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Kronach

Schauen und Tasten mit Hammer und Meißel

Die 24. Sandsteinwerkstatt findet unter Leitung von Tobias Schreiber statt. Zwölf Teilnehmer bearbeiten das Material mit dem Werkzeug.



Achim Küpferling nimmt heuer zum 13. Mal an der Sandsteinwerkstatt teil. In diesem Jahr arbeitet er an einer maritimen Säule. Foto: Sabine Raithel  

Kronach - Ein wenig abgelegen, im idyllischen Dobersgrund, liegt das Atelier des freischaffenden Bildhauers Tobias Schreiber. In diesem Jahr ist es zum zweiten Mal Spielort der Sandsteinwerkstatt. Bis Mitte August geben hier (Hobby-)Künstler aus ganz Deutschland in jeweils ein- beziehungsweise zweiwöchigen Kursen dem Kronacher Sandstein eine individuelle Form. Zum Auftakt begrüßt wurden die Teilnehmer von Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein, Tourismuschefin Kerstin Löw, Kreiskulturreferentin Gisela Lang und Kursleiter Tobias Schreiber.

"Der Bildhauer Heinrich Schreiber prägte in der Vergangenheit wie kein anderer das Programm der Sommerkurse in Kronach", sagte Wolfgang Beiergrößlein. "Er war ein unglaublich einfühlsamer und humorvoller Lehrer und Kursleiter der Sandsteinwerkstatt. Seit seinem Tod im Jahr 2016 führt sein Sohn Tobias die beliebten Workshops weiter und bewahrt seinem Vater ein ehrenvolles Andenken." Bei den gemeinsamen Wochen entstünden nicht nur fantasievolle und spannende Skulpturen, sondern auch eine einmalige Atmosphäre von Freundschaft und Kreativität, die viele Teilnehmer jeden Sommer in die Lucas-Cranach-Stadt zurückkommen lasse.

Wie Achim Küpferling. Der Weißenbrunner ist heuer zum 13. Mal als Teilnehmer bei der Sandsteinwerkstatt dabei. Mit einem Knüpfel, einem halbkugelförmigen Hammer aus Holz, treibt er den Meißel mit Gefühl und Augenmaß in den Sandstein. Er hat sich einen rechteckigen Block für seine diesjährige Arbeit ausgesucht. "Die Härte des Steins ist entscheidend. Aber ob ein Stein sehr hart oder weich ist, das kann man mit etwas Erfahrung schon sehen, bevor man das Werkzeug anlegt."

In diesem Jahr arbeitet Achim Küpferling an einer maritimen Säule. "Im vergangenen Jahr habe ich hier schon eine Jakobsmuschel und eine Perle angefertigt, die dann auf die fertige Säule ‚garniert‘ werden." Im Laufe der Jahre habe er einige größere und viele kleinere Objekte aus Stein geklopft. Das meiste davon stehe bei ihm zu Hause im Garten; ein Gedenkstein zum 25-jährigen Bestehen der Theatergruppe Hummendorf sei sein erstes Werk für den öffentlichen Raum. "Tobias Schreiber ist ein toller Lehrer: Er zeigt uns wichtige Handgriffe, gibt uns wertvolle Tipps für die praktische Gestaltung und schärft unseren Blick - aber er lässt uns auch künstlerischen Freiraum. So entwickelt sich über die Jahre bei jedem eine eigene Handschrift", lobt Küpferling

"Es geht um Schauen, Tasten und Wegnehmen mit Hammer und Meißel, um Suchen und Herauslösen", sagt Tobias Schreiber. "Es geht um die harmonische Differenz von Hoch und Tief, ein sensibles Suchen, zu dem man Kraft und Geduld mitbringen muss - egal, ob man ein Relief, ein Ornament oder Figürliches aus dem Stein schaffen möchte."

So schön und perfekt die Arbeitsbedingungen im Schreiber’schen Atelier auch sind, künftig soll die Sandsteinwerkstatt wieder auf die Festung zurückkehren. "Nach unseren Planungen wird es in absehbarer Zukunft eine gut ausgestattete Festungsbauhütte geben, die sich dann ideal in das Gesamtensemble auf der Festung einfügt", sagt Tourismuschefin Kerstin Löw. Die Festungsbauhütte soll dann nicht nur der Sandsteinwerkstatt, sondern auch weiteren museumspädagogischen Angeboten den passenden Rahmen geben.

Kronacher Sandstein war einst ein begehrter Werkstoff, und die Steinbrüche waren wichtige Arbeitgeber. Immerhin gab es in der Vergangenheit rund um Kronach mehr als 200 Sandsteinbrüche. Die erste urkundliche Erwähnung eines Sandsteinbruchs hinter der Festung Rosenberg stammt aus dem Jahr 1477.

Die Blütezeit der Kronacher Sandstein-Industrie war das 19. Jahrhundert mit zahlreichen Aufträgen für öffentliche Bauten, Krankenhäuser und Schulen. Großprojekte wie der Bau von Schloss Herrenchiemsee sorgten über Jahre für Lohn und Brot. Weitere prächtige Bauten und bedeutende Werke der Bildhauerkunst entstanden aus dem feinkörnigen, witterungsbeständigen Material - unter anderem der Berliner Reichstag. Vor dem Ersten Weltkrieg, um 1910, ebbte jedoch die Faszination für den Sandstein ab. Alternative Baustoffe verdrängten den Naturstein. Im Jahr 1931 folgte der endgültige Zusammenbruch des bayerischen Sandsteingewerbes.

Nicht zuletzt verhalf das Wirken des akademischen Bildhauers Heinrich Schreiber (1935 - 2016) dem Kronacher Sandstein in der kirchlichen und weltlichen Kunst zur Renaissance. Seine Heimatstadt verdankt ihm zahlreiche künstlerische Objekte und Skulpturen, die das Gesicht der Stadt maßgeblich prägen.

Autor

Sabine Raithel
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
01. 07. 2019
18:48 Uhr

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Sabine Raithel

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Veröffentlicht am:
01. 07. 2019
18:48 Uhr



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