im Gegensatz zu anderen Branchen könne der entfallene Umsatz auch nicht mehr nachgeholt werden. "Den Unternehmen setzt das empfindlich zu. Gerade in dieser Branche sind viele Unternehmen in ihrer Existenz bedroht." Über Lockerungen auch für diese Betriebe, sicherlich mit Einschränkungen, müsse man diskutieren. Die Einhaltung der Hygienevorschriften und eines Mindestabstandes von 1,5 Metern seien Grundvoraussetzung. Dabei könnten laut Rebhan ein Verzicht auf Büfetts und Flexibilität bei den Öffnungszeiten helfen. "Um einen relevanten Umsatz zu gewährleisten, sollte Gastronomiebetrieben ein Frühstücksservice sowie Mittags- und Abendtisch ermöglicht werden, fordert Rebhan. Bei der IHK-Blitzumfrage hatten 90 Prozent der Gastro-Unternehmen angegeben, aktuell keinen Umsatz zu machen, über 70 Prozent denken über Entlassungen nach.

Noch härter trifft es Reiseveranstalter und Reisebüros. Rebhan: "Reisebüros dürfen zwar wieder öffnen, haben aber nichts zu verkaufen." Stationären Reisebüros sei fast das komplette Neugeschäft weggebrochen. Der Umsatz aus dem Reisevertrieb werde nur sehr langsam wieder zurückkehren. Hinzu komme, dass Reisen im großen Stil storniert wurden und somit rückwirkend die Provisionen entfallen, die das Reisebüro bereits erhalten hat, also auch der Gewinn der vergangenen Monate. "Kein Neugeschäft, die Zurückzahlung bereits erhaltener Provisionen, unbezahlte Mehrarbeit wegen der Stornierungen und unsichere Zukunftsaussichten: Vor diesem Hintergrund finde ich die Forderung der Branche nach einem eigenen Rettungsmodell absolut nachvollziehbar", so Rebhan.

Für die besonders betroffenen Branchen im Gastgewerbe oder im Einzelhandel setzt Rebhan auf die Solidarität der Verbraucher. Wer auch künftig noch belebte Innenstädte haben wolle, müsse lokal einkaufen. Viele Gastronomen böten Speisen zum Mitnehmen an. Dieses Angebot werde im Frankenwald sehr gut genutzt. Er appellierte, diesen Service weiterhin zu nutzen. ihk

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
24. 04. 2020
17:26 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Autohäuser Einzelhändler Gastronominnen und Gastronomen Hans Rebhan Hotel- und Gastronomiegewerbe Händler Industrie- und Handelskammern Personalabbau Reisebüros Umsatzrückgang Zulieferunternehmen
Kronach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema

08.05.2020

B173-Ausbau: Freude über "epochales Bauprojekt"

Endlich rollen die Bagger: Dass der B 173-Ausbau in Lichtenfels begonnen hat, feiern auch Kronacher Politiker. Sie sprechen von einer wichtigen Zukunftsperspektive. » mehr

11.10.2019

Studierende können kommen

Ministerpräsident Markus Söder gibt endgültig grünes Licht für die Kronacher Campus-Pläne. Die Rede ist von 1000 Plätzen. Das Fächerangebot soll bundesweit einmalig sein. » mehr

14.06.2020

Noch bleiben die Betten leer

Trotz Wiedereröffnung kommen deutlich weniger Menschen in die Traditionsgaststätte Possecker in Tettau. Die Einbußen sind gewaltig. Es ist kein Ende in Sicht. » mehr

16.01.2020

Hochschulregion - und dann?

Die Studienplätze, die in Kronach entstehen, können viele Chancen bieten. Doch wie nutzt man die? Erste Ideen gibt es bereits. » mehr

28.04.2020

Virus hält auch Stockheim in Atem

Der Gemeinderat verabschiedet den Etat für 2020 einstimmig. Allerdings beinhaltet der Haushalt wegen der Corona-Krise einige Unwägbarkeiten. » mehr

25.06.2020

Schulleiter träumt von Ausbau

Die Berufsfachschule für Musik ist ein Alleinstellungsmerkmal für Oberfranken und Kronach. Auf der Sitzung ihres Zweckverbandes wurden große Pläne diskutiert. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lagerhalle in Geiselwind brennt völlig aus Geiselwind

Lagerhalle brennt völlig aus | 23.06.2020 Geiselwind
» 31 Bilder ansehen

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen Redwitz an der Rodach

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen | 23.06.2020 Redwitz an der Rodach
» 8 Bilder ansehen

Motorradunfall bei Sonnefeld

Motorradunfall bei Sonnefeld | 23.06.2020 Sonnefeld
» 7 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
24. 04. 2020
17:26 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.