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Kronach

Sucht lässt Mann erneut straffällig werden

Ein wegen Betrugsdelikten vorbestrafter 37-Jähriger musste sich erneut vor Gericht verantworten. Die Kammer spricht eine Gefängnisstrafe aus.



Justizia. Symbolfoto. Justizia. Symbolfoto.
Justizia. Symbolfoto.   Foto: Archiv

Kronach - Baumaschinen und Handwerkerbedarf im Wert von knapp 12.300 Euro hat ein 37-jähriger Mann aus dem Landkreis Kronach Mitte des letzten Jahres via Internet bestellt, aber nicht bezahlt. Stattdessen verkaufte er einen Teil der ergaunerten Ware einfach weiter. Deswegen musste er sich am Freitagmorgen wegen gewerbsmäßigen Betrugs vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Kronach unter Vorsitz von Richterin Claudia Weilmünster verantworten.

Nachdem der Prozess im März aufgrund eines noch einzuholenden Gutachtens, das eine eventuelle Suchterkrankung des Beschuldigten untersuchen sollte, ausgesetzt worden war (die NP berichtete), fiel nun ein Urteil: zwei Jahre und neun Monate Gesamtfreiheitsstrafe nebst Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Außerdem muss er Wertersatz in Höhe von 9700 Euro leisten.

Der mehrfach einschlägig wegen Betrugsdelikten vorbestrafte und bereits inhaftierte Beklagte räumte die Tatvorwürfe vollumfänglich ein. Demnach habe er bei einem in Baden-Württemberg ansässigen Unternehmen vom 18. Juni bis zum 31. Juli des vergangenen Jahres in 24 Fällen - teils mehrmals am selben Tag - ohne zu bezahlen hochwertige Werkzeuge und Maschinen mitsamt Zubehör im Wert von 12 264 Euro geordert und einen Teil davon weiterverkauft.

Prekär dabei: Das Ganze geschah noch während eines laufenden Revisionsverfahrens in einem anderen Strafprozess gegen den Angeklagten. Dessen eingedenk bezeichnete er selbst die nun verhandelte Straftat als "Dummheit". Auf Nachfrage der Richterin gab der im Tatzeitraum auf Arbeitslosengeld II angewiesene 37-Jährige an, von der durch den Verkauf erzielten Geldsumme seinen Lebensunterhalt finanziert zu haben. Doch als Hauptmotiv nannte er den exorbitanten Bedarf an Schmerzmitteln infolge eines Autounfalls aus dem Jahr 2017; letztgenannte habe er sich teils auf undurchsichtigen Wegen beschafft. Ein Teil der Werkzeuge konnte jedoch zwischenzeitlich beim Beschuldigten, der im Vorgängerprozess vom leitenden Ermittler der Polizei als "jemand, der öfter gerne mal was bestellt und nicht bezahlt", bezeichnet wurde, sichergestellt und an den rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden. Dadurch minimierte sich der Gesamtschaden auf 9700 Euro.

Ein Psychiater bescheinigte dem Beklagten zwar volle Schuldfähigkeit, attestierte jedoch eine Abhängigkeit von Opiaten - "die schwerste Form der Abhängigkeit überhaupt", wie er verdeutlichte. Hinsichtlich der psychischen Gesundung des Angeschuldigten sprach er von einigen noch zu erwartenden "Großbaustellen". Dennoch bewertete der Fachmann die Erfolgsaussichten als positiv. Sein Anraten aus ärztlicher Sicht: die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt für die gesetzlich maximal zulässige Zeit von zwei Jahren.

Dem pflichteten auch Staatsanwältin Julia Haderlein sowie Verteidiger Michael Linke in ihren Plädoyers bei. "Ohne Behandlung ist mit neuen Straftaten zu rechnen", war sich die Anklagevertreterin sicher. Unter Berücksichtigung des Geständnisses forderte sie neben der Unterbringung nach dem Maßregelvollzug drei Jahre Freiheitsstrafe sowie die Leistung von Wertersatz.

In eine andere Kerbe schlug dagegen der Verteidiger: "Es ist schon erstaunlich, wie leicht es meinem Mandanten bei den Bestellungen überhaupt gemacht wurde." Dennoch bestehe an der Schuld kein Zweifel. Seine Forderung: zwei Jahre und sechs Monate. Mit seiner Entscheidung wählte das Gericht einen Mittelweg aus beiden Forderungen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Autor

Jürgen Malcher
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Veröffentlicht am:
02. 08. 2019
17:02 Uhr

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Jürgen Malcher

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Veröffentlicht am:
02. 08. 2019
17:02 Uhr



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