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Kronach

Sie bereiten den Kronachern ein Fest

Schausteller, Platzmeister und Handwerker bauen Fahrgeschäfte und Buden auf. Die Neue Presse besucht sie. Dabei verraten sie, warum sie so gerne nach Kronach kommen.



Jedes Jahr mit Kettenkarussell beim Freischießen: Schausteller Michael Distel.   » zu den Bildern

Kronach - Bei den Müllers wird heute geputzt - für das Kronacher Freischießen. Die Schaustellerfamilie von Mutter Gabriele, Vater Lorenz und Tochter Nina-Elisa kommt seit mehr als 100 Jahren zum Kronacher Freischießen. Den Menschen, die ab Donnerstag durch das Eingangstor strömen werden, sind sie unter einem anderen Namen bekannt: Eismüller. Jahr für Jahr steht die Schaustellerfamilie mit ihren drei Wagen direkt rechts neben dem Haupteingang. Wer von dort aus seine Runde über den Festplatz beginnt, der riecht sofort den Geruch ihrer gebrannten Mandeln.

Bis es soweit ist, dauert es aber noch ein paar Tage, meint Lorenz Müller. "Die frischen Waren räumen wir zum Bieranstich ein", erklärt er am Donnerstag. Seit einer Woche steht seine Süßwaren-Bude schon auf dem Festplatz. Nun erledigen er und seine Familie jeden Tag ein paar kleinere Arbeiten. Am Donnerstag etwa wechselt er kaputte Glühbirnen der Beleuchtung des Wagens aus. Am Sonntag wollen sie mit den Vorbereitungen fertig sein. Dann erwartet er seine beiden Brüder am Festplatz. Sie verkaufen ihre Süßigkeiten zur Zeit noch beim Coburger Schützenfest und fahren dann zum Festplatz. Nach Kronach komme er sehr gerne, denn sein Opa lernte beim Freischießen seine Frau kennen, eine Johannisthalerin. Lorenz Müllers Vater tat es dem Opa gleich und heiratete eine seiner Verkäuferinnen - ebenfalls eine Frau aus Johannisthal. Neben der Arbeit besuche er bis zum Beginn des Freischießens Verwandte und Bekannte im Landkreis. Seit vier Jahrzehnten ist er Mitglied in der Kronacher Schützengesellschaft. Heuer wurde er dafür geehrt. "Für mich sind die Tage in Kronach wie Urlaub", sagt er.

Dass Lorenz Müller und seine beiden Brüder mit ihren Wägen direkt am Eingang stehen dürfen, dafür ist Platzmeister Karl-Heinz Wittig verantwortlich. Vor vier Wochen hätten die ersten Schausteller begonnen, ihre Buden in Kronach aufzubauen. Die ersten Nägel hätte der Betreiber eines Brezelverkaufs schon am 18. Juni in die Bretter seines Standes gehämmert, erklärt Wittig. Schon zu Jahresbeginn habe er festgelegt, wo die Schausteller ihre Buden aufstellen dürfen. Bis kurz vor dem Freischießen müsse er den Plan noch anpassen. Kurzfristige Absagen sin der Grund. "Viele Schausteller reisen erst nach dem Ende des Coburger Schützenfestes und des Hofer Volksfest an." Denn dort arbeiteten sie zur Zeit noch. Auch deshalb habe er den hinteren Bereich des Festplatzes frei gehalten, um jedem einen passenden Platz anzuweisen. Daneben befindet sich ein Besucherparkplatz, der für das diesjährige Fest umgebaut wurde: Bis zu zehn Menschen mit Behinderung können dort nun parken.

Neu ist auch die Bude von "Karli’s Bar". Landschaftsgärtner Marco Klemer hat sie während des Winters gebaut. "Da gibt es für uns Gärtner nicht so viel zu tun", erklärt er. Einfach sei das nicht gewesen, denn alle Teile hätten ein bestimmtes Maß nicht überschreiten dürfen, soll das Häuschen doch leicht ab- und wieder aufzubauen sein. Nun müsse sich zeigen, ob alle Holzbalken und Wände der von ihm geplanten Konstruktion auch zusammenpassen oder ob er nochmal Maß nehmen muss. Noch werkelt Klemer hinter der Bar, bohrt die letzten Schrauben fest, überprüft die Bude auf ihre Stabilität. Ab Donnerstag wolle er lieber auf der anderen Seite der Bar stehen, meint er.

Dass heuer die Bude mit dem Fotoschießen wieder auf dem Festplatz zu Gast ist, freut Platzmeister Wittig sehr. Denn es hätten sich Nachfolger für die verstorbene Betreiberin gefunden. Neu sei hingegen die sogenannte Krake der Schaustellerfamilie Müller aus Berlin. Sie werde er dieses Jahr aber wohl nicht ausprobieren. "Dinge, die sich sehr schnell im Kreis drehen, sind nichts mehr für mich", meint der 56-Jährige. Die Testfahrt überlasse er gerne seinem Sohn. In eine Achterbahn steige er aber nach wie vor gerne.

Wie es mit einer Fahrt im Kettenkarussell von Michael Distel aussieht, ließ Wittig offen. Die Möglichkeit für eine Runde im Kreis hätte er jedenfalls. "Wir bauen schon seit einer Woche auf", erklärt Distel, der das Fahrgeschäft zusammen mit seiner Familie betreibt - in der sechsten Generation inzwischen. Zwar seien sie auf nahezu allen Volksfesten in Franken, das Kronacher Freischießen aber sei eines der besten Feste in der Region. Seit 60 Jahren komme seine Familie gerne hier her. In eine Schausteller-Familie hinein geboren, wuchs er neben dem Kettenkarussell auf. "Auch auf dem Kronacher Festplatz bin ich groß geworden", sagt er über seine Kindheit. Nur noch kleinere Arbeiten stünden an, dann könne es rund gehen.

Distel ist einer von 60 Menschen, mit denen Platzmeister Wittig für das Fest einen Vertrag geschlossen hat. Bis zu 65 Stände stünden jährlich auf dem Festplatz. "Bis zum Bieranstich wird jede Bude an ihrem Platz stehen", ist er sich sicher. In seinen 21 Jahren als Platzmeister habe er es noch nie anders erlebt.

Autor

Yannick Seiler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
01. 08. 2019
22:24 Uhr

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Yannick Seiler

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Veröffentlicht am:
01. 08. 2019
22:24 Uhr



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