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Kronach

Seltene Schönheiten am Wegesrand

Viele Vertreter der Familie der "Waldvöglein" gelten als sehr gefährdet. Im Frankenwald gelang Experten jedoch vor einiger Zeit ein Sensationsfund. Andere Arten sprießen ziemlich häufig im Landkreis Kronach.



Ein hübscher Hingucker ist das Rote Waldvöglein.  

Kronach - Ein klangvoller und poetischer Name: "Waldvöglein." Aber dieses Vöglein kann nicht fliegen und zwitschert auch nicht. Es ist der Name einer Orchideenart und davor steht entweder: "schwertblättrig," "bleich" oder "rot". Der vierte Artikel zur Orchideenserie dreht sich um Waldorchideen.

Das Verblüffende: eine Art, nämlich das "Rote Waldvöglein" (Cephalenthera rubra) hat sogar Hotelcharakter. Wie viele Sterne die Insekten, die von Zeit zu Zeit darin übernachten, vergeben würden, bleibt wohl ewig ein Geheimnis. Fakt ist, sie wird deshalb auch "Schlafstättenblume" genannt. Positiver Nebeneffekt: So kann die Pflanze quasi nebenbei auch bestäubt werden. Das "Rote Waldvöglein" suchen aber die Orchideenexperten Florian Wagner, Uwe Pausch und Fotograf Stevie Amm im Landkreis Kronach leider vergebens. "Es wächst in Laub- und Nadelwäldern, oft auf Kalk und die Blütezeit liegt zwischen Ende Juni und Mitte Juli." Sie hat Blüten, allerdings ohne Nektar, wird aber trotzdem oft von Bienen besucht. Warum das so ist, erklärt sich durch ihr Aussehen. Sie wird nämlich gerne mit Glockenblumenarten verwechselt, wegen des identischen Reflektionsmusters. Alte Fundangaben, die sich auf das Gebiet zwischen Fischbach und Gössersdorf und auf den Schmölzer Berg beziehen, brachten zwar keine neuen Sichtungen, die wären aber jederzeit möglich.

"Schwertblättriges Waldvöglein (Cephalanthera longifolia)", der Name erklärt sich fast von selbst. Die Blätter dieser Orchideenart haben die Form eines Schwertes und sie ist gleichzeitig die seltenste der Waldvögleinarten. Größere Bestände gibt es in Bayern leider nur im Voralpenland und in den Alpen. Im Landkreis Kronach bei Weißenbrunn galt ihre Entdeckung im Jahr 2018 deshalb als der "Sensationsfund" schlechthin. Gefunden wurde sie aber eher zufällig, denn Uwe Pausch hatte mit seinen Kollegen eigentlich nach seltenen Ackerwildkräutern gesucht. "Bei der Durchquerung eines schmalen Waldstückes fielen uns die vertrockneten Blattreste von Orchideen auf. Wir konnten sie sofort der Gattung ‚Cephanlanthera‘, also ‚Waldvöglein‘ zuordnen. Wir waren uns sicher, etwas ganz Besonderes gefunden zu haben, konnten aber keine weitere genaue Zuordnung machen. Ein Jahr später kamen wir in der Gegend von Weißenbrunn eher zufällig wieder an dieser Pflanze vorbei und sie stand in voller Blüte. Wir staunten nicht schlecht, denn wir hatten tatsächlich das äußerst seltene ‚Schwertblättrige Waldvöglein‘ gefunden. Bis dahin kannten wir keinen einzigen Nachweis dieser Art im Landkreis Kronach."

Das Auffällige an dieser Pflanze, die stolz ihre weißen Blüten trägt, ist die Lippenspitze mit einem eidottergelben Fleck in der Mitte. Die Blüten sind für die Fremdbestäubung weit geöffnet. Ihre Blütezeit beginnt Anfang Mai und dauert bis Ende Juni.

Die dritte Waldvögleinart ist das "Bleiche Waldvöglein" (Cephanthera damasonium). Es ist ebenfalls kalkliebend und die häufigste Art, die sich in den Farben cremeweiß bis elfenbeinfarben präsentiert. Was bei ihr gut funktioniert: die Selbstbestäubung. Deshalb öffnet sie ihre Blüten auch kaum und nur in besonderen Fällen, quasi um Inzucht zu vermeiden, lässt sie Fremdbestäubung zu. Florian Wagner: "Sie hat relativ große Kapseln, dicht aufwärts gerichtet an den Stängeln. Ihre Samen sind gerade mal 0,005 Milligramm schwer." Bewundern kann man sie am besten während ihrer Blütezeit, und die beginnt Mitte Mai und endet Ende Juni. Im Landkreis Kronach gibt es neben den Standorten über Muschelkalk und Malm noch ein bemerkenswertes Vorkommen, nämlich bei Steinbach an der Haide. Ihre Wuchsorte können dabei sogar ziemlich dunkel sein, denn die Ernährung findet auch über Wurzelpilze statt. Das "Bleiche Waldvöglein" ist in Bayern nicht gefährdet.

"Kriechendes Netzblatt": Dieser Name erinnert wohl eher an etwas Fieses oder Gemeines. Auf die Goodyera repens, eine Art, die in Kiefernwäldern über Kalk wächst, treffen diese Attribute wohl eher nicht zu. Obwohl ihre behaarten Blüten schon irgendwie anders sind. Sie stehen dicht und sind einseitswendig angeordnet. Sie gilt ebenfalls als bedrohte Art und ihr Aussehen hilft ihr da leider auch nicht viel. "Sie ist so unscheinbar, dass sie kaum wahrgenommen wird", meint Florian Wagner. Und tatsächlich gibt es aktuell nur noch sehr wenige Fundorte im Landkreis. Wenn überhaupt, dann zeigt sich die Pflanze mit ihren weißen Blüten Ende Juni bis Mitte Juli. Uwe Pausch erklärt: "Das ‚Kriechende Netzblatt‘ vermehrt sich stark vegetativ. Der Umbau von Kiefern- und Laubwäldern und die Überdüngung aus der Luft gelten als Hauptursachen für den Rückgang." Es gibt aber einen Umstand, der gerade diese Art hervorhebt, sie andersartig macht. Sie ist nämlich "immergrün". Wenn im Dezember keine geschlossene Schneedecke vorhanden ist, dann beginnt ihre Zeit.

Bleibt in der Reihe der Waldorchideen nur noch die "Vogelnestwurz" (Neottia nidus-avis). Die bräunliche Orchideenart wächst in den Kalkwäldern des Landkreises unter Nadel- und Laubbäumen. Ihren Namen verdankt sie ihrer nestartigen Wurzel. Sie wächst ohne Blattgrün, blüht von Mitte Mai bis Ende Juni. Es gibt etliche Standorte im Landkreis, eine Gefährdung sei derzeit nicht erkennbar, so die Experten.

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Von Maria Löffler
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Veröffentlicht am:
31. 07. 2020
18:26 Uhr

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Von Maria Löffler

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Veröffentlicht am:
31. 07. 2020
18:26 Uhr



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