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Kronach

Schadet die Energiewende den Bienen?

Imker-Kreisvorsitzender Hans Jorda übt Kritik am hohen Flächenverbrauch durch Solarparks. Auch Windräder sieht er mit Skepsis, ebenso Monokulturen.



Zahlreiche Imker hatten ihren Honig einer umfassenden Qualitätsprüfung unterzogen und konnten sich bei der Frühjahrsversammlung über ihr Honigzertifikat freuen. Es bestätigt, dass der Honig die Anforderungen der Qualitätsrichtlinien der Bayerischen Imkervereinigung in vollem Umfang erfüllt. Die Imker, die ihren Honig prüfen ließen, nahmen im Beisein von Andreas Schierling (links) ihre Urkunden entgegen: Manfred Zeitler, Dieter Welscher, Leopold Böhnlein, Heinrich Baier, Frank Beitzinger, Martin Körlin, Frank Schmdit, Stefan Scherbel, Stefan Feulner, Bienensachverständiger Georg Pabstmann, Harald Roschlau, Hans Schmidt und Kreisvorsitzender Hans Jorda. Nicht anwesend: Petra Geiger, Adelheid Kotschenreuther, Marian Mayek, Elke Ströhlein, Renate Götz und Thomas Liegl. Foto: Imkervereinigung Kronach  

Teuschnitz - Kritisch hat der Kreisverband Kronach der Bayerischen Imkervereinigung bei seiner Frühjahrsversammlung in Teuschnitz einige Punkte beleuchtet, welche die Imker betreffen. Kreisvorsitzender Hans Jorda berichtete zudem über das absolvierte Programm seit der Herbstversammlung und informierte über anstehende Termine und Aufgaben. Zahlreiche Imker hatten ihren Honig erfolgreich einer Qualitätsprüfung unterzogen und erhielten hierfür ihre Zertifikate.

Viele Viren nutzen die Varroamilbe als "Taxi" in den Bienenstock

"Bienenkrankheiten, -gesundheit, Sanierung im Krankheitsfall" - über diese Themen referierte bei der Imkerversammlung Andreas Schierling vom Tiergesundheitsdienst. Aufmerksam folgten zahlreiche Imker dem Vortrag, um für sich und die eigenen Bienen wichtige Informationen an den heimischen Bienenstock mitzunehmen.

Zu den Viruserkrankungen - zum Beispiel deformierte Flügel durch das Flügeldeformations-Virus (DWV) oder zitternde, flugunfähige Bienen durch das akute Bienenparalyse-Virus (ABPV) - kommt es durch Übertragung durch die Varroamilbe. Das Virus als Auslöser für die Krankheit sei nichts anderes als funktional verpacktes Erbgut, das über die Varroamilbe transportiert, in den Bienenkreislauf eindringen könne, ähnlich wie die Krankheitsübertragung durch Zecken bei den Menschen, sagte Schierling. Die Varroamilbe sei das "Taxi" für viele Viren. Im Bienenkreislauf docke das Virus an eine Wirtszelle an und ändert deren DNA in die eigene DNA. So komme es zur Vermehrung und Streuung mit den entsprechenden Symptomen einer Virusinfektion.

Bei der Faulbrut (AfB) handele es sich um eine bakterielle Erkrankung. Der Referent erläuterte die Symptome der verschiedenen Faulbruttypen Eric 1 bis Eric 4. Beim Faulbruttyp Eric 2 könne auch schon ein löchriges Brutnest ohne klassisches Fadenziehen als klinisches Symptom gedeutet werden. Schierling empfahl als Vorbeugung gegen die AfB die Futterkranzbeprobung. Die Untersuchung durch den Tiergesundheitsdienst sei kostenfrei. Bei einem positiven Befund könne man mit einem offenen oder geschlossenen Kunstschwarmverfahren der Verschleppung oder dem Ausbruch der AfB entgegenwirken. Eine geeignete Zeit für die Beprobung sei das Frühjahr und die Zeit um die Honigernte.

 

Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" betrachte er als herausragenden Erfolg, sagte Hans Jorda. Wenn die Politik und die Behörden versagten, müssten die Bürger die notwendigen Veränderungen selbst in die Hand nehmen. Die Bevölkerung sei aufgewacht, und es werden weitere Volksbegehren ins Leben gerufen werden. Traurig sei, dass Naturschutzverbände und Parteien erst dagegen gewesen seien, erst nach dem sich abzeichnenden Erfolg auf diesen Zug aufgesprungen seien und dies heute als ihren Erfolg verkauften, merkte der Imker-Kreisvorsitzende an.

 

Das Insektensterben habe sicherlich vielfältige Ursachen: zum Beispiel gigantische Lichtverschmutzung, Lebensraumzerstörung, Straßenverkehr, Umweltgifte und intensive Landwirtschaft, gab Jorda zu bedenken. Die angekündigte Energiewende sei gut gemeint, aber nicht zu Ende gedacht. Solarparks vernichteten Tausende von Hektar an intakter Natur und gehörten zu den größten Flächenverbrauchern in Deutschland. In Brandenburg sei aktuell eine Anlage mit einer Größenordnung von 164 Hektar geplant, berichtete Jorda. Der Bebauungsplan sei bereits genehmigt. Windkraftanlagen in Reihe seien nicht nur gigantische "Häckselmaschinen" für Vögel, sondern vernichteten auch riesige Mengen an Insekten - laut einer Studie aus 2018 rund 1,2 Tonnen pro Jahr. Biogasanlagen sorgten für riesige Monokulturen, kritisierte der Imker-Kreisvorsitzende. Bei Stromtrassen mit Erdkabel müsse die Kabeltrasse von tief wurzelnden Pflanzen freigehalten werden. Eine Schneisenbildung mit bis zu 30 Metern Breite werde notwendig. Erdkabel strahlten Wärme ab und könnten die Bodenbeschaffenheit und den Bewuchs beeinflussen. Jorda: "Und wir wundern uns über das Verschwinden unserer heimischen Tierwelt und Lebensraumzerstörung." Deshalb unterstütze er ausdrücklich die Bewegung der Jugend mit ihrer Aktion "Fridays for Future", betonte er.

Die Imker müssten bereits heute mehr als 45 Gesetze beachten, sagte der Vorsitzende. Hinzu kämen noch EU-Verordnungen. Jorda befürchtet, dass viele Imker vor der sich abzeichnenden ausufernden Bürokratie, verbunden mit Aufzeichnungspflichten und Vorschriften, bei denen nicht mehr zwischen großen Gewerbebetrieben und Kleinstimkern unterschieden werde, kapitulieren.

Der Vorsitzende informierte außerdem darüber, dass in Zusammenarbeit mit dem Arnikaverein Teuschnitz wieder die Aufstellung eines Bienenschaukastens vorgesehen sei. Darüber hinaus wies er auf den Termin des Arnikafestes am 16. Juni hin. Dort werde er zwei Referate halten. Die Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triersdorf haben den Imkern eine Varroa-App zur Verfügung gestellt, die bei der erfolgreichen Bekämpfung der Varroamilbe helfen soll. Weiterhin werde daran gearbeitet die automatische Auszählung der Milben durch Bild umzusetzen, sagte Jorda.

Der Vorsitzende teilte außerdem mit, dass der Bienenverkauf außerhalb des Landkreises nur mit Gesundheitszeugnis erfolgen dürfe was unter anderem im Faulbrutsperrbezirk Ludwigsstadt noch nicht aufgehoben sei. Eine Betriebsnummer für die Imkerei sei beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) zu beantragen. Zum Vollzug der Bienenseuchen-Verordnung sei zudem noch eine Anzeige über die Bienenhaltung an das Landratsamt zu senden. Dies habe nichts mit der Betriebsnummer zu tun. Am Lehrbienenstand in Lauenhain seien verschiedene Veranstaltungen geplant, unter anderem wieder die professionelle Königinnenzucht, berichtete Jorda. Die eigene Herstellung von Mittelwänden sei vorläufig auf Eis gelegt, da erst das Problem der Entseuchung geregelt werden müsse. Hier bediene man sich im Moment eines darauf spezialisierten Unternehmens. ok

Autor

Uwe Zipfel
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Veröffentlicht am:
14. 05. 2019
19:04 Uhr

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14. 05. 2019
19:04 Uhr



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